4284/AB XX.GP

 

zur Zahl 4602/J - NR/1998

Die Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Karl Schweitzer, Mag. Ewald Stadler und

Kollegen haben an mich eine schriftliche Anfrage, betreffend österreichische EU -

Präsidentschaft, gerichtet und folgende Fragen gestellt:

“1. Welche Agenden, die in den Bereich Ihres Ressorts bzw. in Ihre Zuständigkeit

als Ratsvorsitzender fallen! hat Österreich vom vorangegangenen britischen

Ratsvorsitz übernommen? (Bitte um konkrete Auflistung der einzelnen Recht -

setzungsakte, Dossiers, Maßnahmen etc.)?

2. Wie ist der diesbezügliche Verhandlungs -/Diskussionsstand bzw. in welchem

Entscheidungsstadium befinden sich diese? (Bitte um Aufliste analog Frage 1).

3. Welche dieser Agenden wollen Sie als Ratsvorsitzende/r während der öster -

reichischen Präsidentschaft zum Abschluß bringen? (Bitte um Auflistung ana -

log Frage 1).

4. Wo liegen Ihrer Auffassung nach die Problembereiche/Knackpunkte in diesen

Agenden?

5. Welche dieser Agenden werden vermutlich während der österreichischen Prä -

sidentschaft zum Abschluß gebracht werden können? (Bitte um Auflistung ana -

log Frage 1).

6. Welche sonstigen Vorhaben auf EU - Ebene, die in Ihren Zuständigkeitsbereich

fallen, sind für das 2. Halbjahr 1998 vorgesehen bzw. zu erwarten?

7. Was ist Ihre konkrete Zielsetzung für diese Vorhaben während des öster -

reichischen EU - Vorsitzes?

8. Was soll Ihrer Auffassung nach am Ende der österreichi-

schen Präsidentschaft/Ihres Ratsvorsitzes konkret erledigt sein, um von einem

Erfolg der österreichischen Präsidentschaft/Ihres Ratsvorsitzes sprechen zu

können?”

Ich beantworte diese Fragen wie folgt:

Zu 1 und 2:

Hiezu verweise ich auf die Antwort des Herrn Bundeskanzlers auf die gleichlautend

an ihn gerichtete Anfrage und auf die dieser Anfragebeantwortung angeschlossene

Auflistung, in der - mit Stand vom 2. Juli 1998 - alle derzeit im Rahmen der Europäi  -

schen Union laufenden legistischen Vorhaben dargestellt sind. Diese Liste wurde

vom Europäischen Parlament in Zusammenarbeit mit dem Generalsekretariat des

Rates und der Europäischen Kommission erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.

Aus der Spalte L dieser Auflistung geht hervor, bei welchen Dossiers das Bundesmi -

nisterium für Justiz entweder federführend zuständig oder mitbetroffen ist. Aktuelle

Detailinformationen über den Stand der einzelnen Dossiers können über den Inter -

net - Server des Europäischen Parlaments (Internet - Adresse: www.europarl.eu.int.)

abgerufen werden.

Zu 3 bis 5:

Zunächst sei darauf hingewiesen, daß der Einfluß des jeweiligen Ratsvorsitzenden

auf den Fortgang der einzelnen Agenden nicht überschätzt werden darf, zumal ihm

als Vorsitzendem in den Tagungen des Rates in erster Linie eine vermittelnde und

moderierende Funktion zukommt. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang vor

allem das Verhalten der 15 EU - Mitgliedstaaten im Rat sowie der Europäischen

Kommission. Eine hinreichend verläßliche Prognose über das zukünftige Verhalten

dieser Akteure im EU - Rechtssetzungsprozeß, über die daraus allenfalls erfließen -

den Problemfelder und über die für die einzelnen Vorhaben erreichbaren Fortschrit -

te ist aber kaum möglich, weshalb ich diese Fragen nicht seriöserweise beantworten

kann. Freilich werde ich alles daran daransetzen, um die im offiziellen Arbeitspro -

gramm der österreichischen Präsidentschaft anvisierten Fortschritte zu erzielen.

Zu 6 und 7:

Beim Europäischen Rat von Cardiff fand eine ausführliche Aussprache über die

künftige Entwicklung der Europäischen Union statt. Dabei waren sich die Staats -

und Regierungschefs einig, daß es erforderlich ist, die Europäische Union den Men -

schen näherzubringen und sie auf die für die Bürger Europas wichtigsten Fragen -

wie etwa die Stärkung ihrer demokratischen Legitimität - zu konzentrieren. Im Be -

reich Justiz und Inneres wird der Rat in Zusammenarbeit mit der Kommission für die

Tagung des Europäischen Rates in Wien am 11. und 12. Dezember 1998 einen Ak -

tionsplan über den Aufbau eines Raumes der Freiheit, der Sicherheit und des

Rechts ausarbeiten.

In Ergänzung des Aktionsplans zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, des -

sen Umsetzung durch den österreichischen Vorsitz weiter voranzutreiben sein wird,

hat das Bundesministerium für Justiz eine Entschließung des Rates zur Prävention

organisierter Kriminalität im Hinblick auf die. Etablierung einer umfassenden Strate -

gie zu deren Bekämpfung vorgeschlagen, deren Annahme beim Rat Justiz und In -

neres am 4. und 5. Dezember 1998 angestrebt wird.

Um den Euro als gemeinsame Währung von Anfang an zu schützen, wird der öster -

reichische Vorsitz eine Initiative präsentieren, die auf eine Angleichung der straf -

rechtlichen Vorschriften zur Bekämpfung der Geldfälschung abzielt; die Arbeiten an

diesem Rechtsakt werden erst im Jahr 1999 beendet werden können.

Zu 8:

Wie bereits ausgeführt, lassen sich die in den einzelnen Dossiers erzielbaren Fort -

schritte aus heutiger Sicht kaum vorhersagen. Der Erfolg der österreichischen Präsi -

dentschaft wird sich jedoch nicht so sehr an isolierten Fortschritten in einzelnen

Dossiers, sondern vielmehr an der Summe möglichst vieler Ergebnisse in den im

Präsidentschaftsprogramm aufgelisteten Bereichen messen.