5838/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Povysil, Haller, Madl, Dr. Graf, Koller und
Kollegen haben am 21.4.1999 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 6121/J
betreffend „Das Jahr - 2000 - Problem oder „Y2K“ in der Bundesverwaltung" gerichtet.
Ich beehre mich, diese wie folgt zu beantworten:
ad 1
Die Aktivitäten zur Vorbereitung auf die Jahr 2000 - Umstellung (kurz Y2K) wurden in
meinem Ressort bereits 1995 begonnen und umfassen folgende Maßnahmen;
• Das zentralrechnerbasierende System wurde um ein modernes Client - Server -
System erweitert.
• Die Datenbank - und Büroautomationsapplikationen wurden sukzessive auf Y2K -
Tauglichkeit umgestellt (portiert).
Die derzeit laufenden Y2K - Projekte sind mit der Prüfung des gesamten Netzwerkes
sowie der Client - Hardware (User - PCs) befasst. In diesem Zusammenhang werden,
sofern dies nicht bereits geschehen ist,
• von den Herstellern und Lieferanten die Zertifikate der Y2K - Tauglichkeit ihrer in
meinem Ressort eingesetzten Produkte
eingefordert, bzw.
• die von den Herstellern zur Verfügung gestellten Bugfixes (d.s. Software - od.
Hardware - Komponenten, die im gegebenen Fall die volle Y2K - Tauglichkeit des
Produktes herstellen soll) installiert, bzw.
• jene Komponenten, die sich für die beiden vorgenannten Maßnahmen als
untauglich erweisen, durch voll Y2K - kompatible Bestandteile ersetzt.
Die Y2K - Problematik tangiert auch die augenscheinlich nicht EDV - relevante
technische Infrastruktur. Hiervon können elektronisch eingebettete Systeme, die auf
Datumsangaben zurückgreifen, betroffen sein. Aus diesem Grund
• werden Zutrittssicherungen und Haustechnikbereiche in die Y2K - Prüfung mit ein -
bezogen. Da die Verantwortung für Teile der Haustechnikbereiche dem jeweiligen
Vermieter obliegen, wurde dieser aufgefordert, bis Jahresmitte die entsprechen -
den Bestätigungen zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit vorzulegen.
• Für die Telefonanlage wurde vom Hersteller ebenfalls bis Jahresmitte eine schrift -
liche Bestätigung der Y2K - Tauglichkeit zugesagt.
Tests wurden und werden, soweit sie plausibel sind, abhängig von Priorität und Ge -
fährdungspotenzial (im Sinne von Total Quality Management) laufend durchgeführt.
Soweit Herstellergarantien bzw. - patches vorliegen, wird auf diese zurückgegriffen. In
solchen Fällen werden Tests punktuell in sensiblen Bereichen durchgeführt. Ziel ist
es, alle erfassbaren Störungsquellen zu beseitigen; seriöserweise muss man von
einem verbleibenden Risiko, das nicht ausgeschieden werden kann, ausgehen.
Es ist vorgesehen, dass zum Jahreswechsel 1999/2000 entsprechendes Fachperso -
nal zur Überprüfung der EDV - Funktionalität vor Aufnahme des Bürobetriebes am
3. Jänner 2000 bereitsteht.
Umweltbundesamt GmbH (UBA):
Für die EDV - Infrastruktur im UBA sind auf Grund der modernen Ausstattung keine
Y2K - Probleme zu erwarten.
Die von der Firma Microsoft gelieferte Software für Server und Clients ist bei Ein -
spielung der erforderlichen Patches nach Aussage der Firma Microsoft Y2K - tauglich.
Die vom UBA entwickelte Software und sonstige
nicht standardmäßige Software
wurde bzw. wird auf das Problem bezogen überprüft. Einige nicht zeitkritische
Arbeitsplatzrechner, die ein älteres Bios besitzen, werden notfalls händisch nach -
gestellt werden müssen.
Das vom UBA betriebene Luftmessnetz bzw. der Immissionsdatenverbund sind nach
Aussage der Softwarehersteller ebenfalls Y2K - geeignet. Andere Einrichtungen im
EDV - Bereich wurden bereits geprüft und werden, wo notwendig, noch im Laufe des
Jahres 1999 angepasst oder ausgewechselt.
Bei der umfangreichen Laborsoftware werden von den Herstellern entsprechende
Zertifikate eingeholt oder sind bereits vorhanden. Die am UBA eingesetzten aktiven
Netzwerkkomponenten sowie die im Einsatz stehenden Datenbanksysteme - Orade
und RdB - sind nach Auskunft der Hersteller ebenfalls Y2K - fähig.
