5210/AB XX.GP

 

Die schriftliche parlamentarische Anfrage Nr. 5555/J - NR/1999 betreffend „Europäische Stern -

warte“ ESO, die die Abgeordneten Dr. KURZMANN und Kollegen am 20. Januar 1999 an

mich gerichtet haben, beehre ich mich wie folgt zu beantworten:

 

Zu Fragen 1 bis 3:

 

Im Kern sind es finanzielle Gründe, die einem bisherigen Beitritt Österreichs zur Europäi -

schen Südsternwarte ESO entgegenstanden: Eine ESO - Mitgliedschaft erfordert zum einen

eine sich am BIP orientierende Beitrittsgebühr von rund 90,8 Mio. öS (rund 6,6 Mio Euro)

als Ablöse bisheriger Investitionen der ESO bzw. ihrer Mitgliedstaaten, zum anderen jährliche

Zahlungen in der Höhe von rund 23,4 Mio. öS (rund 1,7 Mio. Euro). Diese Beiträge decken

alle für die Nutzung der ESO - Einrichtungen nötigen Aufwendungen inklusive Fellowships,

Studentships und Schulprogramme sowie die Öffentlichkeitsarbeit ab.

 

Dazu kommt, daß nur eine aktive Teilnahme an der ESO bzw. an künftigen ESO - Projekten

Sinn machte, weshalb zusätzliche personelle und finanzielle Mittel für nationale astronomi -

sche Forschungen bereit zu stellen wären.

Zuletzt sind vor rund drei Jahren Beitrittsverhandlungen vom Bundesministerium für Wissen -

schaft und Verkehr geführt worden, die letztlich daran scheiterten, dass insbesondere die

Finanzierung der hohen Ablösesumme von knapp 100 Mio öS aufgrund der erforderlichen

generellen Einsparungsmaßnahmen zur Erfüllung der Maastrieht-Kriterien und eines ent -

sprechenden Hinweises seitens des Bundesministeriums für Finanzen nicht möglich war.

Zwischenzeitlich ist jedoch seitens der ESO zu vernehmen, dass Überlegungen angestellt

werden, von den hohen Ablösesummen als ,,Beitrittsgebühr“ abzugehen, zumal die damit

verbundenen Investitionen (beispielsweise Inbetriebnahme des Very Large Telescope) bereits

getätigt sind und somit in diesen Fällen für einen neuen Beitrittskandidaten keinerlei Möglich -

keit eines Rückflusses in Form von Planungs - oder Errichtungsaufträgen besteht.

Aufgrund der kürzlich vorgenommenen Bestellung der neuen ESO - Generaldirektorin

Dr. Catherine CESARSKY ist zu erwarten, dass seitens der ESO ein entsprechendes Signal

gesetzt wird, von der bisherigen Praxis der prohibitiv hohen Ablösesummen abzugehen, zu -

mal davon auszugehen ist, dass auch die ESO hohes Interesse an einer Erweiterung hat. Unter

dieser Voraussetzung könnte ein ESO - Beitritt Osterreichs neuerlich geprüft werden.

 

Zu Frage 4:

 

Mit der Inbetriebnahme des Very Large Telescope und dem in Planung befindlichen Large

Southern Radio Array ist die Europäische Südsternwarte voraussichtlich das technologisch am

besten ausgerüstete astronomische Observatorium der Welt.

 

Die österreichische Forschung würde im Falle eines ESO - Beitritts zweifellos ihre Chancen

verbessern, auch in Zukunft einen kompetitiven Beitrag am Sektor der Astrophysik zu liefern.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich die österreichische Forschung

bereits bisher an ESO - Projekten als Drittstaat sowie im Wege der Europäischen Weltraum -

agentur ESA, deren aktives Mitglied Osterreich ist, beteiligt hat.

Was die österreichische Wirtschaft betrifft, so wird - wie oben erwähnt - auf Basis eines noch

im Jahr 1999 zu erwartenden Angebots der IESO im Sinne einer erwartbaren Reduktion der

Ablösesumme geprüft werden, ob die aus makroökonomiseher Sieht beträchtlichen Fixkosten

einer ESO - Mitgliedschaft zu rechtfertigen sind.

 

Zu Frage 5:

 

Die weitere Entwicklung auf dem Gebiet der Astronomie in Österreich wird positiv beurteilt.