4560/AB XX.GP
Auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Auer und Kollegen vom 18. September
1998, Nr. 4933/J, betreffend Entwicklung des Agraraußenhandels, beehre ich mich
folgendes mitzuteilen:
Zu den Fragen 1 und 2:
Die Entwicklung des land - und forstwirtschaftlichen Außenhandels hat für die
Einkommenssicherung der bäuerlichen Betriebe große Bedeutung. Österreichs Land -
und Forstwirtschaft ist seit Jahrzehnten bei wichtigen, für die Einkommenserzielung
entscheidenden Produkten, Nettoexporteur. Anzuführen sind insbesondere Getreide,
Milchprodukte, Zucht -, Nutz - und Schlachtrinder sowie Rindfleisch und insbesondere
Holz. Traditionelle Exportmärkte sind vor allem EU - Länder, hauptsächlich
Deutschland und Italien. Durch den EU - Beitritt wurde der Marktzugang für
österreichische Agrarprodukte erleichtert. Entscheidend für den Erfolg des
Agraraußenhandels ist ein schlagkräftiges Marketing, Werbemaßnahmen sowie
funktionierende Absatzeinrichtungen (Genossenschaften, Erzeugergemeinschaften,
Zucht - und Bioverbände), die für die Positionierung heimischer Qualitätsprodukte auf
dem In - und Auslandsmarkt sorgen.
In den Jahren seit dem EU - Beitritt stiegen die Exporte Österreichs im Bereich der
Landwirtschaft relativ stärker als die Importe: 1997 wurde gegenüber dem
Beitrittsjahr 1995 wertmäßig um 26% mehr importiert und um 36% mehr exportiert.
Die entsprechenden Zahlen bezogen nur auf die Mitgliedstaaten der EU weisen eine
Steigerung von 29% bei den Wareneingängen (Importe) und 44% bei den
Versendungen (Exporten) auf.
Zufolge den vorläufigen Zahlen des Österreichischen Statistischen Zentralamtes sind
die agrarischen Einfuhren im Zeitraum Jänner bis Juni 1998 um 2%, die Exporte um
12% angestiegen. Dies läßt den Schluß zu, daß die Bemühungen, mit
Österreichischen Agrarprodukten auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen,
erfolgreich sind.
Für den Bereich der Primärprodukte- (Lebende Tiere, Waren tierischen und
pflanzlichen Ursprungs) und Verarbeitungsproduktebilanz (Fette und Öle, Waren der
Lebensmittelindustrie, Getränke, alkoholische Flüssigkeiten, Essig und Tabak) ergibt
sich folgende Bewertung: Der Exportanstieg belief sich bei den Primärprodukten
verglichen mit dem Jahr vor dem Beitritt auf mehr als 80%, die Importe wuchsen nur
halb so stark um 40%. Bei den Verarbeitungswaren war die Steigerung der
Ausfuhren in diesem Zeitraum mit 64% ebenfalls stärker ausgeprägt als bei den
Einfuhren (48%). Nimmt man als weitere Maßzahl für die Entwicklung die
Deckungsquote, so stieg diese bei Primärprodukten von 40% vor dem Beitritt auf
zuletzt 52%. Bei den Verarbeitungsprodukten lag dieser Quotient 1994 bei 66%, jetzt
bei 73%.
Für ein Land wie Österreich, im dem die Holzverarbeitung einen so wichtigen
Wirtschaftszweig darstellt, ist der Handel mit Holz und Holzprodukten von großer
Bedeutung. Beträchtliche Teile der Holz- und Papierproduktion werden exportiert, die
überwiegende Menge davon in die anderen EU-Staaten. So betrugen 1997 die
Exportquoten bei den wichtigsten Produktgruppen Papier (inkl. Faltschachtelkartons
und Pappe) und Nadelschnittholz 82% bzw. 56%. Rohholz wird nur in relativ
geringen Mengen ausgeführt. Rund 90% des heimischen Holzeinschlages werden in
Österreich selbst verarbeitet oder zu Brennzwecken verwendet.
