4127/AB XX.GP
An den
Herrn Präsidenten
des Nationalrates
Parlament
1017 Wien
Wien, am 10. Juli 1998
GZ 61 1000/39 - Präs.1/98
Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Keppelmüller und Genossen haben am
12.5.1998 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 4394/J betreffend
"ökologische Indikationen für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung" gerichtet. Ich
beehre mich, diese wie folgt zu beantworten:
ad 1
Österreich nimmt an den internationalen Entwicklungen aktiv teil. Beispielsweise
wurde im Jänner in Wien ein internationaler Workshop abgehalten, bei dem die
Frage diskutiert wurde, wie der Brückenschlag umgesetzt werden könnte, um von
der Grundlagenarbeit der Erfassung der Daten (wie sie vom ÖSTAT und dem
Umweltbundesamt oder durch die Berechnung der Materialbilanzen durchgeführt
wird) zu den politisch wirklich relevanten Größen, die als Entscheidungsgrundlage
und Steuerungsinstrument für die Umweltpolitik im Rahmen nachhaltiger Entwicklung
herangezogen werden können, zu kommen.
Es gibt zahlreiche Ansätze, aggregierte Indikatoren zu entwickeln mit dem Ziel, die
Qualitätsindikatoren der Umwelt neben den sozialen und ökonomischen Daten dar -
zustellen.
Bei der Definierung ökologischer Indikatoren werden für bestimmte Umweltbereiche
Indizes entwickelt, wie z. B. in Großbritannien für die Themen Klimaveränderung,
Luftqualität, Wasserqualität, Artenvielfalt, Gesundheit oder Ressourcen und Abfall.
Andererseits wird versucht, alle Aspekte zu einem einzigen Index zusammenzufas -
sen, wie dies zum Beispiel mit dem “Index of Sustainable Economic Welfare” (ISEW)
geschehen ist. Bei diesem werden neben verschiedenen Umweltaspekten auch die
Aspekte der Armut und der Gleichbehandlung miteinbezogen.
Die OECD erarbeitet für die drei nachfolgenden Fragestellungen unterschiedliche
Systeme von Indikatoren:
• Indikatoren zur Beurteilung der Umweltentwicklung im allgemeinen bzw. zum
Berichten über den Zustand der Umwelt;
• Indikatoren für die Integration von Umweltaspekten in sektorale Politikfelder;
besonderes Augenmerk wird hier auf die Schwerpunktbereiche Energie, Transport
und Landwirtschaft gelegt;
• Indikatoren für die Integration von Umweltaspekten in die ökonomische Politik
durch Umgestaltung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
ad 2
Auch nach Meinungen des ÖSTAT und maßgeblicher internationaler Institutionen
erscheint es primär nicht sinnvoll, alle Anstrengungen auf die Ermittlung einer soge -
nannten ,,Umweltfaustzahl” in Form des “Grünen BIP” zu konzentrieren. Österreich
verfügt bereits über ein relativ differenziertes Instrumentarium, das weiter ausgebaut
wird. Im österreichischen Konzept gibt es vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten
zwischen ökonomischen und ökologischen Daten und Sachverhalten, wodurch die
Wissenschaft und die Politik auf komplexe Fragestellungen mit komplexen
Lösungsvorschlägen reagieren kann. Diese Daten sind auch geeignet, zwi -
schenstaatliche Unterschiede herauszuarbeiten. Die
osteuropäischen Beitrittsländer
nehmen bereits heute in internationalen Gremien an vielen Arbeiten zum “Green
Accounting” und der Indikatorenbildung teil.
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Berechnung des BIP für EU - Länder nach
streng normierten Regeln des ESVG (Europäisches System der VGR) zu geschehen
hat, was nicht zuletzt wegen der damit im Zusammenhang stehenden Beitragszah -
lungen von Bedeutung ist. Die ,,BIP - Korrektur” könnte daher nur in international ab -
gestimmter Form geschehen. Es gibt allerdings von keiner relevanten internationalen
Organisation Signale, diese Frage prioritär zu behandeln.