4022/AB XX.GP

 

Gegenstand: Schriftl.parl.Anfr.d.Abg.z.NR Ing. Monika

Langthaler, Freundinnen und Freunde vom

16. April 1998, Nr. 4305/J, betreffend

Österreichs Position zum Weißbuch “Energie für

die Zukunft: Erneuerbare Energieträger” der

Europäischen Kommission

An den

Herrn Präsidenten

des Nationalrates

Dr. Heinz Fischer

Parlament

1017 Wien

Auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Ing. Monika

Langthaler, Freundinnen und Freunde vom 16.April 1998, Nr. 4305/J,

betreffend Österreichs Position zum Weißbuch “Energie für die

Zukunft: Erneuerbare Energieträger” der Europäischen Kommission,

beehre ich mich folgendes mitzuteilen:

Zu Frage 1:

Wirtschaftspolitische und beschäftigungspolitische Chancen durch

verstärkte Anwendung erneuerbarer Energieträger sind durchaus

gegeben, da Österreich bei der technischen Ausrüstung von

Wasserkraftwerken, bei moderner Biomassetechnologie, bei

Biogasanlagen und - motoren, bei thermischen Solaranlagen und bei

der Zulieferung für Wind - und Photovoltaikanlagen weltweit

konkurrenzfähige Produkte anzubieten hat. Es ist davon auszugehen,

daß die im Rahmen eines Ausbaues erneuerbarer Energiequellen

entstehenden degressiven Effekte im Bereich fossiler Energieträger

durch den Einsatz von Bioenergie bei weitem aufgewogen werden.

Insgesamt sind daher aus der Sicht der Land - und Forstwirtschaft

die Bestrebungen der EU jedenfalls unterstützenswert, da sie im

Energiesektor eine große Chance insbesondere für Österreichs

Bäuerinnen und Bauern darstellen.

Zu Frage 2:

Die erneuerbaren Energieträger, und aus der Sicht der Land - und

Forstwirtschaft besonders die Biomasse, stellen ein großes

Betätigungsgebiet für die Zukunft und ein enormes Potential für die

europäische Landwirtschaft dar. Neben ökologischen Aspekten bietet

die Biomasse für die Bauern und für den ländlichen Raum im Ganzen

eine Chance, neue Einkommensquellen zu erschließen. Ein zukunfts -

orientiertes Energiesystem, das auf heimische erneuerbare Energie -

träger und bessere Energieeffizienz setzt, führt dazu, daß die

Ausgaben der Bürger für Energiedienstleistungen vermehrt im Inland

bleiben und damit neue Beschäftigung geschaffen wird. Der techno -

logische Vorsprung Österreichs und das große heimische Biomasse -

potential würde auch im Exportbereich zu positiven Effekten führen.

Zu den Fragen 3 und 4:

Österreich ist ein Land mit einem hohen Waldanteil. Demzufolge

verfügt die österreichische Forstwirtschaft über enorme

Energiereserven. Jährlich wachsen ca. 27,3 Mio Vfm Holz zu, von

denen nur etwa 19,5 Mio genützt werden (Vgl. Waldinventur 1992 - 96).

Eine jährliche nachhaltige Mehrnutzung von ca. 8 Mio Vfm Biomasse

(62 Petajoul/Jahr) wäre nicht nur möglich, sondern würde positive

Effekte hinsichtlich Entwicklung, Vitalität und Stabilität der

Waldbestände (Durchforstung) erbringen und darüber hinaus die CO2

Produktion um etwa 4,5 Mio t verringern. In Verbindung mit anderen

erneuerbaren Energieträgern (Stroh, Energiepflanzen, Biogas) könnte

ein Potential von ca. 225 PJ/a genützt werden (Studie der Bundes -

anstalt für Landtechnik Wieselburg, 1996; Studie des Öster -

reichischen Kuratoriums für Landtechnik, 1998), dh nahezu das

Doppelte der derzeit energetisch genutzten heimischen Biomasse

(115 PJ/a)

Zu Frage 5:

Ja.

