5945/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Van der Bellen, Freundinnen und Freunde haben
am 12. Mai 1999 unter der Zl. 6246/J - NR/1999 an mich eine schriftliche
parlamentarische Anfrage betreffend Massnahmen und Vorbereitungen zum Jahr 2000 -
Problem gerichtet.
Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu Frage 1:
Im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten wird überwiegend Standard -
Hard - und Software eingesetzt. Tests hinsichtlich der „Jahr 2000 - Tauglichkeit“ wurden
nach Prioritäten gestaffelt absolviert. Lediglich in Bereichen, in denen entweder
Herstellerzusagen vorliegen oder hinsichtlich der „Jahr 2000 - Tauglichkeit“ ergänzende
Programme des Herstellers vorgesehen sind (,,updates“, ,,patches“), wurde von Tests
abgesehen. Nach Verfügbarkeit dieser ergänzenden Programme sind weitere Tests
vorgesehen. Die Tests haben in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die „Jahr 2000 -
Tauglichkeit“ bestätigt; wo noch
Mängel bestehen, wird an der Behebung gearbeitet.
Die Bereiche der technischen Infrastruktur, die dem Vollzugsbereich des Ressorts
zuzurechnen sind, wurden ebenfalls überprüft. Die Überprüfung erfolgte im
Zusammenhang mit den Tests der EDV - Anlage und - Komponenten sowie nach
Massgabe der technischen Möglichkeiten bzw. in Zusammenarbeit mit den Herstellern
oder Anbietern. Die Tests umfaßten auch die Anlagen und damit verbundenen Systeme
der Außenstellen sowie die Sicherheits - und Kommunikationsanlagen im
Vollzugsbereich des Ressorts. Die Überprüfung von Sicherheitsanlagen ist weitgehend
abgeschlossen, bei einem potentiell problematischen Fall wurde der relevante Bauteil
ausgetauscht. Die Überprüfung der Kommunikationsanlagen (z.B. elektronische Post,
Telefon - und Telekopie - Einrichtungen) bzw. Kontaktnahme mit Hersteller und Anbieter
hat zur Auswechslung eines Teils der Router - Hardware des Ressorts geführt.
Bestimmte Komponenten (Modems) können nicht gesondert getestet werden. Einige
Anbieter (,,Provider") haben ihre „Jahr 2000 - Tauglichkeit" bereits bestätigt.
Alte EDV - Anwendungen, deren Verwendung über das Jahr 2000 hinaus geplant ist,
wurden hinsichtlich der Datumsverarbeitung überprüft. Eine Umstellung hat sich
hinsichtlich von Teilen des ‚,Verwaltungspakets“ als notwendig erwiesen. Hier wurde
bzw. wird nach einschlägigen Tests die Art des Zugriffs auf das Datum (die
Datumsherkunft) umgestellt. Zum Teil wurden im Rahmen der „Y2K“ - Tests auch andere
Datumsproblemfälle (wie z.B. das Schaltjahr 2000) nach vergleichbaren Kriterien
berücksichtigt.
Seit 1996 wurden ferner die potentiellen Auswirkungen der Umstellung auf das Jahr
2000 in verschiedener Form und Intensität in die Planungen hinsichtlich technischer
Komponenten einbezogen. Beispielhaft werden die Spezifikation der „Jahr 2000 -
Tauglichkeit" bei der Neuanschaffung der EDV - Ausstattung des Ressorts ab 1996,
„upgrade“ - Planung und vorgezogener Austausch von EDV - Komponenten angeführt.
Die Y2K - Checklisten werden zumindest monatlich IT - unterstützt aktualisiert. Probleme
werden regelmässig gesucht und in der
Folge in die Checklisten aufgenommen.
Mit dem Hersteller/Lieferanten der zentralen EDV - Anlage des Bundesministeriums für
auswärtige Angelegenheiten wurde eine Rufbereitschaft ab 1.1.2000 für einschlägige
technische Hilfe vereinbart. Weiters wird eigenes EDV - Personal rufbereit sein.
Zu Frage 2:
Die Vorbereitungen für die Datumsumstellung auf den 1.1.2000 sind im
Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten weitgehend abgeschlossen. Nicht
abgeschlossen sind Bereiche, in denen Softwarelieferanten die notwendigen
Korrekturen (,,updates") noch nicht zur Verfügung gestellt haben, sowie an etwa 10 (von
116) Vertretungen, an denen Umstellungsmassnahmen planmässig im 2. Halbjahr 1999
erfolgen. Diese Umstellungen werden mit November1999 abgeschlossen werden.
