5805/AB XX.GP
Auf die schriftliche parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Dr. Brigitte Povysil und
Genossen vom 21. April 1999, Nr. 61161J, betreffend das Jahr - 2000 - Problem oder „Y2K“ in
der Bundesverwaltung, beehre ich mich folgendes mitzuteilen;
Zu 1. und 17.:
Im Bundesministerium für Finanzen wurde die Umstellung für das Y2K (Jahr 2000) be -
reits 1996 mit einer fundierten Analyse der vorhandenen EDV-Systeme, -Anwendungen und
-Datenbestände begonnen, um Klarheit über die für die Y2k-Umstellung notwendigen
Kapazitäten und Ressourcen zu schaffen. Für die betroffenen Organisationseinheiten wurde
als Endtermin für die Y2K-Umstellung der 31. Dezember 1998 vorgegeben. Dieser Termin
wurde festgelegt, um einerseits ausreichend Zeit zum Testen der geänderten Software und
andererseits genügend Reserven zur Korrektur eventuell auftretender Fehler zu haben.
Mit der Gesamtorganisation der Y2K-Umstellung wurde ein sogenannter Y2K-Beauftragter
befaßt. Unter dessen Federführung wurde Ende 1997 eine neuerliche Statuserhebung der
Y2K-Umstellungsarbeiten zu den lT-Verfahren des Finanzressorts durchgeführt. Diese Er -
hebung ergab, daß noch ein Umstellungsaufwand von ca. 150 Personenmonaten notwendig
war, ehe Ende 1998 die umfangreichen Tests der umgestellten IT-Verfahren im Ausweich -
rechenzentrum begonnen werden konnten.
Im Zeitraum von Ende Mai bis Ende Juli 1998 erfolgte in Zusammenarbeit mit dem
Y2K-Koordinator der BRZ GmbH die Inventarisierung und Beurteilung der im Finanzressort
eingesetzten Standardsoftware, der Hardware und der Netzwerkkomponenten. Basierend
auf
dieser Erhebung wurde die weitere Umstellungsstrategie mit dem Ziel festgelegt,
bis
Mitte 1999 die Y2K - Fähigkeit auch für diese Komponenten zu erreichen. Es fanden deshalb
bereits drei umfangreiche Y2K - Tests im Ausweichrechenzentrum (ZAS) statt.
Aufgrund der Erfahrungen aus den ersten drei Y2K - Tests im Ausweichrechenzentrum wurde
folgende weitere Vorgangsweise festgelegt:
Juni 1999: 4. Y2k-Test im Ausweichrechenzentrum
November 1999: bei Bedarf, 5. Y2K-Test im Ausweichrechenzentrum.
Um von den Testterminen im Ausweichrechenzentrum weitestgehend unabhängig zu sein,
aber auch um Reisekosten zu sparen, wurde im Bundesrechenzentrum eine Y2k-Testum -
gebung eingerichtet, die es den betroffenen Organisationseinheiten erlaubt, jederzeit auch
Y2K - Tests im BRZ durchzuführen.
Als Deadline für den Abschluß der Y2K - Umstellungsarbeiten wurde der 31. August 1999
festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt soilen alle von der Y2K-Umstellung betroffenen
IT - Komponenten und IT - Anwendungen getestet und die Anpassung (Rolbut) der dezen-
tralen IT - Infrastruktur (Netzwerk, Server, PC) angelaufen sein.
Zu 2. und 4.:
Diese Frage ist aus IT-Sicht nicht relevant. Soferne die Hausinfrastruktur des BRZ betroffen
ist, wurde die Y2K - Fähigkeit analog der IT-Infrastruktur überprüft. Die nachgeordneten
Dienststellen wurden angewiesen, die notwendigen Überprüfungen zu veranlassen und
quartalsweise über den Arbeitsfortschritt zu berichten.
Mit GZ 600.215/86-V/N3198, Betreff „Millenium-Bug; Haustechnik; Regelung; Versagen;
1. Jänner 2000“ teilt das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten mit, daß
wegen der Ungewißheit, in welchem Umfang mit Folgen des Millenium-Bug zu rechnen sein
wird und wegen der Notwendigkeit, kurzfristig Mängel zu beheben, die Problembewältigung
bei Anlagen gänzlich den BGV-Baudienststellen überantwortet wird.
Zu 3.:
Nach detaillierter Analyse der Situation im eigenen Zuständigkeitsbereich werden keine
krisenhaften Auswirkungen erwartet. Sofern widererwarten Systeme ausfallen und eine zeit -
gerechte Wiederherstellung ausgefallener Systeme nicht möglich ist und dadurch Störungen
größeren Ausmaßes ausgelöst werden können, werden hiefür - wie auch sonst in außer -
ordentlichen
Situationen - die vorhandenen regionalen Einrichtungen des Katastrophen -
schutzes auf Ebene der Bundesländer bzw. im Bedarfsfall das Staatliche Krisen -
management heranzuziehen sein. Die erforderliche Problemanalyse und Vorbereitungen für
Notfälle erfolgen im Rahmen der vorhandenen Strukturen unter Wahrnehmung der je -
weiligen Verantwortung und Zuständigkeiten.