Zu Frage 3:
Grundsätzlich hat das Ausmaß des Außenhandels Österreichs im tierischen Bereich
vor allem mit den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union seit dem Beitritt
zugenommen. Sowohl die Exporte als auch die Importe erfolgen zu 80 - 90% mit
anderen EU - Staaten. Lediglich der Export von Schweinefleisch gelangt zu einem
beträchtlichen Ausmaß auch in Drittländer (37%). Die Exporte Österreichs sind
allerdings in den letzten Jahren deutlicher angestiegen als die Importe. Die größten
Zunahmen ergaben sich bei Schweinefleisch. 1997 wurde um 92% mehr
Schweinefleisch exportiert als 1995. Auch die Lebe ndexporte sind seit 1995 um
beträchtliche 78% gestiegen. Die Importe von Schweinefleisch haben dagegen nur
um 21% zugenommen, während die Lebendimporte überproportional um 120%
angestiegen sind. Bei Rindern kam es zu keinen derart deutlichen Änderungen in
den Ein - und Ausfuhren. Gegenüber 1995 haben die Rindfleischexporte nur um 6%
zugenommen und auch die Lebendexporte haben mit einem Anstieg von 23% nicht
so deutlich zugenommen wie im Schweinebereich. Die Importe von Rindfleisch
haben dagegen sogar um 18% abgenommen und
auch bei den Importen von
Lebendtieren kam es zu weniger ausgeprägten Steigerungen als bei Schweinefleisch
(+20%).
Es darf insbesondere auch auf nachstehendes Zahlenmaterial verwiesen werden:
|
|
Exporte |
Importe |
|||
|
1997 |
1995 |
1997 |
1995 |
||
|
Rinder und Kälber |
lebend |
141.00 Stk. |
115.000 Stk. |
27.000 Stk. |
22.000Stk. |
|
Fleisch |
55.500t |
52.500t |
12.000t |
15.000t |
|
|
davon Verarbeitungs produkte |
1.400t |
8.000t |
700t |
600t |
|
|
Schweine |
lebend |
90.000Stk. |
50.000Stk. |
164.000 Stk. |
75.000Stk. |
|
Fleisch |
71.000t |
37.000t |
42.000t |
35.000 t |
|
|
davon Verarbeitungs produkte |
15.000t |
13,000t |
8.000t |
7.000t |
|
Rind - und Kalbfleisch wurde 1997 im Wert von 600 Mio. S importiert, deutlich weniger
als in den Jahren zuvor. Die Exporte lagen wertmäßig bei mehr als dem Dreifachen
(1,8 Mrd.S). Dies ist darauf zurückzuführen, daß der Einfuhrpreis stark zurückging
und auf den Exportmärkten per kg ein höherer Preis erzielt werden konnte als 1996.
Die wertmäßigen Einfuhren von Schweinefleisch stiegen im abgelaufenen Jahr um
6% aufgrund hoher Preise auf dem Weltmarkt. Die BSE - Krise 1996 und die
Schweinepest 1997 (Niederlande) sowie seuchenbedingte Probleme auf den
asiatischen Märkten führten zu einer Verknappung des Angebots und ließen in der
Folge die Preise in den beiden Jahren stark ansteigen. Auch im Export konnten
höhere Erlöse (+3%) erzielt und gleichzeitig größere Mengen (+36%) abgesetzt
werden.
Zu Frage 4:
Die Holzexporte sind 1997 gegenüber 1996 um 15% auf 25,1 Mrd.S gestiegen,
wovon 45% auf Schnittholz entfielen, 20% auf Span - und Faserplatten und rund 4%
auf Rohnutzholz (0,9 Mrd. S).
Der Gesamtwert der Holzimporte lag 1997 mit 15,1 Mrd.S um 13% über dem
Vorjahreswert. Der Anteil von Rohnutzholz (3,9 Mrd. S) betrug rund ein Viertel.
Im Bereich Papier stiegen die Exporte um 6,1% auf 36,8 Mrd. 5, die Importe um
10,4% auf 17,0 Mrd. S.
Holz und Papier tragen höchst positiv zur gesamten österreichischen
Außenhandelsbilanz bei. Auch die Entwicklung der letzten Jahre bei Papier und Holz
ist positiv zu werten, die Ausfuhren sind stärker gestiegen als die Einfuhren. Die
Hauptursache hiefür ist in den gestiegenen Produktionen der Säge- ,
holzverarbeitenden und Papierindustrie zu sehen.
Der gestiegene Rohholzbedarf wurde zum Teil durch Mehrimporte abgedeckt.
Rohholzeinfuhren sind aus der Sicht der Forstwirtschaft nicht erfreulich, aber für eine
wettbewerbsfähige, starke, exportorientierte Holz - und Papierindustrie eine
Notwendigkeit. Sowohl die Forstwirtschaft als auch die Holz - und Papierindustrie
agieren auf einem internationalen Markt, auf dem es kaum Handelshemmnisse gibt.
