5870/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat A. Van der Bellen, Freundinnen und Freunde haben am 12. Mai 1999
unter der Nr. 6250/J an mich eine schriftliche Anfrage betreffend „Maßnahmen und Vorbereitungen zum
Jahr - 2000 - Problem“ gerichtet.
Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu Frage 1:
In der Gruppe EDV des Bundesministerium für Inneres wurde ein eigenes Projekt „Jahr 2000“ ins Leben
gerufen, das Priorität vor allen anderen EDV - Projekten im Hause geniest.
Der Schwerpunkt der Maßnahmen, die das Projekt „Jahr 2000“ vorsieht, liegt in der Durchführung
umfangreicher, detaillierter Testreihen, um gezielt auf auftretende Fehler reagieren zu können. Dort, wo
Korrekturen undurchführbar sind, oder solche nicht mehr wirtschaftlich erscheinen, wird eine Erneuerung
der Produkte durchgeführt.
So wurden sämtliche Hard - und Softwarekomponenten (Mainframe, Midrange, Client - Server, PC‘s etc.)
nach Erfassung und Strukturierung der Problembereiche einer Kritikalitätsanalyse zugeführt. Danach
ergab sich eine Prioritätenreihung der Hardware - (Host, Server, Clients, aktive Kabelkomponenten uvm.)
und Softwarekomponenten (Betriebssysteme, Standardsoftware, Individualsoftware etc.).
Für den Bereich der Hardware, der Betriebssysteme und Standardsoftwarekomponenten wurden Kontakte
mit Herstellern/Lieferanten hergestellt, um sogenannte Y2K - Compliance - Erklärungen zu erhalten. Je
nach Ergebnis wurden entsprechende Upgrade - bzw. Austauschmaßnahmen eingeleitet. Eigene Tests
wurden dort durchgeführt, wo keine Erklärungen der Hersteller/Lieferanten eingingen. Es werden darüber
hinaus in besonders kritischen Bereichen trotz vorliegender Compliance - Erklärung eigene Tests
durchgeführt.
Von diesen Maßnahmen ist auch der gesamte Bereich des Büroautomations - und
Kommunikationssystems des BMI und der nachgeordneten Behörden betroffen. Es wurden umfangreiche
Upgrade - Maßnahmen in diesem Bereich eingeleitet und dort, wo dies aus technischen und
wirtschaftlichen
Gründen nicht mehr vertretbar war, wurde ein Austausch dieser Geräte
durchgeführt.
Im Großrechnerbereich werden die zentralen Anwendungen und Datenbanken umfangreichen Testreihen
unterzogen. Ein eigens dafür eingerichtetes Testsystem simuliert bereits jetzt den Betrieb nach dem
Jahreswechsel 2000. Technische Maßnahmen wie programmgesteuerte Sourcecodeuntersuchungen und
Analysen kritischer Programmteile durch die Entwickler waren diesen Tests vorgeschaltet und sind
bereits abgeschlossen.
Im Übrigen sei auf die Beantwortung der Parlamentarischen Anfrage Nr.6117/J verwiesen.
Zu Frage 2:
Wie in Frage 1 ausgeführt, werden im Großrechnerbereich die zentralen Anwendungen und Datenbanken
umfangreichen Testreihen unterzogen, die im Herbst des laufenden Jahres abgeschlossen sein werden.
Im Bereich der Hardware, der Betriebssysteme und Standardsoftwarekomponenten wurden entsprechende
Upgrade - bzw. Austauschmaßnahmen eingeleitet. Darunter fällt auch der gesamte Bereich der
Büroautomations - und Kommunikationssysteme des BMI, wo unter betriebswirtschaftlicher wie
finanzieller Optimierung die Überprüfung der Jahr 2000 - Fähigkeit mit der Vollausstattung des gesamten
Ressorts mit dem EDV - System BAKS III parallelisiert wurde.
Die Tests des österreichischen Teils des Schengener Informationssystems (N.SIS) wurden bereits
erfolgreich abgeschlossen. Die Jahr 2000 - Fähigkeit dieser Systemkomponente, beziehungsweise
internationalen Anbindung ist bestätigt.