Die Telefonanlage des Umweltbundesamtes ist mit der im März 1999 installierten
Software der Firma Philips ebenfalls Y2K - geeignet. Für die Liftanlagen und der Lüf -
tungseinrichtung wurden entsprechende Zertifikate angefordert. Nötigenfalls werden
entsprechende Anpassungen durch die Herstellerfirmen veranlasst werden.
ad 2
Die Versorgungsleistungen der technischen Infrastruktur - Gas, Strom, Telefonie,
etc. - liegen nicht im Einflussbereich meines Ressorts.
Die vorhandene USV stellt bei einem allfälligen Stromausfall sicher, dass am Server -
System ein geordneter ,,shut - down“ durchgeführt werden kann. Dadurch kann, so -
bald durch die öffentlichen Leistungsversorger wieder Strom bereitgestellt wird, der
Betrieb des EDV - Netzwerkes sofort wieder aufgenommen werden.
Alle Firmen wurden in Hinblick auf die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der
Gebäudestruktur (Telefonanlage, Aufzüge, Notstromaggregate, Heizung, Klimaan -
lage, Zutrittskontrolle, Videoüberwachungsanlage, Alarmweiterleitung) ersucht, bis
Ende Juni 1999 eine schriftliche Stellungnahme
abzugeben.
ad 3
Für potenzielle Störungen ist zunächst im jeweils verantwortlichen EDV - Bereich da -
durch vorzusorgen, dass ausgefallene Systeme so rasch wie möglich wiederherge -
stellt werden können.
Sofern eine zeitgerechte Wiederherstellung ausgefallener Systeme nicht möglich ist
und dadurch Störungen größeren Ausmaßes ausgelöst werden können, werden
hierfür - wie auch sonst in außerordentlichen Situationen - die vorhandenen regiona -
len Einrichtungen des Katastrophenschutzes auf Ebene der Bundesländer bzw. im
Bedarfsfall das Staatliche Krisenmanagement heranzuziehen sein. Die erforderliche
Problemanalyse und Vorbereitungen für Notfälle erfolgen im Rahmen der vorhande -
nen Strukturen unter Wahrnehmung der jeweiligen Verantwortung und Zuständigkeit.
Auf Grund seiner Struktur kann das Staatliche Krisenmanagement grundsätzlich für
die Koordination von Verwaltungsstellen in Krisensituationen aller Art herangezogen
werden. Für den Zeitraum des kritischen Datumswechsels ist eine vor allem in per -
soneller Hinsicht erhöhte Bereitschaft des Krisenmanagements geplant; eine spezifi -
sche Maßnahmenplanung wird dann erfolgen, wenn sich im Laufe des Jahres ein
besonderes Krisenpotenzial konkret lokalisieren lässt.
ad 4
Das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie ist auf drei Standorte verteilt
(Stubenbastei, Wollzeile, Franz - Josefs - Kai). Es ist sichergestellt, dass selbst nach
einer (unwahrscheinlichen) Störung in der Netzwerk - Infrastruktur die Clients
(Anwender PCs) vorübergehend - bis zur Beseitigung der Störungsursache - wie
stand allone‘ - Workstations (lokale Applikationen für Textverarbeitung, Tabellenkal -
kulation, Zugriff auf lokale DBs etc.) in Betrieb genommen werden können.
ad 5, 6 und 7
Alle Firmen wurden in Hinblick auf die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der
Gebäudestruktur (darunter
Kommunikationsanlagen, wie Telefon und Faxgeräte,
kopiergeräte, Postalia, Zutrittskontrolle, Videoüberwachungsanlage, Alarmweiterlei -
tung) ersucht, bis Ende Juni 1999 eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Die
Zutrittssicherung zum zentralen Rechenzentrum wurde in die Y2K - Prüfung mit ein -
bezogen. Weiters werden die jeweiligen Firmen um Bekanntgabe eines
,,Notfallsplanes“ ersucht werden. Test werden, soweit sie plausibel und möglich sind,
durchgeführt. Darüber hinaus wird auf Herstellerangaben zurückgegriffen.
ad 8 und 9
Derzeit sind keine derartigen Fälle bekannt. Es wurden deshalb keine Alternativan -
gebote eingeholt.
