5835/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Povysil und Kollegen haben am 21. April 1999 unter
der Nr.6119/3 an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage betreffend ,,Jahr - 2000 -
Problem oder ,Y2K‘ in der Bundesverwaltung“ gerichtet. Diese Anfrage beantworte ich wie
folgt:
Zu 1 bis 3:
Bereits seit dem Jahre 1996 werden in den Rechenzentren meines Ressorts laufend Tests
durchgeführt und gezielte Maßnahmen gesetzt, um die Jahr - 2000 - Fähigkeit der IT - Systeme
sicherzustellen. Diese Tests erbrachten unterschiedliche Ergebnisse. Während in den
meisten Fällen mit keinen oder nur geringfügigen Einschränkungen durch den Jahrtausend -
wechsel zu rechnen ist, ergab sich in Teilbereichen die Notwendigkeit, die Informations -
technik - Infrastruktur (Arbeitsplatzsysteme, Datennetz etc.) zu erneuern bzw. anzupassen.
Die Analysen zur Jahr - 2000 - Problematik in IT - Systemen sind weitgehend abgeschlossen.
Bei der überwiegenden Zahl der Systeme erfolgen derzeit die abschließenden Umstellungs -
arbeiten und Tests, die sich einerseits auf die Dokumentation der Herstellerfirmen stützen,
andererseits auf konkrete Prüfungen und Tests. Einige Systeme sind bereits vollständig
umgestellt und getestet. Die Experten meines Ressorts haben alle bis dato bekannten
Auswirkungen der Jahr - 2000 - Problematik in die Planungen einbezogen.
Ein umfassender Gesamttest im Zentralen Rechenzentrum des Bundesministeriums für
Landesverteidigung ist für das dritte Quartal 1999 geplant.
Zu 4:
Bezüglich der durch den Bundeshochbau zu betreuenden Anlagen verweise ich auf den
Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten. Was
die in meinem Ressortbereich situierten
Anlagen betrifft, gilt das zu 1 bis 3 Gesagte.
Zu 5:
Büromaschinen, wie etwa Speicherschreibmaschinen und Taschenrechner, wurden
überprüft. Dabei konnten keine Probleme festgestellt werden. Personalcomputer mit älteren
Prozessoren werden einzeln betrieben und steuern fallweise Meßgeräte ohne Bezug zum
Datum. Negative Auswirkungen werden daher nicht erwartet. Die Überprüfung von
Faxgeräten ergab bei einem Teil der Geräte, daß sie bei Erreichen des Jahres 2000 die
Angabe des Datums einstellen. Die Funktionsfähigkeit zum Faxen bleibt jedoch erhalten.
Beim Fliegerabwehr - Ausbildungssimulator werden die notwendigen Programmänderungen
im Rahmen der Systembetreuung im eigenen Bereich vorgenommen. Ebenso werden
Registrierprogramme für das 3,5cm Z/FLAK - System angepaßt bzw. auf moderne PCs
transferiert. Zielzuweisungsradar und Tieffliegererfassungsradar wurden im Zuge der Güte -
prüfung hinsichtlich Jahr - 2000 - Fähigkeit positiv überprüft.
Zu 6:
Sicherheits - und Kontrollsysteme, Munitionslager - Überwachungen etc. werden derzeit ge -
testet. Dabei trat bisher erst eine Fehlermeldung auf; an der Lösung des Problems wird
gearbeitet.
Zu 7:
Ungeachtet der Tatsache, daß das Herstellerunternehmen des Systems IFMIN die Jahr - 2000 -
Sicherheit bestätigt hat, ist ein Test für das dritte Quartal 1999 vorgesehen.
Für die internen Nebenstellenanlagen steht nach Kontaktnahme mit dem Hersteller fest, daß
bestehende Anlagen ab einem bestimmten Softwarestand Jahr - 2000 - tauglich sind. Bei
Anlagen mit niedrigerem Softwarestand wurden entsprechende Maßnahmen zur Lösung des
Problems festgelegt.
Zu 8:
Derzeit sind keine Geschäfts - und Kooperationspartner bekannt, die nicht Jahr - 2000 - fähig
sind bzw. die Umstellung nicht in einem angemessenen Zeitraum schaffen werden.
