4708/AB XX.GP
Auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Wabl, Freundinnen und Freunde vom 8.
Oktober 1998, Nr.5013/J, betreffend Aussagen des Institutsleiters der Forstinventur, daß die
“Bäume wachsen wie noch nie”, beehre ich mich folgendes mitzuteilen:
Zu Frage 1:
Richtig ist, daß § 172 Abs 3 Forstgesetz 1975, der das Betretungsrecht der mit der
Durchführung forstlicher Gesamterhebungen betrauten Organe regelt, den Begriff
“Österreichische Forstinventur” verwendet. Diesem entspricht jedoch der Begriff
“Waldinventur”. Seit der Reorganisation der Forstinventur im Jahre 1992 (verstärkte
ökologische Schwerpunktsetzung) lautet auch der Name des mit den Erhebungen des
Zustandes und der Entwicklung des österreichischen Waldes befaßten Institutes der
Forstlichen Bundesversuchsanstalt (FBVA)
“Institut für Waldinventur”.
Zu Frage 2:
Der von Ihnen zitierte Artikel des Nachrichtenmagazins “Profil” enthält nur Aussagen zur
Entwicklung des stockenden Vorrates. Es ist jedoch richtig, daß der durchschnittliche
laufende jährliche Zuwachs der Perlode 1992/96 gegenüber 1986/90 abgenommen hat. Ob
der Volumszuwachs österreichweit wieder steigt, kann erst nach Auswertung der geplanten
Felderhebungen (Beginn 1999 - Ende 2003) festgestellt werden.
Zu Frage 2:
In der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Pflanzenproduktion muß mit jährlichen
Wachstumsschwankungen aufgrund von wechselnden Witterungsbedingungen von ungefähr
10 bis 30 % gerechnet werden, da Wachstum und Entwicklung einer Pflanze sehr wesentlich
von den Faktoren Boden, Klima (Niederschlag, Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc.) sowie der
Wasser - und Nährstoffversorgung beeinflußt werden. Insbesondere haben Trockenjahre
(z. B. 1992 und 1993) Auswirkungen auf das mehrjährige Mittel. Vergleicht man die Periode
1986 - 1990 mit der Periode 1992 - 1996, so lagen die Durchschnittserträge bei Kleegras
und Mehrschnittigen Wiesen in der erstgenannten Periode deutlich höher als in der zweiten
Periode.
Zu den Fragen 4 und 5:
Untersuchungsergebnisse der Forstlichen Bundesversuchsanstalt kommen einzig auf
fachlicher und mathematisch - statistischer Grundlage zustande. Eine Einflußnahme auf die
Ergebnisgestaltung durch Interessenverbände ist ausgeschlossen. Die exakte
Vorgangsweise bei der Datenanalyse und Auswertung erfordert genaue Kenntnisse der
Aufnahmemodalitäten und neben der Anwendung mathematischer Algorithmen die
Entwicklung und Anwendung biometrischer Modelle. Dies sind im allgemeinen
Voraussetzungen, die nur von forstlichen Fachinstituten erfüllt werden. Darüber hinaus
werden die Daten der Waldinventur vielfach auch von nichtforstlichen Institutionen genutzt,
Zweifel über die Objektivität der Inventurdaten wurden noch nie geäußert. Eine Auslagerung
ist daher nicht zweckmäßig.
Forderungen nach Einstellung der Forstinventur sind dem Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft nicht bekannt. Zur Diskussion steht lediglich der Beginn der
Außenerhebungen für die
nächste Inventurperiode (voraussichtlich 1999).
Zu Frage 6:
Alle bei der Inventur angewandten Rechenverfahren und Modelle sind in mehreren
wissenschaftlichen Publikationen für jedermann zugänglich:
Braun, R. (1969): Österreichische Forstinventur - Methodik der Auswertung und
Standardberechnung;
- Schieler, K. (1988): Methodische Fragen in Zusammenhang mit der Österreichischen
Forstinventur;
- Knieling, A. (1994): Methodische Beiträge zur Auswertung der Österreichischen
Forstinventur nach 1980;
- Schieler, K. (1997): Methode der Zuwachsberechnung der Österreichischen
Waldinventur.