Aufgrund seiner Struktur kann das Staatliche Krisenmanagement grundsätzlich für die
Koordination von Verwaltungsstellen in krisensituationen aller Art herangezogen werden.
Für den Zeitraum des kritischen Datum swechsels ist eine vor allem in personeller Hinsicht
erhöhte Bereitschaft des Krisenmanagements geplant; eine spezifische Maßnahmenplanung
wird dann erfolgen, wenn sich im Laufe des Jahres ein besonderes Krisenpotential konkret
lokalisieren läßt.
Zu 5. bis 7.:
Das Bundesministerium für Finanzen-Zentralstelle hat folgende technischen Einrichtungen
hinsichtlich ihrer „Jahr - 2000 - Tauglichkeit“ überprüfen bzw. von den Lieferfirmen bestätigen
lassen:
- Sicherheitsanlagen wie Brandmeldeanlage und Zugangskontrollen
- Kommunikationsanlagen wie Telefaxgeräte und Fernsprechanlage
- Infrastruktureinrichtungen wie Personen - und Lastenaufzüge, Steuerungseinrichtungen für
Fernwärme sowie Notstromaggregat.
Die Überprüfungen bzw. Bestätigungen der Lieferfirmen haben keine Anhaltspunkte gezeigt,
daß die vorgenannten Einrichtungen im Jahr 2000 nicht funktionstüchtig sein werden.
Zu 8.:
Sämtliche Hard - und Softwareprodukte (außer APC), für die von den Herstellern die
Y2K - Tauglichkeit nicht bestätigt wird, wurden bzw. werden im Zuge der routinemäßig not -
wendigen Produkterneuerungen abgelöst. Bei APC selbst gibt es kein grundsätzliches
Y2k-Problem, da die Systemzeit vom Netzwerkserver gelesen wird.
Zu 9.:
Derzeit sind keine Terminprobleme bei Geschäfts- und kooperationspartnern bekannt.
Zu 10.:
Bei Neuabschluß von Verträgen wird eine entsprechende Klausel berücksichtigt. Bei be -
stehenden Verträgen mit Hard- und Softwareherstellern gibt es zu den eingesetzten
HW-ISW-Produkten
jeweils nur Herstellerangaben über die notwendigen Maßnahmen zur
Erlangung der Y2K - Tauglichkeit. Es obliegt dem Kunden, die entsprechenden Umstellungs -
maßnahmen durchzuführen und anschließend auf Y2K-Tauglichkeit zu prüfen. Für den Be -
reich des Bundesministeriums für Finanzen werden diese Umstellungsarbeiten von der
BRZ GmbH durchgeführt.
Zu 11., 12. und 19.:
1. Das Risikomanagement - Programm wurde Ende 1998 festgelegt. Es umfaßt im wesent -
lichen die folgenden Punkte:
a) Umfangreiche Y2k-Tests im Ausweichrechenzentrum (5 x 2 Wochen durchgehend
zwischen Dezember 1998 und November 1999).
b) Umfangreiche Y2K-Tests im Bundesrechenzentrum (2 Monate durchgehend im Früh -
jahr 1999).
c) Dokumentation über die eingeholten Y2k-Bestätigungen von Geschäfts- und Koope -
rationspartnern.
d) Erhöhte Bereitschaft und teilweise Urlaubssperre bei dem für den lT-Betrieb verant -
wortlichen Personal von 31. Dezember1999 bis 5. Jänner2OOO.
e) Keine Verarbeitungsläufe am Großrechner über den Jahreswechsel 199912000 hin -
weg.
f) Die vorhandenen Strukturen und Prozesse zur Störungsbehebung (HelpDesk,
2nd - Level - Support, HW-Wartungsvertrag usw.) können genutzt werden.
Zu 13.:
Sämtliche Hardware und Software für das Ressort und die nachgeordneten Dienststellen
wird grundsätzlich zentral über die BRZ GmbH bereitgestellt und gewartet. Dadurch ist
sichergestellt, daß auch in dislozierten Dienststellen der uneingeschränkte lT-Betrieb im
Jahr 2000 gewährleistet sein wird. Die Ausführung auszutauschender Komponenten hat mit
Mai 1999 begonnen.
Entwicklungen im Bereich der individuellen Datenverarbeitung bei nachgeordneten Dienst-
stellen werden von den Dienststellen in Eigenverantwortung angepaßt. Die betroffenen An-
wendungen sind bekannt. Über den Umstellungsfortschritt wird quartalsweise berichtet.
Zu 14.:
Es wurden alle denkbaren Probleme analysiert und bewertet sowie notwendige Tests durch -
geführt. Dennoch bleibt das mit dem Betneb von Hardware und Software verbundene Rest -
Fehlerrisiko,
weil durch Tests nie die vollständige Fehlerfreiheit bewiesen werden kann.