Eine direkte Beeinflussung der Handelsströme durch die Forstpolitik ist kaum
möglich. Die österreichische Forstpolitik versucht aber, national bestmögliche
Rahmenbedingungen für die heimische Forstwirtschaft zu schaffen und international
weltweit gültige Mindestnormen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu
entwickeln und durchzusetzen, um so bestehende Wettbewerbsverzerrungen zu
mindern.
Genaue Zahlen betreffend Ein - und Ausfuhr sind der Beilage1 zu entnehmen.
Zu Frage 5:
Die Entwicklung des bäuerlichen Einkommens hängt von mehreren Faktoren ab.
Selbstverständlich hat auch der Außenhandel, wenn auch nur indirekt, darauf
Einfluß. Diese Situation kann beispielsweise durch die BSE - Krise bei den Rindern
veranschaulicht werden: Durch das Auftreten der BSE - Krankheit in England reagierte
die Bevölkerung in Europa mit einem deutlich geringeren Rindfleischkonsum. Dies
führte zu Übermengen an Fleisch und in der Folge zu Viehüberbeständen, wodurch
ein Rinderpreisverfall entstand, der Einkommenseinbußen nach sich zog.
Die Bilanz des Außenhandels 1997 war bei vielen Agrarprodukten und in Summe
gegenüber einem Jahr zuvor als positiv einzustufen, dementsprechend sind auch die
Auswirkungen auf das Einkommen zu bewerten.
Für die Entwicklung der bäuerlichen Einkommen aus der Forstwirtschaft sind in
erster Linie der Holzeinschlag und der Holzpreis ausschlaggebend, wobei der
Holzpreis in der Regel den Holzeinschlag im bäuerlichen Wald positiv beeinflußt - je
höher der Holzpreis, desto höher der Einschlag. Der Holzpreis ist vom Weltmarkt
abhängig und von entsprechend vielen
Faktoren beeinflußt.
Zu Frage 6:
Im Rahmen der Sektorplanadministration werden Exportquoten der zu fördernden
Unternehmen im nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft erhoben. Es zeigt sich,
daß diese Unternehmen in nahezu allen Sektoren wie Fleisch, Milch, Obst und
Gemüse durchschnittlich mehr als 50%ige Exportsteigerungen innerhalb von zwei
Jahren erzielten (erhoben wurde die Exportquote vor und nach getätigter Investition).
Bis zum Jahr 2000 wird eine ähnliche Steigerung der Exportquote erwartet.
Diese Erfolge sind u.a. auf die Produktion innovativer Erzeugnisse, professionelles
Marketing (Obstverwertung) und Kooperationsbemühungen (Vermarktung von
Tafelobst) zurückzuführen.
Beilage /1
Der Außenhandel Österreichs
ÖSTAT
Kapitel 44 Holz und Holzwaren; Holzkohle
Einfuhr in 1.000 t Einfuhr in Mrd. 5 Ausfuhr in 1.000 t Ausfuhr in Mrd. S
1994 6.192 13,3 4.610 20,8
Veränd. in % -1,6 6,8 7,3 8,2
1995 6.094 14,2 4.948 22,5
Veränd. in % -4,9 -5,6 5,5 -3,1
1996 5.796 13,4 4.677 21,8
Veränd. in% 7,2 12,7 10,9 15,1
1997 6.216 15,1 5.188 25,1
Kapitel 47 Halbstoffe aus Holz oder anderem cellulosehaltigen Faserstoffen;
Abfälle von Papier und Pappe
Einfuhr in 1.000 t Einfuhr in Mrd. 5 Ausfuhr in 1.000 t Ausfuhr in Mrd. S
1994 1.067 4,0 319 1,6
Veränd.in% 5,8 47,5 3,8 31,3
1995 1.129 5,9 331 2,1
Veränd in % 0,2 -37,3 12,4 -28,6
1996 1.131 3,7 372 1,5
Veränd. in% 5,0 8,1 3,2 20,0
1997 1.188 4,0 384 1,8
Kapitel 48 Papier und Pappe; Waren daraus
Einfuhr in 1.000 t Einfuhr in Mrd. 5 Ausfuhr in 1.000 t Ausfuhr in Mrd. 5
1994 932 13,8 3.158 29,9
Veränd. in % -0,1 9,4 -1,7 22,4
1995 931 15,1 3.103 36,6
Veränd. in % 7,3 2,0 3,5 -5,2
1996 999 15,4 3.212 34,7
Veränd. in% 17,2 10,4 8,5 6,1
1997 1.171 17,0 3.485 36,8