Zu Frage 7:
Bei den von Ihnen angesprochenen Einschaltungen des Bundesministeriums für Land- und
Forstwirtschaft handelt es sich um einen groben Abriß der vergleichenden Auswertung der
Waldinventur der Perioden von 1986/90 und 1992/96. Die Aussagen über einzelne Gebiete,
u. a. das Kleine Walsertal, lassen sich aus den punktförmigen Ergebnissen der thematischen
Karte der Waldflächenändewng (Waldflächenzugänge und Waldflächenabgänge) schließen.
Aus der thematischen Karte ist für das Kleine Walsertal eine gehäufte Anzahl von
Waldflächenzugängen erkennbar.
Zu Frage 8:
Die den Dissertationsarbeiten zugrundeliegenden Untersuchungen - an einer weiteren
Dissertation wird gearbeitet - beruhen auf Ergebnissen einzelner Projekte der Forstlichen
Bundesversuchsanstalt. Diese Projekte sind in den jeweiligen Arbeitsprogrammen angefüihrt.
Durch die Verwertung dieser Projekte in Form von Dissertationen werden diese einem noch
breiteren Fachpublikum zugänglich
gemacht.
Ergänzend darf auch darauf hingewiesen werden, daß gemäß § 140 Forstgesetz 1975 ein
Sachbearbeiter der Forstlichen Bundesversuchsanstalt das Ergebnis seiner Arbeiten mit
Zustimmung des Direktors selbst veröftentlichen kann.
Zu Frage 9:
Am Institut für Waldinventur werden derzeit keine derartigen Arbeiten durchgeführt.
Selbstverständlich werden im Sinne einer Einnahmenssteigerung der Forstlichen
Bundesversuchsanstalt ad hoc Aufträge (nach Bewilligung) kurzfristig gegen
Aufwandsverrechnung durchgeführt. Größere Aufträge werden als Tarifarbeiten in das
Arbeitsprogramm aufgenommen.
Zu Frage 10 a:
Für die Österreichische Waldinventur 1999/2003 sind über die bereits bestehenden
ökologischen Merkmale hinaus die Erhebung folgender zusätzlicher Parameter vorgesehen:
- Untersuchungen zur Entwicklungsdynamik der in der letzten Periode erhobenen
Verjüngungsflächen;
- Verfeinerung der Ansprache des stehenden und liegenden Totholzes;
- Ansprache der verholzten Gewächse nach Braun - Blanquet für verschiedene
Bestandesschichten;
- Erhebungen zur Strukturdiversität mit einer Linien - Schnittpunkttechnik.
Ferner wird darauf hingewiesen, daß die sogenannten klassischen, ökonomischen
Parameter wie Fläche, Vorrat, Zuwachs, Nutzung inklusive Mortalität etc. von sich aus hohe
ökologische Bedeutung haben.
Zu Frage 10 b:
Vorrangige Aufgabe der Waldinventur ist seit ihrem Beginn das Zurverfügungstellen
forstpolitisch relevanter Informationen, woraus immer wieder neue Erhebungsbe reiche
resultieren (siehe oben). Die genaue Vorgangsweise und die Erhebungsparameter werden in
der Instruktion für die Feldarbeit festgelegt. Da die Erhebung und die Ergebnisse auf
wissenschaftlichen Methoden basieren, ist die Waldinventur in den letzten Jahren verstärkt
Grundlage bzw. Ergänzung zahlreicher wissenschaftlicher Projekte unterschiedlichster
Fragestellung. Als Beispiel sei nur das
Projekt "Hemerobie Österreichischer
Waldökosysteme” erwähnt, das von der Universität Wien, Institut für Vegetationsökologie
und Naturschutzforschung, im Auftrag der Akademie der Wissenschaften durchgeführt
wurde.