Das Bundesministerium für Land - und Forstwirtschaft hat sich

deshalb an der Schaffung von Kompetenzzentren (zB.: Bundesanstalt

für Landtechnik in Wieselburg als Forschungsstelle und Informa -

tionszentrale für Biomasse) beteiligt, um die Entwicklung im

Biomassesektor voranzutreiben. Weiters wurde ein “Österreichischer

Staatspreis für Bioenergie” ins Leben gerufen und die ressortüber -

greifende Förderungskooperation zwischen dem Bundesministerium für

Land - und Forstwirtschaft und dem Bundesministerium für Umwelt,

Jugend und Familie installiert.

Zu Frage 6:

Studien der Europäischen Union, die im Rahmen der Erstellung des

Weißbuches und des Aktionsplanes durchgeführt wurden (Vgl. TERES

11 - Studie) prognostizieren für 2010 die Schaffung von 500.000

Arbeitsplätzen netto für den Bereich der gesamten Union unmittelbar

im Bereich der erneuerbaren Energieträger oder mittelbar im

Zulieferbereich.

Für die Republik Österreich liegt dem Bundesministerium für Land -

und Forstwirtschaft eine Studie des "Biomasseverbandes" (Kopetz,

1997) vor, die das Beschäftigungspotential abschätzt, welches sich

aus der forcierten Nutzung von Biomassen in den Bereichen

“Waldhackgut, Stroh, Kurzumtriebsholz, Biogas und Ethanol” ergibt.

Demzufolge könnte sich aufgrund dieser Studie das mögliche Arbeits -

marktpotential für diese Sparten zwischen 30.000 bis 50.000

Arbeitsplätzen belaufen.

Zu den Fragen 7 bis 10 und 12:

Der von Ihnen dargestellte Sachverhalt beruht auf einem Irrtum, der

bereits klargestellt wurde. Der Bundesminister für wirtschaftliche

Angelegenheiten Dr. Farnleitner hat bereits im Hauptausschuß des

Nationalrates am 5. Mai d.J. ausgeführt, daß diese Bedenken auf das

fehlerhafte Arbeitsgruppensitzungsprotokoll zurückgehen. Das vor -

liegende Weißbuch wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche

Angelegenheiten nicht abgelehnt, sondern als Basis für die wirt -

schaftliche Entwicklung anerkannt.

Die Vertretung Österreichs in der von Ihnen angesprochenen Ratsar -

beitsgruppe obliegt dem Bundesministerium für wirtschaftliche Ange -

legenheiten. Es darf deshalb auf die Anfragebeantwortung des Herrn

Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten verwiesen

werden.

Zu den Fragen 11 und 13:

Aus der Sicht der österreichischen Land - und Forstwirtschaft

ergeben sich im besonderen folgende Positionen:

* eine weitere Anhebung des Anteils der erneuerbaren Energieträger

* die Zurverfügungstellung benötigter Anbauflächen im Rahmen der

  Gemeinsamen Agrarpolitik

* Steuerbefreiungen im Bereich dieser Energieträger und eine

  EU - weit akkordierte Anhebung der Abgaben auf fossile

  Energieträger

* Maßnahmen zur Bewußtseinsbildung und Information über die

  Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile der Biomasse

* Förderung der Investitionen im Bereich der Bioenergietechnologie

Diese Forderungen wurden bereits vom Ausschuß für Landwirtschaft

und ländliche Entwicklung in den federführenden Ausschuß für

Forschung, technologische Entwicklung und Energie des Europäischen

Parlaments eingebracht.

Österreichintern wird sich das Bundesministerium für Land - und

Forstwirtschaft für die Festlegung eines nationalen Ziels ein -

setzen. Darüber hinaus gilt es, in diesem Sinne auch auf die

anderen Mitgliedstaaten einzuwirken. Die oben angeführten Maßnahmen

zur Bewußtseinsbildung und Information stellen einen wichtigen

Schritt in diese Richtung dar.

Der Bundesminister: