5749/AB XX.GP

 

Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Povysil und Kollegen haben am 21. April unter der Nr. 6117/J an

mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage betreffend „das Jahr - 2000 - Problem oder ,Y2K‘ in der

Bundesverwaltung" gerichtet.

 

Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:

 

Zu Frage 1:

 

Sämtliche Hard - und Softwarekomponenten (Mainframe, Midrange, Client - Server, PC‘s etc.) wurden

nach Erfassung und Strukturierung der Problembereiche einer Kritikalitätsanalyse zugeführt. Danach

ergab sich eine Prioritätenreihung der Hardware - (Host, Server, Clients, aktive Kabelkomponenten

uvm.) und Softwarekomponenten (Betriebssysteme, Standardsoftware, Individualsoftware etc.).

Für den Bereich der Hardware, der Betriebssysteme und Standardsoftwarekomponenten wurden

Kontakte mit Herstellern/Lieferanten hergestellt, um sogenannte Y2K - Compliance - Erklärungen zu

erhalten. Je nach Ergebnis wurden entsprechende Upgrade - bzw. Austauschmaßnahmen eingeleitet.

Eigene Tests wurden dort durchgeführt, wo keine Erklärungen der Hersteller/Lieferanten eingingen. Es

werden darüber hinaus in besonders kritischen Bereichen trotz vorliegender Compliance - Erklärung

eigene Tests durchgeführt.

 

Von diesen Maßnahmen ist auch der gesamte Bereich des Büroautomations - und

Kommunikationssystems des BMI und der nachgeordneten Behörden betroffen. So war z.B. im Bereich

des BAKS der Austausch von ca. 2.500 Geräten erforderlich, welche in den Jahren 1992 bis 1995

angeschafft worden waren und aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr Jahr 2000

tauglich gemacht werden.

 

Im internationalen Bereich wurden die Tests des österreichischen Teils des Schengener

Informationssystems bereits abgeschlossen und die Jahr 2000 Fähigkeit dieser Systemkomponente ist

bestätigt.

 

Im Großrechnerbereich werden die zentralen Anwendungen und Datenbanken umfangreichen

Testreihen unterzogen. Ein eigens dafür eingerichtetes Testsystem simuliert bereits jetzt den Betrieb

nach dem Jahreswechsel 2000. Technische Maßnahmen wie programmgesteuerte

Sourcecodeuntersuchungen und Analysen kritischer Programmteile durch die Entwickler waren diesen

Tests vorgeschaltet und sind bereits abgeschlossen.

 

Insgesamt sind die Tests noch im Gange, verlaufen planmäßig und werden im Herbst des laufenden

Jahres abgeschlossen werden. Bei jenen wenigen Applikationen, welche offensichtliche Probleme im

Datumsbereich hatten (z.B. 6 - stellige Datumsbehandlung), wurde die Umstellung (Programmänderung

bzw. Neuentwicklung) eingeleitet. Die betreffenden Arbeiten verlaufen planmäßig und sind in weiten

Teilen bereits abgeschlossen.

 

Insgesamt sollte es mit Hilfe der angesprochenen Maßnahmen gelingen, die mit dem

Jahrtausendwechsel einher gehenden Risiken im Bereich der Datenverarbeitungen des

Bundesministerium für Inneres soweit zu minimieren, daß keine Krisensituationen auftreten werden.

 

Zu Frage 2:

 

Die technische Infrastruktur der EDV - Zentrale des Bundesministeriums wurde auf mögliche Jahr - 2000

Probleme überprüft. Es wurden im Laufe des Jahres 1998 von sämtlichen in Frage kommenden

Herstellern bzw. Lieferanten Bestätigungen über die Jahr 2000 Tauglichkeit der Komponenten eingeholt.

In einem einzigen Bereich wurde ein Problem entdeckt, welches bis Mitte des Jahres 1999 durch

Austausch der betreffenden Komponente gelöst sein wird. Soweit es sich also um Komponenten für die

technische Infrastruktur im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Inneres handelt (USV -

Anlagen, Heizung, Klima, etc.) ist die Jahr - 2000 Fähigkeit von Seiten der Hersteller/Lieferanten bestätigt,

wobei in kritischen Bereichen, bei denen das auch auf Grund der technischen Gegebenheiten möglich

war, ein tatsächlicher Test der Jahr - 2000 Fähigkeit durchgeführt wurde.

 

Zu Frage 3:

 

Soweit sich diese Frage auf den Bereich des staatlichen Krisenmanagements bezieht, darf auf die

Ausführungen des dafür federführend zuständigen Bundeskanzleramtes verwiesen werden (siehe Frage 5

der im Gegenstand ergangenen schriftlichen Parlamentarischen Anfrage Nr. 6111/J). Für den

unmittelbaren Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Inneres wurde im Bereich der

Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche sich mit

potentiellen Auswirkungen des Jahr - 2000 - Problems auf den Bereich der öffentlichen Sicherheit

beschäftigt.

 

Zu Frage 4:

 

Da die gesamte EDV - Landschaft im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Inneres von den

genannten Aktivitäten zur Behandlung des Jahr - 2000 - Problems umfaßt ist, somit auch die Anlagen und

Systeme der nachgeordneten Bundesbehörden, wird auf die zu den Fragen 1 bis 3 erteilten Anworten

verwiesen.

 

Zu Frage 5:

Soweit Büromaschinen und anderes technisches Gerät überhaupt auf Grund ihrer technischen

Beschaffenheit potentiell ein Jahr 2000 Problem haben können, wurden entsprechende Überprüfungen

vorgenommen und Kontakte mit den Herstellern hergestellt. Hierbei wurde vor allem im Hinblick auf die

Kritikalität der betroffenen Komponenten und die Kosten/Nutzen - Relation eine entsprechende Auswahl

getroffen. (z.B. Frankiermaschinen)

Zu Frage 6:

 

Es wurden hinsichtlich der Sicherheitsanlagen wie Zutrittskontrollen, Löschanlagen etc. Kontakte mit den

Herstellern hergestellt, wobei schon eine Reihe von Bestätigungen über die Jahr - 2000 - Fähigkeit

übermittelt wurden. Eine umfassende Auflistung sämtlicher Anlagen und Komponenten ist im

vorgegebenen Rahmen dieser Anfrage nicht möglich.

 

Zu Frage 7:

 

Soweit sich die Kommunikationsanlagen im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Inneres

befinden, wurden mit den Herstellern/Lieferanten entsprechende Kontakte hergestellt, um die Jahr - 2000

Fähigkeit der betreffenden Anlagen und Geräte sicherzustellen. Obwohl bereits eine Reihe von

Bestätigungen über die Jahr - 2000 Fähigkeit übermittelt wurden, sind diese Arbeiten noch im Gange,

werden jedoch zeitgerecht abgeschlossen werden können.

 

Zu Frage 8:

 

Es sind keine Geschäfts - und Kooperationspartner bekannt, welche nicht Jahr - 2000 fähig sind bzw. die

Umstellung in einem angemessenen Zeitraum nicht schaffen werden.

 

Zu Frage 9:

 

Aus der Beantwortung zu Frage 8 folgt, daß keine Alternativmaßnahmen für offensichtliche Fehler von

Geschäfts - und Kooperationspartner getroffen werden müssen. In besonders kritischen Bereichen wird

jedoch eine alternative Planung für den Fall vorgenommen, daß dennoch Probleme bei der Umstellung im

Bereich von Geschäfts - und Kooperationspartnern auftreten.

 

Zu Frage 10:

 

Seit geraumer Zeit wird im Zuge von Ausschreibungen und Vertragsverhandlungen im EDV - Bereich

speziell auf die Jahr - 2000 Problematik hingewiesen, und nach Möglichkeit wird jeweils ein

entsprechender Passus in die Verträge aufgenommen. Auf Grund der Tatsache, daß Wartungsverträge

existieren, die über eine mehrjährige Laufzeit verfügen und bereits vor geraumer Zeit abgeschlossen

wurden, kann nicht ausgeschlossen werden, daß in diesen weder seitens des Auftraggebers noch seitens

des Lieferanten speziell auf das Jahr 2000 Problem hingewiesen wurde.

 

Zu den Fragen 11 - 13:

 

Wie bereits in Frage 1 ausgeführt, werden die Tests der Systeme und Anwendungen im Herbst diese

Jahres abgeschlossen. Erst die Analyse der gesamten Testergebnisse wird ausreichende Anhaltspunkte für

die Beurteilung der Problemlage bieten. Es wird im 3. Quartal dieses Jahres im EDV - Bereich des

Bundesministeriums für Inneres entsprechende Arbeiten zum Risikomanagement geben, wobei für den

Bereich des EDV - Personals für den Jahreswechsel selbst und das erste Quartal des Jahres 2000 bereits

Maßnahmen zur Erhöhung der Bereitschaft bzw. Anwesenheit in Aussicht genommen wurden.

 

Zu Frage 14:

 

Durch Maßnahmen zur systematischen Beurteilung der Kritikalität und des Gefährdungspotentials wird

davon ausgegangen, daß alle bekannten oder denkbaren Risiken für den Bereich der Infrastruktur der

EDV im Innenressort bekannt sind und abgewogen wurden. Dies ist vor allem der Ausfall von

elektrischer Energie.

Zu Frage 15:

 

Störungen der Stromversorgung können durch technische Geräte, welche den Betrieb der Rechner der

EDV - Zentrale des BMI netzunabhängig über längere Zeit gewährleisten, abgefangen werden. Störungen

einzelner Komponenten der Infrastruktur wie z.B. Lift oder Zutrittskontrolle können manuell behoben

werden. Durch die permanente Anwesenheit des Betriebspersonals im 24 - Stunden Schichtbetrieb ist eine

rasche Reaktion auf auftretende Störungen gewährleistet, wodurch wesentliche Störungen des

Gesamtbereiches hintangehalten werden sollten.

 

Zu Frage 16:

 

Das Bundesministerium für Inneres tritt nicht als Anbieter gegenüber seinen Anwendern auf

 

Zu Frage 17:

 

Im Hinblick auf Datenträger wurden alle Risiken in Betracht gezogen und es sind keine Fehler

aufgetreten. Im Hinblick auf Anwendungen wird auf die Beantwortung zu Frage 1 verwiesen.

 

Zu Frage 18:

 

Mit Partnern, mit denen Daten ausgetauscht werden, erfolgt eine entsprechende Kommunikation und

Koordination. Die Deadlines sind bei den verschiedenen Partnern unterschiedliche. Seitens des

Bundesministerium für Inneres wird erwartet, daß seine Partner auch im Herbst des laufenden Jahres die

ggf. erforderlichen Umstellungsarbeiten abgeschlossen werden haben.

 

Zu Frage 19:

 

Es wird grundsätzlich auf die Beantwortung zu Frage 14 verwiesen, wobei es nicht möglich ist, sämtliche

denkbaren Kombinationen von multiplen Systemversagen zu simulieren.

 

Zu Frage 20:

 

Ja. Für die Aktualisierung der Checklisten wird ein EDV - unterstütztes Netzplantechnik - Werkzeug

eingesetzt. Die Aktualisierung und Wartung des Jahr 2000 - Projektplanes erfolgt aufgrund von periodisch

vorgegeben standardisierten Projektstatus - und Projektfortschrittsberichten der Projektverantwortlichen

über die zentrale Dokumentationsstelle für das gesamte Jahr 2000 Projekt.

 

Zu Frage 21:

 

Ja. Abgesehen von den zu Frage 1 beschriebenen Maßnahmen wird für die Durchführung innerhalb der

Projektorganisation ein speziell entwickeltes Vorgehensmodell eingesetzt, welches die erforderlichen

Notwendigkeiten, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten beschreibt und regelt.

 

Zu Frage 22:

 

Die konkreten Maßnahmen hängen stark von den abschließenden Testergebnissen und den tatsächlichen

Ereignissen ab, sodaß eine endgültige Kostenabschätzung noch nicht möglich ist. Vorerst wird davon

ausgegangen, daß mit den vorhandenen System - und Netzwerküberwachungstools in der Silvesternacht

das Auslangen gefunden werden kann.

Die ggf. erforderlichen Maßnahmen für erhöhte Anwesenheit sind jedenfalls durch das laufende Budget

im Rahmen der vorhandenen Überstundenkontingente gedeckt.

 

Zu Frage 23:

 

Hier wird grundsätzlich auf die Beantwortung der Frage 1 verwiesen. Konkret werden beispielsweise die

Applikationen ,,Kriminalpolizeilicher Aktenindex“ (abgeschlossen) und ,,Erkennungsdienstliche

Eviedenz“ (in Arbeit) von einer 6 -  stelligen auf eine 8 -stellige Datumsbehandlung durch Änderung der

entsprechenden Programme umgestellt.

 

Zu Frage 24:

 

Grundsätzlich wurden im Hinblick auf Verbindungen zu anderen Systemen die Komponenten zuerst

einzeln überprüft und anschließend nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten im gesamten geprüft

Konkret wird dieses Verfahren z.B. beim Test der Komponenten des Schengener Informationssystems

angewandt.

 

Zu Frage 25:

 

Im Zuge der Testarbeiten zum SIS wurden Testdaten der Partnerländer im Wege eines Test  - C. SIS in das

nationale Testsystem eingespielt. Es wurden keine Probleme festgestellt.

 

Zu Frage 26:

 

Es wurden keine Programme oder Module ohne Quellcode identifiziert.

 

Zu Frage 27:

 

Die konkreten Kosten hängen stark von den abschließenden Testergebnissen und den tatsächlichen

Ereignissen ab, sodaß eine endgültige Kostenabschätzung noch nicht möglich ist. Grundsätzlich sind die

kalkulierbaren Maßnahmen der Überprüfung bzw. Umstellung aus dem laufenden Budget bedeckt.

Konkret werden z.B. Umstellungsarbeiten im Bereich der Individualsoftware aus dem laufenden Betrieb

bewältigt. Größere Anschaffungen, die z.B. den Austausch von BAKS - Geräten betreffen, wurden bereits

bei der Budgetierung zur Vollausstattung des Ressorts berücksichtigt.

 

Zu Frage 28:

 

Ja. Der 29.2.2000 ist grundsätzlich Gegenstand der laufenden Tests. Im besonderen wurden auch zentral

verwendete Datumsservices darauf hin überprüft, ob dieses Problem korrekt bewältigt wird.

 

Zu Frage 29:

 

Nein. Die Problembewältigung erfolgt innerhalb der bestehenden Strukturen, da eine problembezogene

Strukturänderung keine Optimierungen erwarten läßt.

 

Zu Frage 30:

 

Das Jahr - 2000 - Problem wird insbesondere im Rahmen der Europäischen Union in mehreren Gremien

behandelt. Für den Bereich des Bundesministeriums für Inneres sind das vorwiegend Ratsarbeitsgruppen

im Bereich der polizeilichen Zusammenarbeit. Zu nennen wären z.B. die im Bereich des Schengener

Informationssystems tätigen Ratsarbeitsgruppen, die unter anderem mit der Lösung des Jahr - 2000 -

Problems im Zusammenhang mit dem Schengener Informationssystem befaßt sind. Hier konnten durch

sehr detaillierte Diskussionen in den Sitzungen und durch den Aufbau von bilateralen Kontakte zu

verschiedenen Staaten wertvolle Informationen und Erkenntnisse erarbeitet sowie Lösungsansätze

entwickelt werden, die sich auf nationaler Ebene umsetzen lassen. In diesen Gremien werden auch die

rechtlichen Probleme im Zusammenhang mit dem Jahr - 2000 - Problem und organisatorische Maßnahmen

(Notfallspläne) diskutiert.

 

Ein wichtiger Informationskanal ist auf internationaler Ebene auch das Internet sowie die Erfahrungen

entsprechender Geschäftspartner im EDV - Bereich, die ihr im internationalen Umfeld erworbenes Jahr—

2000 - Know - How zur Verfügung stellen.

 

Zu Frage 31:

 

Im Bereich des Bundesministeriums für Inneres gibt es keine geförderten Projekte, welche EDV - gestützte

Applikationen nützen.