Zu 15.:
Durch verschiedene Maßnahmen wie z.B. Verfügbarkeit des HelpDesks, Service - Level -Ver -
einbarungen mit Wartungsfirmen (HW & SW), Applikationsbetreuung, Netzwerkbetreuung
etc. ist schon bisher sichergestellt, daß im Falle einer Störung von Teilen der Infrastruktur
innerhalb kürzester Zeit die Behebung dieser Störung gewährleistet ist. Es bedarf daher
keiner weiteren Alternativen, auf die im Falle einer Störung zurückgegriffen werden kann.
Die vorhandenen Strukturen und Prozesse können genutzt werden.
Zu 16.:
Es sind keine derartigen Verträge vorhanden.
Zu 18.:
Alle für die Y2K - Umstellung notwendigen Schnittstellen zu Partnern sind bereits bekannt.
Die Y2K - Umstellung kann aus heutiger Sicht zeitgerecht abgeschlossen werden. Im übrigen
verweise ich auf die Beantwortung der Frage 1.
Zu 20.:
Die Y2K - Checklisten werden sowohl in Datenbanken als auch in entsprechenden Status -
berichten nach Testläufen bzw. monatlich aktualisiert und dokumentiert.
Zu 21.:
Alle Hard- und Software-Komponenten wurden inventarisiert und hinsichtlich Y2K-Fähigkeit
bewertet. Durch umfangreiche Tests im Ausweichrechenzentrum und im BRZ wird konti -
nuierlich versucht, die letzten Y2K-Probleme zu finden.
Tests im Ausweichrechenzentrum finden/fanden statt üeweils 2 Wochen):
Dezember 1998
März1999
April 1999
Juni 1999
November 1999
Tests im BRZ finden bereits seit 1996 kontinuierlich statt.
Die bisherigen Testerfahrungen werden den in die Y2k-Umstellung involvierten Organisa -
tionseinheiten
laufend kommuniziert, um einen Wissensgleichstand hinsichtlich Erfahrungen
mit der Y2K - Umstellung auf breiter Basis herzustellen. Weiters werden die Checklisten
laufend aktualisiert.
Zu 22.:
Für das Wochenende von 31. Dezember 1999 bis 3. Jänner 2000 wurde entsprechendes
Personal (Bereitschaftsdienst) eingeplant. Sollte es notwendig sein, kann das für die Auf -
rechterhaltung des ordnungsmäßigen lT-Betriebes notwendige Personal innerhalb kürzester
Zeit verfügbar sein und entsprechende Maßnahmen setzen. Gibt es keine Probleme mit den
eingesetzten IT - Anwendungen, fallen keine zusätzlichen kosten an. Treten Probleme auf,
fallen IZlberstunden an, die nach tatsächlichem Aufwand verrechnet werden. Die Kosten
werden aus dem Regelbudget bedeckt.
Zu 23.:
Alle alten IT - Verfahren, die über das Y2k hinaus genutzt werden, wurden umgestellt und im
Ausweichrechenzentrum bereits mehrfach getestet (z. B. Haushaltsverrechnung, Bundesbe -
soldung). Die notwendigen Umstellungen wurden nach dem im Hause etablierten Standards
für System- und Programmänderungen durchgeführt.
Zu 24.:
Y2K-Tests von lT-Anwendungen wurden zweistufig durchgeführt. Zunächst wurde die Funk -
tionalität des lT-Verfahrens selbst getestet. Anschließend erfolgte immer ein Test im ge -
samten, d.h. inklusive der Schnittstellen zu anderen internen und externen Systemen. Der
Test der Schnittstellen ist in entsprechenden Statusberichten für jedes lT-Verfahren
dokumentiert.
Zu 25.:
Die Schnittstellen zu Dritten wurde ebenfalls im Rahmen der Y2k-Tests getestet.
Zu 26.:
Für alle Programme - die im Bundesministerium für Finanzen eingesetzt werden - ist der
Quellcode verfügbar.
Zu 27.:
Da seit 1996 projektbezogen an der Y2k-Umstellung gearbeitet wird, existieren ent-
sprechende Leistungsaufzeichnungen aus denen der folgende Aufwand abgeleitet werden
kann:
Umstellungsaufwand:
ca. 300 Personenmonate
Umstellungskosten: ca. 70 Mio. ATS
Die Kosten wurden und werden aus dem Regelbudget bedeckt.
Zu 28.:
Bei den Y2K - Tests wurde mit Systemdaten zwischen 9. September 1999 und 15. März 2000
(inklusive 29. Februar 2000) getestet.
Zu 29.:
Die Y2K - Tests fanden sowohl im Ausweichrechenzentrum als auch im BRZ in isolierten
Testumgebungen, in denen Dienststellen des Finanzressorts nachgebildet wurden, statt. Ein
Außerkraftsetzen der dezentralen Verwaltung war daher nicht notwendig.
Zu 30.:
Hiezu verweise ich auf die Beantwortung der Frage 32 der gleichlautenden Anfrage durch
den Herrn Bundeskanzler.
Zu 31.:
Derartige Projekte wurden im Bereich des Bundesministeriums für Finanzen nicht abge-
wickelt.