Zu Frage 3:
Im Ressortbereich wurden nur sehr wenige direkt und ausschliesslich das „Jahr 2000 -
Problem betreffende Ausgaben getätigt. In einigen Fällen wurden sowohl bei der
Hardware - Ausstattung als auch bei der eingesetzten Standard - Software notwendige
Erneuerungen bzw. Versionswechsel früher vollzogen. Der dabei auf das „Jahr 2000 -
Problem entfallende Teil des Personal - und Sachaufwands ist nicht bezifferbar und
wird zudem weitgehend ereignisabhängig sein.
Zu Frage 4:
Im EDV - Bereich haben sich beispielsweise Teile des ,,Verwaltungspakets“, das an den
Auslandsvertretungen eingesetzt wird, als fehleranfällig erwiesen. Hier wurde bzw. wird
nach einschlägigen Tests die Art des Zugriffs auf das Datum (die Datumsherkunft)
umgestellt. Zum Teil mussten nach dem Einsatz neuer, Jahr 2000 - tauglicher
Faxsoftware Kompatibilitätsprobleme zu anderen Softwarekomponenten behoben
werden. Im Hardwarebereich wurden bzw. werden ein Teil der im Einsatz befindlichen
Router früher als vorgesehen ausgetauscht, da von der Herstellerseite bei diesen
Geräten Jahr 2000 - Probleme nicht
ausgeschlossen wurden.
Im Bereich der Gebäudetechnik haben sich im Zuständigkeitsbereich des Ressorts
kaum Probleme ergeben. Vereinzelt wurden datumsabhängige Chips in elektronisch
gesteuerten Sicherheitssystemen als Risikofaktoren definiert und ausgetauscht.
Zu Fragen 5 bis 8:
In den Vollzugsbereich des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten fallen
keine Versorgungs - und Infrastrukturbereiche.
Zu Frage 9:
Die Notfallplanung für den etwaigen Ausfall lebenswichtiger Bereiche aufgrund des Jahr
2000 - Problems und daraus resultierende Notsituationen in Österreich fällt nicht in den
Vollzugsbereich des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten.
Zu Frage 10:
Die Beurteilung des Risikopotentials von Kernkraftwerken fällt in den Aufgabenbereich
des für Nuklearfragen zuständigen Bundeskanzleramtes.
Zu den Fragen 11 bis 14:
Das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten widmet in Einklang mit einem
Beschluß des Rates der Europäischen Union vom 22.4.1999 dem Jahr 2000 - Problem
bei elektronischen Systemen, insbesondere im Energiebereich einschließlich der
nuklearen Sicherheit, auf internationaler Ebene die entsprechende Aufmerksamkeit. Die
Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) verabschiedete anlässlich ihrer
vorjährigen 42. Generalkonferenz eine Resolution mit Massnahmen zur Jahr 2000 -
Problematik. In der Folge wurden ein Fragebogen zum Y2K - Status, ein Aktionsplan
sowie Richtlinien für den aus Sicht der Organisation adäquaten Umgang mit der
Problematik ausgearbeitet. Die IAEO moderiert auch ein globales Forum für den
Austausch von einschlägigen Informationen. Soweit bisher Reaktionen von
Mitgliedstaaten auf den IAEO - Fragebogen beziehungsweise Aktionspläne im
Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit vorliegen, zeigen diese, dass die
betroffenen Staaten die Problematik für
beherrschbar halten.
Das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten hat im Einvernehmen mit dem
zuständigen Bundeskanzleramt (Nuklearkoordination) die österreichischen Botschaften
in wichtigen westlichen Nuklearstaaten und allen relevanten mittel - und osteuro -
päischen Staaten zur Berichterstattung über die Problematik hinsichtlich dortiger
Atomkraftwerke eingeladen. Weiters wurden Kontaktadressen für die zuständigen
österreichischen Stellen erhoben. Die eingelangten Berichte wurden dem in der Sache
zuständigen Bundeskanzleramt übermittelt.
Soweit dem Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten bekannt, sind in den
mittel - und osteuropäischen Staaten keine Nuklearwaffen stationiert.