4317/AB XX.GP
Auf die - aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit in Kopie beigeschlossene - schriftliche
parlamentarische Anfrage Nr. 4600/J der Abgeordneten Mag. Karl Schweitzer und
Genossen vom 25. Juni 1998, betreffend österreichische EU - Präsidentschaft, beehre ich
mich folgendes mitzuteilen:
In meinem Ressort ist bereits sehr frühzeitig mit den Vorbereitungen für die Präsidentschaft
begonnen worden. Diese Vorbereitungen haben selbstverständlich nicht nur organi -
satorische, sondern von Anfang an auch inhaltliche Fragen betroffen. Ich möchte in diesem
Zusammenhang beispielsweise nur darauf verweisen, daß ich im Vorfeld der Präsidentschaft
mit sämtlichen Finanzministern der EU - Mitgliedstaaten bilaterale Gespräche geführt habe,
um inhaltliche Fragen und Themenschwerpunkte eingehend zu erörtern. Daneben haben
selbstverständlich auch zahlreiche Gespräche auf Beamtenebene, einerseits mit den
Mitgliedstaaten, andererseits aber auch mit der Kommission, dem Ratssekretariat und dem
Europäischen Parlament, stattgefunden. Ich glaube daher, daß mein Ressort auch inhaltlich
sehr gut vorbereitet in diese erste Präsidentschaft geht.
Zu 1. und 2.:
Hinsichtlich der Beantwortung der gestellten Fragen verweise ich auf die Antwort des Herrn
Bundeskanzlers auf die gleichlautend an ihn gerichtete Anfrage Nr. 4595/J, in der auch auf
jene Dossiers Bezug genommen wird, die in den Zuständigkeitsbereich meines Ressorts
fallen.
Zu 3. bis 5.:
Der Einfluß des jeweiligen Ratsvorsitzes auf den Fortgang der Arbeiten darf prinzipiell nicht
überschätzt werden. Wie bekannt sein dürfte, hat der Vorsitz vor allem eine vermittelnde und
moderierende Funktion. Das Zustandekommen einer Entscheidung hängt aber letztlich von
sehr vielen Faktoren ab, wobei insbesondere das Verhalten der Mitgliedstaaten sowie auch
das der Kommission von zentraler Bedeutung ist. Da sich dieses Verhalten aber naturgemäß
sowohl im Hinblick auf allfällige Fortschritte als auch im Hinblick auf allfällige Problem -
bereiche kaum vorhersagen läßt, scheint eine Beantwortung dieser Fragen im konkreten
nicht möglich zu sein. Ich werde jedenfalls alles unternehmen, um die im Arbeitsprogramm
skizzierten Fortschritte zu erzielen.
Zu 6.:
In den Zuständigkeitsbereich des Bundesministerium für Finanzen fallen folgende Themen -
schwerpunkte des österreichischen Arbeitsprogramms: Wirtschafts- und Währungsunion
und wirtschaftspolitische Koordination, Beschäftigung, Steuern, Agenda 2000 und Ver -
besserung des EU - Finanzmanagements. Diese Themen werden unter österreichischer
Vorsitzführung im ECOFIN - Rat sowie in den jeweils zuständigen Arbeitsgruppen behandelt
werden.
Unter österreichischem Vorsitz werden im Bereich der WWU die letzten Vorbereitungen für
die Entscheidung über die Eintrittskurse sowie zur Operationalität der EZB abzuschließen
sein. Weiters wird die bereits unter dem britischen Vorsitz begonnene Diskussion über die
wirtschaftspolitische Koordination fortgesetzt und vertieft.
