4691/AB XX.GP
Auf die - aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit in Kopie beigeschlossene - schriftliche
parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Dr. Jörg Haider und Genossen vom
7. Oktober 1998, Nr. 4953/J, betreffend großzügige Dauerurlaube für
Gewerkschaftsfunktionäre, beehre ich mich folgendes mitzuteilen:
Zu 1.:
Da im öffentlichen Dienst die Besoldung bzw. Entlohnung der Bediensteten durch Gesetze
geregelt wird und den auf Dienststellenebene eingerichteten Personalvertretungsorganen
keine Einflußnahme auf Gehalts - und Entlohnungsfragen möglich ist, wird dieser Einfluß von
den ressortübergreifend tätig werdenden Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes
ausgeübt.
Dieser notwendige Interessenausgleich zwischen dem öffentlichen Dienstgeber und der
Dienstnehmervertretung setzt die Unabhängigkeit ihrer Funktionäre vom Dienstgeber und
damit deren Freistellung vom Dienst voraus, um jederzeit und ohne zeitliche oder sonstige
Beschränkung durch den Dienstgeber die Interessen der Dienstnehmer gegenüber dem
Dienstgeber vertreten zu können.
Die Freistellung der in der überbetrieblichen Berufsvertretung des öffentlichen Dienstes
tätigen Funktionäre der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist daher nach Ansicht des
Bundesministeriums für Finanzen in dem vom Ministerrat in seiner Sitzung vom
19. März 1968 beschlossenen Umfang
gerechtfertigt.
Zu 2. bis 5. 10. und 12. bis 17.:
Ich ersuche um Verständnis, daß mir eine ressortübergreifende Beantwortung dieser Fragen
nicht möglich ist, weil die erforderliche Datenabfrage einen personenbezogenen Datenzugriff
voraussetzt, zu dem mein Ressort gesetzlich aber nicht ermächtigt ist. Solche Abfragen
kann jeder Bundesminister nur für seinen Ressortbereich veranlassen.
Zu 6.:
In Anbetracht der rund 180.000 Bundesbediensteten, die auf zahlreiche Berufsgruppen
entfallen und von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst in über 3.600 Bundesdienststellen
vertreten werden, wird die derzeitige Dienstfreistellungsregelung für
Gewerkschaftsfunktionäre - auch im Vergleich zu den entsprechenden
Freistellungsregelungen der Arbeitsverfassung in Konzernen, in denen eine
Konzernvertretung der Arbeitnehmer eingerichtet ist - vom Bundesministerium für Finanzen
als gerechtfertigt angesehen.
Es besteht daher keine Absicht, die Dienstfreistellungsregelung für
Gewerkschaftsfunktionäre einzuschränken.
Zu 7. bis 9.:
Meinem Ressort liegt lediglich die Anzahl der bei der letzten (im Jahr 1995 erfolgten)
Personalvertretungswahl des Bundeswahlberechtigten Personen und deren Zuordnung zu
den Zentralausschüssen vor. Daraus lassen sich die gesetzlichen Freistellungsmöglichkeiten
(§ 25 Abs. 4 Bundes - Personalvertretungsgesetz - PVG) und die Freistellungsmöglichkeiten
kraft Verordnung (§ 25 Abs. 5 PVG iVm BGBl. Nr.379/1976, 359/1984, 462/1985, 98/1989
und 199/1992) errechnen, die in der folgenden Tabelle dargestellt sind.
Die tatsächliche Inanspruchnahme der Freistellungen und ihre Verteilung auf gänzliche oder
teilweise Freistellungen ist mir außerhalb meines eigenen Ressorts nicht bekannt. Ich
ersuche daher um Verständnis, daß diesbezüglich keine Beantwortung erfolgen kann.
|
Zentralausschuß bei |
Wahlberechtigte |
Freistellungs -möglichkeiten gemäß § 25 Abs. 4 PVG |
Freistellungs - möglichkeiten gemäß § 25 Abs. 5 PVG |
Summe der Freistellungs - möglichkeiten gemäß PVG |
|
Präsidentschaftskanzlei |
70 |
1 |
- |
1 |
|
Parlamentsdirektion |
360 |
1 |
- |
1 |
|
Volksanwaltschaft |
51 |
1 |
- |
1 |
|
Rechnungshof |
310 |
1 |
- |
1 |
|
Verfassungsgerichtshof |
73 |
1 |
- |
1 |
|
Verwaltungsgerichtshof |
111 |
1 |
- |
1 |
|
Oberster Gerichtshof |
41 |
1 |
- |
1 |
|
BKA |
2.583 |
2 |
- |
2 |
|
BMaA |
1.807 |
2 |
- |
2 |
|
BMI |
5.333 |
3 |
- |
3 |
|
BMwA |
6.212 |
4 |
1 |
5 |
|
BMÖWV |
540 |
1 |
- |
1 |
|
BMUkA |
10.343 |
5 |
- |
5 |
|
BMWFK |
11.188 |
5 |
1 |
6 |
|
BMJ |
6.620 |
4 |
- |
4 |
|
BMJ/StA |
236 |
1 |
- |
1 |
|
BMF |
17.673 |
7 |
- |
7 |
|
BMJF |
131 |
1 |
- |
1 |
|
BMLF |
3.627 |
3 |
- |
3 |
|
BMAS |
2.172 |
2 |
- |
2 |
|
BMU |
540 |
1 |
- |
1 |
|
BMGK |
1.366 |
2 |
- |
2 |
|
BMLv |
21.508 |
9 |
5 |
14 |
|
Arbeitsmarktservice |
4.612 |
3 |
- |
3 |
|
Hochschullehrer |
10.100 |
5 |
- |
5 |
|
AHS - Lehrer |
21.016 |
9 |
4 |
13 |
|
BHS - Lehrer |
18.873 |
8 |
2 |
10 |
|
Sicherheitswache |
10.389 |
5 |
7 |
12 |
|
Gendarmerie |
14.038 |
6 |
16 |
22 |
|
Polizeiwache |
3.838 |
3 |
2 |
5 |
|
Kriminaldienst |
2.517 |
2 |
2 |
4 |
|
Justizwache |
3.720 |
3 |
1 |
4 |
|
Summe |
181.998 |
103 |
41 |
144 |
Zu 11.:
Da die Personalvertretungsaufsichtskommission in ihrer am Sinn des PVG orientierten
Entscheidung vom 17. Jänner 1985, A 36/84, die Rechtsauffassung vertreten hat, daß
Teilfreistellungen von Personalvertretern zulässig sind und diese Ansicht in meinem Ressort
allgemein geteilt wird, erfolgt eine entsprechende Handhabung.