5930/AB XX.GP
Die schriftliche palamentarische Anfrage Nr. 6336/J-NR/l 999, betreffend Flugsicherung, die
die Abgeordneten Dr. Graf und Kollegen am 20. Mai 1999 an mich gerichtet haben, beehre ich
mich wie folgt zu beantworten:
Zu den Fragen 1, 2, 3 und 4:
Für die Bewerbung zum Standort der CEATS Zentrale wurden im Herbst 1997 seitens des
Bundesministeriums ifir Wissenschaft und Verkehr und der Austro Control GmbH (ACG)
insgesamt vier Standortangebote (Wien Donau - City, Wien - Erdberg, Wien - Baumgasse und
ACG Zentrale Schnirchgasse) eingebracht, wobei die Erweiterung der bestehenden ACG
Zentrale als kostengünstigste und am raschesten zu verwirklichende Variante argumentiert
wurde. Die Studie des externen Konsultenten SCANAVIA (Dänemark), welche ihre Findungen
u.a. auf die politische Akzeptanz aller CEATS Teilnehmerstaaten stützt, reihte einerseits Wien
Donau - City an erste Stelle und die weiteren österreichischen Angebote in der o.a. Reihenfolge
hinter den Standortangeboten Budapest und Prag an die Plätze vier bis sechs, der am besten
geeigneten CEATS Standorte.
Zu den Fragen 5 und 6:
Die Einschätzung der Einsparungen für die Luftraumnutzer entspringt einer Kosten - /Nutzen -
analyse, welche von den CEATS Staaten bereits
1997 in Auftrag gegeben wurde. Die Studie
weist erste Einsparungen in Höhe von 5.8 Mio. EURO bereits im Jahr der Betriebsaufnahme
2006 infolge gesteigerter Effizienz auf, welche auf 7,6 Mio. EURO bis zum Jahr 2014 an -
wachsen sollten. Des weiteren können Einsparungen durch kürzere und höhenoptimierte
Streckenführungen von 107 Mio. EURO im Jahr 2006, mit einer Steigerung auf 141 Mio. EURO
bis zum Jahr 2014 erwartet werden. Die Studie gibt weiters an, daß voraussichtlich bereits 2008,
jedoch in allen Fällen im Jahr 2010 ein Gleichstand zwischen Errichtungskosten und Ein -
sparungsvolumen gegeben sein wird.
Der bereits 1995 erstellte Sektorisierungsplan der CEATS Zentrale, welche einen reduzierten
Aufwand von 22 Kontrollsektoren gegenüber der gegenwärtig 32 „nationalen Sektoren“
ausweist, wäre erneut, insbesondere im Lichte der mit 2002 geplanten Einführung der reduzier -
ten Vertikalstaffelung zwischen 29.000 und 41.000 Fuß, auf seine Aktualität zu prüfen. In jedem
Fall kann jedoch von einer deutlichen Reduzierung der erforderlichen Sektoren ausgegangen
werden, da sich die Sektorplanung nicht nach Staatsgrenzen, sondern nach Verkehrsströmen
orientieren wird und durch den neuesten Stand der Technik entsprechende „Human Machine
Interfaces“ eine graduelle Auslagerung von Flugverkehrskontrollaufgaben an den Computer
stattfinden wird, um bestehende Sicherheitsstandards bei gleichzeitiger Verkehrssteigerung
beibehalten bzw. erweitern zu können.
Zu Frage 7:
Die Struktur ist in dem bereits erwähnten CEATS Abkommen vorgegeben. Das CEATS
Abkommen wurde mit Beschluß der Bundesregierung vom 16. Juni 1997 im Juli 1997 im
Rahmen einer diplomatischen Konferenz durch einen bevollmächtigten Vertreter des BMWV
unterfertigt und sieht vor, daß die teilnehmenden Staaten der EUROCONTROL die Wahr -
nehmung der Flugsicherung in dem jeweils definierten Luftraum der Staaten übertragen, ohne
jedoch ihre Souveränität dabei aufzugeben. Des weiteren stellen die Teilnehmerstaaten ihre
bestehende Infrastruktur im Bereich der Flugsicherung (Radaranlagen, Kommunikationsein -
richtungen etc) kostenfrei der EUROCONTROL zur Verfügung, um diese Dienste auszuüben.
Diese Pläne werden nunmehr im Rahmen der Beschlußfassung der EUROCONTROL kon -
kretisiert.
Zu Frage 8:
Österreich ist bereits in den vom Parlament genehmigten Staatsvertrag der Organisation für die
Sicherheit der Luftfahrt EUROCONTROL beigetreten (siehe BGBl. 282/1993)
Zu Frage 9:
Bereits 1998 wurde evident, daß die seitens der Staaten sowie der (Luftfahrt -)Organisationen
ICAO, EUROCONTROL, EU und ECAC bislang gesetzten Maßnahmen nicht mehr aus -
reichten, den gestiegenen Flugverkehr zu bewältigen, so daß die Verspätungen erneut (wie auch
Ende der 80er Jahre) rasant zunahmen. Dieser Trend hielt auch im ersten Quartal 1999 - bereits
vor Beginn der Kosovo Krise - an, so daß Steigerungen in den Verspätungen bis zu 35% im
europäischen Lufiraum entstanden. Das „Nachhinken“ der nationalen Umsetzung entsprechen -
der kapazitätssteigernder Maßnahmen, als auch die Säumigkeit in der Anschaffung und Im -
plementierung neuer Flugsicherungstechnologien sind hierbei die tragenden Ursächlichkeiten.
Gesamteuropäische Strategien weisen eindeutig auf hypernationale Handlungserfordernisse hin,
um die nötige Kapazität zu schaffen, die Kosten für Luftfahrtunternehmen in erträglichen
Grenzen zu halten, die Kosten für die Anschaffung neuester Flugsicherungstechnik durch
grenzüberschreitende Nutzung für die betreffenden Staaten zu minimieren und die Sicherheit
und Effektivität der Luftfahrt zu erhöhen. Alle diese Zielsetzungen sind im Projekt CEATS
reflektiert und sollten einerseits eine mittelfristige Umsetzung in einem großen und verkehrs -
strategisch bedeutenden Teil des europäischen Luftraumes ermöglichen und andererseits
beispielwirksam für andere europäische Staaten sein. Daß eine solche supranationale Neu -
orientierung der europäischen Flugsicherung notwendig werden dürfte, wurde auch am Rat der
europäischen Verkehrsminister am 17. Juni 1999 diskutiert.
Zu Frage 10:
Die Stellen für das strategische Planungs - und Implementierungsbüro für CEATS wurden
seitens der EUROCONTROL innerhalb aller Mitgliedstaaten ausgeschrieben und ermöglichen
Österreich die Entsendung entsprechend qualifizierter Mitarbeiter, insbesondere, aufgrund der
fachlichen Expertise, von Angestellten der ACG.