Zu 9:
Alternativangebote werden grundsätzlich bei Ausschreibungen eingeholt. Die zeitgerechte
Vertragserfüllung wird dabei durch entsprechende Erfüllungstermine vertraglich sicher -
gestellt.
Zu 10:
Ja. Abgesehen davon wurden zum Teil neue „Releases“ zur Behebung der Probleme
beschafft.
Zu 11 bis 13:
Im Zuge von monatlich angesetzten ressortintemen Besprechungen (IT - Board) über
anstehende Probleme im IT - Bereich wird die Thematik des Jahres 2000 für den gesamten
Ressortbereich koordiniert. Der Zeitplan sieht umfassende Testserien für das dritte Quartal
1999 vor. Darüber hinaus ist beim Bundeskanzleramt eine interministerielle Arbeitsgruppe
eingerichtet, die ressortübergreifende Fragen in diesem Zusammenhang behandelt.
Zu 14 und 15:
Derzeit kann davon ausgegangen werden, alle schwerwiegenden Probleme in den Griff zu
bekommen. Bei einer derart komplexen Thematik ist jedoch die Kenntnis „aller Risken“
ausgeschlossen. Die wichtigsten Szenarien wurden jedenfalls genau untersucht. In Rand -
bereichen von nachrangiger Bedeutung werden im Bedarfsfall geeignete Lösungen zu finden
sein.
Zu 16:
Nach dem gegenwärtigen Wissensstand erscheint es nicht erforderlich, derartige Verträge
abzuschließen, da davon auszugehen ist, daß alle bekannten Probleme gelöst werden
können.
Zu 17:
Die IT - Systeme wurden systematisch analysiert und alle Anwendungen und Risken in
Betracht gezogen. Viele Fehler konnten durch Einspielen neuer Software oder durch
Umstellung auf vierstellige Jahreszahlen behoben werden. Dabei erfolgt diese Umstellung
sowohl durch Einführung neuer Hard - oder Software als auch durch interne Umstellungs -
arbeiten oder durch Vergabe im Rahmen von Werkverträgen.
Es ist davon auszugehen, daß nach dem Jahre 2000 alle wesentlichen IT - System meines
Ressorts funktionsfähig sein werden. Geringfügige Einschränkungen bei einzelnen
Programmen bzw. Arbeitsplätzen werden allerdings zu akzeptieren sein, da die Kosten -
Nutzen - Relation in diesen Fällen eine
Umstellung unvertretbar erscheinen läßt.
Zu 18:
Im allgemeinen entspricht der Ablauf der Tests der Y2K - Fähigkeit der Partner dem internen
Zeitplan. Die Deadlines sind bei den verschiedenen Partnern unterschiedlich, woraus sich in
Teilbereichen ein beträchtlicher Zeitdruck ergab.
Wie erwähnt, ist ein umfassender Gesamttest im Zentralen Rechenzentrum meines Ressorts
im dritten Quartal 1999 geplant.
Zu 19:
Ja, und zwar durch eine eingehende Analyse aller möglichen Szenarien.
Zu 20:
Checklisten werden im zentralen EDV - Bereich meines Ressorts auf der Basis systemati-
scher Erhebungen geführt. Da eine EDV - Anwendung für den erfolgreichen Einsatz die
Funktionsfähigkeit viele Komponenten (Hardware, Betriebssystemsoftware, Netz) benötigt,
sollen diese Checklisten sicherstellen, daß alle Komponenten umgestellt und getestet
werden. Die Checklisten wurden ausgehend von den einzelnen Verantwortungsbereichen
erstellt, zusammengefaßt und allen Beteiligten zugänglich gemacht. Sie werden durch regel -
mäßige Erhebungen auf aktuellen Stand gebracht.
Zu 21:
Ja, systematisch und laufend. Auftretende Probleme werden im jeweiligen Führungsbereich
gelöst. Bereichsüberschreitende Probleme werden durch die zuständigen Fachabteilungen
einer Lösung zugeführt.