Im Steuerbereich werden unter österreichischem Vorsitz die Bemühungen der letzten Jahre
zur besseren Koordination der Steuerpolitik bzw. zur Schaffung steuerlicher Mindest -
standards auf Gemeinschaftsebene intensiviert, um die Rahmenbedingungen für Wachstum,
Investitionen und Beschäftigung zu verbessern. So wurde bereits zu Beginn der Präsident -
schaft eine Steuerkonferenz zum Thema ‚“Steuerwettbewerb und -koordination in der Euro -
päischen Union” in Wien abgehalten. Diese Veranstaltung diente dazu, den Bedarf nach
einer verstärkten Koordination im Steuerbereich zu analysieren. Weiters werden die
Beratungen über die vorliegenden Richtlinienvorschläge, u.a. betreffend die Besteuerung
privater Zinserträge, Energiebesteuerung, Besteuerung von Zinsen und Lizenzgebühren,
Verbesserung der Funktionsweise des Mehrwertsteuer - Systems, fortgeführt. Darüberhinaus
sind aufgrund der Gespräche mit der Kommission, die in Vorbereitung auf die Präsident -
schaft geführt worden sind, insbesondere für den Bereich der Mehrwertsteuer im Herbst
weitere Vorschläge zu erwarten.
Bei der Agenda 2000 liegen die Vorschläge der Kommission seit dem März 1998 vor. Unter
österreichischem Vorsitz werden die Verhandlungen intensiviert, damit bis zum Euro -
päischen Rat von Wien substantielle Fortschritte bei den wesentlichen Elementen des
Agenda - Pakets erzielt werden können. Im Herbst wird die Kommission einen Bericht zur
Funktionsweise des Eigenmittelsystems fertigstellen und den Mitgliedstaaten zur Diskussion
vorlegen. Dieser wird sodann in der entsprechenden Arbeitsgruppe behandelt werden.
Im Bereich Beschäftigung verfügt die Gemeinschaft nun über ein Instrument
(beschäftigungspolitische Leitlinien), um das Problem der Arbeitslosigkeit wirksam in Angriff
zu nehmen. Während der österreichischen Präsidentschaft werden die ECOFIN - Minister und
die Sozialminister die Umsetzung der nationalen Aktionspläne überprüfen sowie die Weiter -
entwicklung der beschäftigungspolitischen Leitlinien diskutieren.
Zu 7. und 8.:
Wie bereits in Frage 6 ausgeführt, werden die einzelnen Dossiers in den jeweiligen Arbeits -
gruppen und im ECOFIN - Rat behandelt. Der Verhandlungsfortschritt hängt jedoch von einer
Vielzahl von Faktoren ab, die vom Ratsvorsitz nur teilweise beeinflußt werden können. Ich
möchte daher keine Prognose abgeben, welche Themen bis zum Ende der österreichischen
Präsidentschaft konkret erledigt sein werden.
Aufgrund des vorgegebenen Zeitplans ist jedoch klar, daß während der nächsten Monate die
letzten Vorbereitungen auf die Einführung der gemeinsamen Währung abgeschlossen
werden müssen. Dies betrifft insbesondere die technischen und prozeduralen Maßnahmen
für die endgültige Festlegung der Umrechnungskurse sowie auch verschiedene
Bestimmungen für die Operationalität der Europäischen Zentralbank (Statistik, Mindest -
reserven, Sanktionen).
Ebenso muß während des österreichischen Vorsitzes das Haushaltsverfahren 1999 abge -
schlossen bzw. der EU - Haushalt 1999 verabschiedet werden. In diesem Zusammenhang
sind nicht nur zwischen den Mitgliedstaaten, sondern auch mit dem Europäischen Parlament
intensive Verhandlungen erforderlich.
Nur am Rande sei erwähnt, daß dem österreichischen Vorsitz mit der Lösung der soge -
nannten Rechtsgrundlagenproblematik bereits ein wichtiger Erfolg gelungen ist. Durch den
Kompromiß, der anläßlich des Haushaltsrates mit dem Europäischen Parlament erzielt
werden konnte, ist ein langjähriger Konflikt
zwischen den beiden Organen der Haushalts -
behörde beigelegt. In Zukunft wird es daher klare und transparente Regelungen für die Ver -
wendung von EU - Haushaltsmitteln geben.