ad 10
Dort, wo es sinnvoll und machbar war/ist, wurde und wird bei der Beschaffung von
Neugeräten die Bewältigung des Y2K - Problems in den entsprechenden Verträgen
vereinbart.
ad 11 bis 13
Ein spezielles Risikomanagement - Programm für die gegenständliche Problematik
wurde nicht festgelegt. Es wurde jedoch durch die Erlassung einer Krisenordnung für
das Ressort Vorsorge getroffen, dass im Fall einer Krise besondere Weisungsbefug -
nisse gelten, bestimmte Bedienstete rasch erreichbar sind, ein Krisenstab einge -
richtet wird, der Informationsfluss an die Öffentlichkeit strukturiert wird und beson -
dere Regelungen über den Dienstbetrieb festgelegt werden. Diese Regelungen wur -
den grundsätzlich für die Bewältigung von überregionalen Krisen getroffen, können
jedoch zum Teil auch für krisenhafte Ereignisse, wie der zu Grunde liegenden Pro -
blematik, zur Anwendung gelangen.
ad 14 und 19
Durch das Erfassen des kalkulierbaren Gefährdungspotenzials, im Prinzip JA (siehe
auch die Beantwortung der Frage 1).
ad 15
Hierzu darf ich auf die Beantwortung der Fragen 2 und 4 sowie 11 bis 13 verweisen.
ad 16 und 18
Trifft auf mein Ressort nicht zu.
ad 17
Hierzu darf ich auf die Beantwortung der Frage 1 verweisen.
ad 20 und 21
Ja. Aus dem Informationsaustausch mit Praktikern (durch laufende Kontakte mit
Herstellern, die ein verständliches Interesse haben, dass ihre Produkte Y2K
,,überleben" oder z.B. im Rahmen des im BKA eingerichteter Kommission für Infor -
mationstechnik (KIT)) resultieren laufend neue Erkenntnisse, die in die Evaluierung
unserer Checklisten einfließen (siehe hierzu auch die Beantwortung der Frage 1).
ad 22
Es ist vorgesehen, dass zum Jahreswechsel 1999/2000 entsprechendes Fachperso -
nal zur Überprüfung der EDV - Funktionalität vor Aufnahme des Bürobetriebes am
3. Jänner 2000 bereitsteht. Entstehende Kosten sind primär durch Überstundenlei -
stungen der betroffenen MitarbeiterInnen zu erwarten.
ad 23 und 26
Siehe hierzu die Beantwortung der Frage 1.
ad 24
Für den in meinem Ressort genutzten online - Nachrichtendienst "APA - Online“ wurde
vom Anbieter eine Y2K - Bestätigung angefordert. Prinzipiell kann ein einzelnes Res -
sort nicht die Y2K - Tauglichkeit eines andernorts angebotenen und gewarteten Infor -
mationsangebotes testen.
ad 25, 30 und 31
Trifft auf mein Ressort nicht zu.
ad 27
Die Überprüfung und Behebung etwaiger Fehler - etwa durch vorgezogene Um -
setzung von Investitionsvorhaben - wurden und werden im Rahmen der Tätigkeit der
(hausinternen) IT - Abteilung mit den vorhandenen Personal - und Finanzressourcen -
ggf. in Zusammenarbeit mit Herstellern oder Händlern bzw. dem jeweiligen Vermieter
durchgeführt.
ad 28
JA. Siehe hierzu die Beantwortung der Fragen 1, 20 und 21.
ad 29
Ein groß angelegter Test mit der größtmöglichen Fehlererkennungsrate wäre etwa
der Aufbau einer 1:1 - Abbildung der in meinem Ressort angelegten technischen
Infrastruktur und anschließender Simulation und Überprüfung der Datumsübergänge
vom 31.12.1999 auf den 1.1.2000, bzw. vom 28.2. auf den 29.2. und den 1.3.2000.
Tests dieser Art wären plausiblerweise für hoch sicherheitsrelevante Systeme (wie
etwa einer Flugüberwachung) angebracht, wohl kaum aber für den administrativ
orientierten Betrieb eines Ministeriums. Deshalb wurde im Falle des BMUJF auf die
von den Herstellern getestete und als Y2K -
tauglich zertifizierten Patches, Bugfixes
bzw. Upgrades zurückgegriffen und danach - punktuell, soweit plausibel und abhän -
gig vom Gefährdungspotenzial - getestet. Siehe hierzu auch die Anmerkungen zum
Thema "Test" bei der Beantwortung der Frage 1.