Zu 22:
Derartige Vorkehrungen hängen von den Ergebnissen der Systemtests im dritten Quartal
1999 ab. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß in meinem Ressort ein
System (ständig) „Diensthabender“ besteht, das im Bedarfsfall auf unvorhersehbare
Ereignisse unverzüglich reagieren kann.
Zu 23:
Ja. Alte EDV - Anwendungen, die über das Jahr 2000 hinaus in Betrieb sein werden, wurden
hinsichtlich der Datumsverarbeitung überprüft und werden nötigenfalls umgestellt.
Der Aufwand für die Umstellungen ist für einzelne IT - Anwendungen völlig unterschiedlich.
Bei der überwiegenden Zahl der Applikationen konnte im Zuge der Wartungstätigkeit die
Jahr - 2000 - Fähigkeit durch
geringfügige Anpassungen hergestellt werden. Das System
ERGIS (zentrales Ergänzungswesen) wird 1999 unter Mitwirkung externer Mitarbeiter
vollständig abgelöst werden. Das System PERSIS (Personalinformationssystem für das
Kaderpersonal) wird zum Teil von internen Mitarbeitern angepaßt, zum Teil unter
Mitwirkung von Firmen erneuert. Beim System DAVERS I (Versorgungssystem) wird die
Jahr - 2000 - Fähigkeit im Rahmen eines nach Ausschreibung vergebenen Werkvertrages
durch eine Firma hergestellt.
Zu 24:
Das Bundesministerium für Landesverteidigung hat aus Sicherheitsgründen nur eine geringe
und überschaubare Anzahl von Verbindungen zu externen Steilen (z.B. ACG, ZAMG),
deren Jahr - 2000 - Fähigkeit in Zusammenarbeit sichergestellt wird.
Zu 25:
Ja, wobei zu bemerken ist, daß viele dieser Datenbestände keine Jahreszahlen enthalten.
Von den Meldebehörden werden derzeit die Geburtsdaten der stellungspflichtigen Jahrgänge
mit zweistelligen Jahresangaben übermittelt. Dieses Verfahren ist noch entsprechend
anzupassen.
Zu 26:
Mein Ressort verfügt über den Quellcode der selbstentwickelten Programme. Bei der
externen Entwicklung von Programmen im Auftrag des Bundesheeres wird das Hersteller -
unternehmen vertraglich zur Wartung verpflichtet und ein Zugriff auf den Quellcode für den
Fall wirtschaftlicher Schwierigkeiten des Herstellers sichergestellt.
Bei Standardprogrammen verfügt mein Ressort nicht über den Quellcode. In diesen Fällen
ist man auf die Zusicherung der Jahr - 2000 - Fähigkeit durch den Hersteller in Verbindung mit
konkreten Tests angewiesen. Standardprogramme, deren Wartung im Jahr 2000 nicht mehr
sichergestellt ist, werden in Vorbereitung darauf abgelöst. Grundsätzlich wurde und wird
Standardsoftware permanent und nicht nur im Hinblick auf die Jahr - 2000 - Problematik durch
modernere Software ersetzt.
Zu 27:
Für Projekte im Zusammenhang mit der Jahr - 2000 - Problematik wurden und werden
rd. 230 Mio. öS aufgewendet.
Zu 28:
Ja, es wurden bzw. werden auch Tests hinsichtlich des Schaltjahres 2000 durchgeführt.
Grundsätzlich werden alle allgemeinen Umstellungsarbeiten nach den von der Firma IBM
veröffentlichten Kriterien durchgeführt.
Zu 29:
Prinzipiell wird angestrebt, den laufenden Dienstbetrieb durch Umstellungsarbeiten und
Tests möglichst wenig zu beeinträchtigen. Deshalb werden Tests nach Möglichkeit auf
eigenen Testanlagen oder in eigens eingerichteten Testbereichen durchgeführt. Die Durch -
führung eines Gesamttests für die zentralen Applikationen ist für ein Wochenende geplant.
Zu 30:
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit werden diesbezügliche Informationen
laufend ausgetauscht, insbesondere auch mit Ländern, die an der „Partnerschaft für den
Frieden“ teilnehmen.
Zu 31:
Mangels derartiger Projekte in meinem Ressort erübrigt sich eine Beantwortung.