5935/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Keppelmüller und Genossen haben am
10.5.1999 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 6234/J betreffend „bleifreie
Jagd" gerichtet. Ich beehre mich, diese wie folgt zu beantworten:
ad 1 und 2
Seit über 150 Jahren wird durch die Jagd Blei aus Schrotmunition in die Umwelt ein -
gebracht. International gibt es Beispiele dafür, dass bei sehr intensiver Bejagung
Bleivergiftungen an Wasservögeln aufgetreten sind; diese entstehen durch die Auf -
nahme von Schrotkörnern aus dem Flachwasserbereich.
Einige EU - Mitgliedsstaaten haben gesetzliche Maßnahmen zur Bewältigung dieses
Problems gesetzt. In den Niederlanden und in Dänemark wurde die Verwendung von
Bleischrot verboten, in Belgien, Schweden, Finnland und im Vereinigten Königreich
wurden die Verwendungsmöglichkeiten beschränkt. In anderen EU - Staaten mit be -
deutender Wasservogeljagd werden gesetzliche Maßnahmen diskutiert.
Im Rahmen zweier Studien wurden in Österreich 200 Stockenten aus intensiv be -
jagten Beständen untersucht, wobei in keinem Entenmagen ein Schrotkorn gefunden
und bei keiner Ente erhöhte Bleiwerte, die auf die Aufnahme von Bleischroten
zurückzuführen gewesen wären,
nachgewiesen wurden. Auf Grund der potenziellen
Gefahr von Bleivergiftungen bei Wasservögeln sollten die Bestände jedoch weiterhin
beobachtet werden.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Bleischrot auf Grund seines höheren spezifi -
schen Gewichtes eine stärkere Tötungswirkung als Stahl - bzw. Weicheisenschrot
entwickelt.
ad 3
Im Rahmen von Begutachtungsverfahren zu Gesetzen und Verordnungen können
etwaige Einwände vorgebracht werden und in den Gremien, in die mein Ressort
Vertreter entsendet, werden die Standpunkte meinen Hauses eingebracht.
ad 4
Auch wenn in Österreich bisher keine Bleivergiftungen durch die Aufnahme von
Bleischrot nachgewiesen wurden, ist der Eintrag von Blei in die Umwelt jedenfalls so
gering wie möglich zu halten.
Bevor jedoch eine Verknüpfung von naturschutzrelevanten Förderungsmitteln mit
einer „bleifreien Schrotjagd" überlegt wird, müsste nachgewiesen werden, dass die
Ersatzmunition gleiche Tötungswirkung und gleiche Sicherheit für Jäger und Treiber
(größerer Abprallwinkel bei Stahlschrot) erreicht, und dass keine „neuartigen“
negativen Auswirkungen auf die Umwelt damit verbunden sind.