Zu Frage 3:
Die Kosten sind abhängig von den abschließenden Testergebnissen. Die Tests sind jedoch derzeit noch
am Laufen, somit ist eine endgültige und genaue Kostenschätzung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Grundsätzlich sind die kalkulierbaren Maßnahmen der Überprüfung bzw. Umstellung aus dem laufenden
Budget bedeckt, bei dessen Erstellung größere Anschaffungen, die aus dem kontinuierlichen Austausch
von Hard - und Software in diesem Jahr resultieren, bereits einkalkuliert wurden.
Zu Frage 4:
Die Tests werden zur Zeit durchgeführt. Die bisherigen Erfahrungen haben keine gravierenden Fehler
aufgezeigt..
Bei den Applikationen ,,Kriminalpolizeilicher Aktenindex“ (abgeschlossen) und ,,Erkennungsdienstliche
Evidenz“ (in Arbeit) muß von einer 6 - stelligen auf eine 8 - stellige Datumsbehandlung durch Änderung
der entsprechenden Programme eine Umstellung vorgenommen werden.
Im Bereich der Gebäudetechnik der Gruppe EDV sind noch einige wenige abschließende Arbeiten
notwendig,
wie etwa der Austausch eines veralteten Steuerungsrechners.
Zu Frage 5:
Die Sicherheitsbehörden und ihre Organe sind als Sicherheitspolizei verpflichtet, für die
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen, sowie die erste allgemeine
Hilfeleistung zu gewährleisten
Zur Erfüllung dieses gesetzlichen Auftrages sind anläßlich des bevorstehenden Jahreswechsels, vor allem
durch eventuelle Programmabstürze in Computersystemen und den zu erwarteten zahlreichen intensiven
Feierlichkeiten, besondere vorbereitende Maßnahmen notwendig. Zur Koordinierung der notwendigen
Vorkehrungen durch die Sicherheitsbehörden wird ein Rahmenerlaß der Generaldirektion für die
öffentliche Sicherheit erlassen werden.
Weiters kommt der Bundeswarnzentrale im Bereich des Zivilschutzes entsprechende Bedeutung zu.
Zu den Fragen 6 - 8:
Im Bereich der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, deren
Ziel es ist, Vorbereitungen auf eventuelle Probleme im Zusammenhang mit dem bevorstehenden
Jahrtausendwechsel zu treffen. Dazu zählen die Ausarbeitung diesbezüglicher taktischer Maßnahmen,
und die Festlegung des Bereitschaftsgrades der Exekutive.
Betreffend die Einrichtungen der Bundeswarnzentrale ( u.a. auch Bundes - Warn - Alarmring) wurde von
den Herstellern die Jahr 2000 - Tauglichkeit bestätigt.
Ebenfalls gibt es bereits positive ,,Compliance - Erklärungen“ für alle Geräte des internen Telephonnetzes
und einen Großteil der Einrichtungen des Polizeifunks.
Zu Frage 9:
Die EDV - Anlagen des Innenressorts können im Notfall völlig autark durch ein USV - System
(Unterbrechungsstromversorgung) unbegrenzt in Betrieb gehalten werden.
An den kritischen Tagen des Jahrtausendwechsel wird besonders geschultes Personal Dienst versehen.
Weiters können andere Mitarbeiter sowie Spezialisten notfalls auf Abruf herangezogen werden.
Die Urlaubsplanungen der betroffenen Mitarbeiter wurden bereits im ersten Quartal dieses Jahres
koordiniert und auch über den Jahrtausendwechsel hinaus, zumindest bis zum ersten Quartal 2000
festgelegt. Somit ist die Verfügbarkeit personeller Ressourcen für diesen kritischen Bereich gewährleistet.
Ein spezieller noch zu erstellender ,,Contigency - Plan", vor allem in technischer Hinsicht ist abhängig von
den endgültigen Testergebnissen.
Für
den Bereich der öffentlichen Sicherheit wird auf die Beantwortung zu Frage
6 verwiesen.
Zu Frage 10:
Zu dieser Frage wird auf die Antwort des Bundeskanzlers zu Frage 12 anläßlich der Parlamentarischen
Anfrage Nr. 6244/J verwiesen.