4623/AB XX.GP

 

Die Abgeordneten zum Nationalrat Jäger, Kolleginnen und Kollegen haben am

17.9.1998 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 4885/J betreffend

"Durchführungsverordnung für ein Gütezeichen für Holz und Holzprodukte aus nach -

haltiger Nutzung” gerichtet. Ich beehre mich, diese wie folgt zu beantworten:

 

ad 1 und 2

 

In den letzten Jahren wurden vom Umweltressort fachliche Grundlagen für eine

Durchführungsverordnung zum BGBl. 228/1993 entwickelt. Auf Basis dieser

Grundlagen wurden erste Tests zur Prüfung der Praxistauglichkeit und Kosteneffi -

zienz in den verschiedenen in Österreich vorherrschenden Betriebskategorien

durchgeführt.

 

Voraussetzung für eine Durchführungsverordnung ist die Abklärung der fachlichen

Grundlagen mit der Forst - und Holzwirtschaft. Da die Zertifizierung der nachhaltigen

Waldbewirtschaftung derzeit in vielen europäischen Ländern ein intensiv diskutiertes

Thema darstellt und eine Vielzahl an Initiativen mit unterschiedlichen Ansätzen und

Zielsetzungen dazu laufen, verfolgt das Umweltressort eine gemeinsame, auf

europäischer Ebene abgestimmte Lösung.

Mit der Intention, die Diskussion auf europäischer Ebene voranzutreiben, veranstal -

tet das Umweltressort gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land - und Forst -

wirtschaft im Dezember dieses Jahres einen informellen EU - Experten - Workshop zur

Zertifizierung und Kennzeichnung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

 

ad 3

 

Im Rahmen des Holzbeirates sowie den eingesetzten Fachausschüssen wurden die

vom Umweltministerium und dem Umweltbundesamt entwickelten fachlichen

Grundlagen für Holzgütezeichen vorgelegt und diskutiert. Dazu zählen Prinzipien,

Kriterien und Indikatoren der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, Grundlagen zur

Überprüfung der Handels - und Verarbeitungskette sowie Grundlagen für

Antragsteller sowie für Prüf - und Kontrollstellen.

 

Im Holzbeirat bestehen jedoch noch unterschiedliche Auffassungen zu einzelnen

Aspekten betreffend den Aufbau eines Vergabesystems für ein Holzgütezeichen. In

die Überlegungen des Holzbeirates sollen auch die Ergebnisse einer von der

europäischen Forst - und Holzwirtschaft geschaffenen Initiative zur Zertifizierung

einbezogen werden, deren Arbeiten bei der nächsten Sitzung des Holzbeirates

präsentiert werden sollen.

 

ad 4

 

Seit Bestehen des Holzbeirates (1993) fanden neun Sitzungen statt.

 

ad 5

 

Unter Zertifizierung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird allgemein eine Pro -

zedur verstanden, bei welcher die Übereinstimmung mit spezifischen Anforderungen

bezüglich der nachhaltigen Waldbewirtschaftung bestätigt wird. Unterschiedliche An -

sätze bestehen in bezug auf die Anforderungen der nachhaltigen Waldbewirtschaf -

tung, die von einer alleinigen Bezugnahme auf die nationale Forstgesetzgebung bis

hin zur Überprüfung von für die Zertifizierung festgelegten Indikatoren der nachhalti -

gen Waldbewirtschaftung durch eine unabhängige Kontrollinstanz reichen.

ad 6 und 7

 

In bezug auf die Zertifizierung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sind dem

Umweltressort folgende Ansätze bzw. Systeme bekannt:

• Herkunftszeichen,

• Zertifizierung der Waldbewirtschaftung nach ISO 14.000,

• Zertifizierung der Waldbewirtschaftung nach speziell festgelegten Prinzipien, Krite -

rien und Indikatoren der Nachhaltigkeit und Kennzeichnung von Holz und Holz -

produkten, die aus einer solchen Bewirtschaftung stammen.

 

Grundsätzlich ist das Prinzip der Freiwilligkeit eine - auch international festgelegte -

Voraussetzung für alle Zertifizierungssysteme. Wird unter “verbindlich” die Anwen -

dung von bestimmten Nachhaltigkeitsanforderungen bei der Zertifizierung verstan -

den, so wäre die oben genannte letztere Variante angesprochen.

 

ad 8

 

Meinem Ressort ist die Initiative “Holz aus Österreich natürlich kontrolliert" der

österreichischen Forst - und Holzwirtschaft bekannt. Diese Kennzeichnung bezieht

sich auf die Herkunft des Holzes aus österreichischen Wäldern.

 

ad 9

 

In nahezu allen europäischen Ländern stellt die Zertifizierung der nachhaltigen

Waldbewirtschaftung ein intensiv diskutiertes Thema dar. Die Initiativen werden je -

doch von unterschiedlichen Akteuren getragen. Auch in tropischen Ländern, wie z.B.

in Indonesien oder in afrikanischen Ländern wurden Zertifizierungsinitiativen ins Le -

ben gerufen.

 

ad 10

 

In Österreich bestehen unterschiedliche Positionen bezüglich des FSO. Umwelt -

schutzorganisalionen favorisieren eine Zertifizierung nach den Prinzipien und

Grundsätzen des FSC. Die Forst - und Holzwirtschaft nimmt eine äußerst kritische

Haltung dazu ein.

 

International nimmt der FSC derzeit eine führende Rolle im Bereich der Waldzertifi -

zierung ein. Nach Angaben des FSC wurden durch beim FSC akkreditierte Zertifizie -

rungsorganisationen weltweit bereits ca. 10 Mio ha Wald zertitiziert bzw. 119 Einzel -

zertifizierungen durchgeführt.

 

ad 11

 

Auf europäischer Ebene wird derzeit im Rahmen der Arbeiten zu einer gemeinsamen

europäischen Forststrategie auch die Frage der Zertifizierung behandelt. Meinen In -

formation zufolge wurden jedoch seitens der Europäischen Kommission bisher noch

keine konkreten Vorschläge vorgelegt.

 

In einem 1996 von der Europäischen Kommission vorgelegten Diskussionspapier

bezüglich der Zertifizierung und Kennzeichnung werden die Optionen für eine euro -

päische Vorgangsweise dargestellt. Diese Optionen beziehen sich auf die Institutio -

nalisierung eines lnformationsaustausches, die Erlassung einer Europäischen Norm

oder auch die Erlassung eines Rechtsaktes in Form einer Verordnung oder Richtli -

nie.

 

ad 12

 

Das von der Kommission für nachhaltige Entwicklung eingesetzte “Zwischenstaat -

liche Waldforum behandelt unter dem Themenkomplex “Handel und Umwelt" unter

anderem auch Fragen im Zusammenhang mit der Zertifizierung der nachhaltigen

Waldbewirtschaftung und Kennzeichnung von Holz und Holzprodukten. Bei der

zweiten Sitzung des Forums, die Ende August 1998 in Genf stattfand, konnte der

Themenbereich “Handel und Umwelt” allerdings nicht abgeschlossen werden. Im Mai

1999 wird die dritten Sitzung und im Frühjahr 2000 die vierte und letzte Sitzung statt -

finden. Der Kommission für nachhaltige Entwicklung soll im Jahr 2000 ein Ergebnis -

bericht vorgelegt werden.

ad 13

 

Neben der aktiven Mitwirkung in europäischen sowie internationalen Gremien, wie

etwas im bereits erwähnten “Zwischenstaatlichen Waldforum", wird auch auf

informeller Basis ein laufender Informationsaustausch mit Organisationen und

Experten gepflegt. In diesem Sinne wird auch der bereits erwähnte, im Dezember in

Wien stattfindende europäische Workshop zur Zertifizierung und Kennzeichnung

eine Plattform für einen intensiven Meinungs - und Informationsaustausch bieten.

 

ad 14

 

Diese Frage wäre an den dafür zuständigen Bundesminister für Land - und Forstwirt -

schaft zu richten.

 

ad 15 und 16

 

Das Mandat des Zwischenstaatlichen Waldforums der Kommission für nachhaltige

Entwicklung umfaßt auch die Prüfung der Frage von völkerrechtlich verbindlichen

Instrumenten zum Schutz der globalen Wälder. Die bisherigen Verhandlungen zeig -

ten, daß grundsätzliche Positionen bezüglich einer Waldkonvention nach wie vor

aufrecht sind. Proponenten einer Waldkonvention sind insbesondere Kanada, die

Europäische Union sowie süd - ost - asiatische Entwicklungsländer. Seitens der Verei -

nigten Staaten sowie seitens vieler Entwicklungsländer wird ein solches Instrument

strikt abgelehnt.

 

Zur detaillierten Erörterung dieser Frage soll auch eine von Kanada gemeinsam mit

Costa Rica inituerte intersessionale Konferenz zum Waldforum, die im Frühjahr 1999

stattfinden wird, beitragen.

 

Österreich hat sich bisher für ein verbindliches Instrument zum Schutz und zur nach -

haltigen Entwicklung der globalen Wälder ausgesprochen.

ad 17

 

Die Evaluierung forstucher Nachhaltigkeitspolitik ist Gegenstand eines vom Fonds

zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unterstützten Projektes der Univer -

sität für Bodenkultur. Den Ergebnissen dieses für drei Jahre anberaumten Projektes

sieht das Umweltressort mit Interesse entgegen.

 

ad 18

 

Laut den vom dafür zuständigen Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegen -

heiten zur Verfügung gestellten Daten zeigen die Gesamteinfuhrmengen von Tro -

penholz sowie Tropenholzprodukten einen konstant rückläufigen Trend. Detaillierte

Angaben sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen.

 

 

                m³

 m²

 kg

 ATS

1990

28.167

 1,054.716

 205.300

 209,464.000

1991

24.071

 1,540.429

 195.500

 187,533.000

1992

22.124

 1,513.378

 126.200

 16,931.000

1993

17.340

 825.244

 60.800

 139,748.000

1994

17.480

 1,406.639

 102.800

 166,586.000

1995

23.497

 7.409

 1,848.200

 180,470.000

1996

16.131

          ----------

 2,554.800

 156,040.000

1997

14.790

          ----------

 1,646.800

 147,885.000

Gesamt

163.600 m³

 6,347.869 m²

6,740.400 kg

ATS 1,204,657.000