6006/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Petrovic, Haidlmayr, Freundinnen und Freunde
haben am 20.5.1999 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 6313/J betreffend
,,Gesundheitsgefahr durch Chemikalien mit hormonellen Wirkungen“ gerichtet. Ich
beehre mich, diese wie folgt zu beantworten:
ad 1 und 2
ÖsterreichischeAktivitäten:
In einer 1996 im Auftrag des Umweltministeriums vom Österreichischen Ökologie -
institut durchgeführten Studie wurden die Stoffströme jener Substanzen erfasst, die
auf Grund ihres endokrinen Potenzials und der verwendeten Mengen in Österreich
von besonderer Relevanz sind. Dies sind die Industriechemikalien Alkylphenole -
thoxylate, Phthalate, Bisphenol A, Butylhydroxanisol und PCB.
Im Frühjahr 1998 wurden aufbauend auf diesen Ergebnissen Untersuchungen an 14
österreichischen Kläranlagen (Zu - und Ablauf der Kläranlagen, Flüsse oberhalb und
unterhalb der Einmündungen der Kläranlagenabläufe) durchgeführt. Die Analyse der
oben genannten Substanzen erfolgte auf klassisch - chemischem Weg durch das
UBA
mit einem rekombinanten Hefetestsystem, das vom Institut für Angewandte
Mikrobiologie der Universität für Bodenkultur im Auftrag des Umweltministeriums
entwickelt wurde. Dieses Testsystem basiert auf der Bindung von Substanzen an
den humanen Östrogenrezeptor. Die Ergebnisse werden derzeit statistisch ausge -
wertet und auf Korrelation untersucht.
Das Umweltministerium hat die Erarbeitung von Diagnosemethoden in Auftrag ge -
geben. Ihre Validität und Korrelierbarkeit wurde in einem eigenen Projekt geprüft.
Als Weiterführung des Projektes ist an die Analyse von Klärschlamm und Schweb -
stoffen, sowie an Ökosystemstudien gedacht.
In zwei bis drei Jahren soll ein auf Österreich bezogenes Gesamtbild dieses Um -
weltproblems vorliegen.
Ziel aus österreichischer Sicht ist die rasche Integration des Phänomens in das
Instrumentarium der europäischen sowie österreichischen Chemiepolitik
(Stoffbeurteilung, Risikoabschätzung, Risikomanagement).
Aktivitäten der Europäischen Kommission:
Die Umweltgeneraldirektion DG XI bereitet derzeit ein Strategiepapier der Europäi -
schen Kommission vor, das im Rahmen der Konferenz von Frau Frommer, Direkto -
rin der DG XI.E präsentiert werden wird. Darin werden die kurz - , mittel - und langfri -
stigen Handlungsperspektiven der Europäischen Union aufgezeigt. Das sind im
Wesentlichen
• die Erstellung einer priority list von Substanzen mit hormoneller Aktivität, die be -
vorzugt einer Risikobewertung unterzogen werden sollen,
• das Erarbeiten von Monitoring - Programmen als Grundlage für eine Expositions -
abschätzung,
• das Etablieren von Forschungsprogrammen sowie
• langfristig die Anpassung und Erweiterung von bestehenden gesetzlichen Rege -
lungen.
Mittelfristiges Ziel der Aktivität auf europäischer Ebene ist es, neben den bereits eta -
blierten Gefahrenmerkmalen für chemische Substanzen ein solches zu entwickeln,
welches die Eigenschaft, das Hormonsystem zu beeinflussen, beschreibt.
Eine derartige Charakterisierungsmöglichkeit für Chemikalien ist Voraussetzung,
diese auf Grund ihrer hormonartigen Wirkungen zu beschränken. Eine große Anzahl
von Chemikalien, die aus heutiger Sicht bereits nachweisbar hormonelle Wirkungen
entfalten, sind bereits durch andere gesetzliche Regelungen Beschränkungen un -
terworfen (beispielsweise polychlorierte Biphenyle, Pentachlorphenol, Phthalate,
etc.). Darüber hinaus gehende Beschränkungsmaßnahmen, die im Wesentlichen
durch die hormonelle Eigenschaft begründet sein können, müssen auf Basis der
Charakterisierung dieser Eigenschaft im Kontext des europäischen Chemikalien -
rechts erfolgen.
Österreich hat diesem Thema im Rahmen der Präsidentschaft der Europäischen
Union eine Präsidentschaftskonferenz gewidmet, zu der hundert ExpertInnen aus
über zwanzig Ländern die weltweiten Forschungsergebnisse und Lösungsansätze
präsentierten. Die Vorbereitungen zu einem auf drei Jahre anberaumten, groß an -
gelegten Forschungsprojekt, welches das Hauptziel hat, die von hormonartig wirken -
den Chemikalien ausgehende Umweltbelastung in österreichischen Gewässern zu
beschreiben, steht kurz vor dem Abschluss.
ad 3
Die Vorarbeiten zur Erstellung eines österreichischen Biozidproduktegesetzes sind
abgeschlossen. Ein dementsprechender Gesetzesentwurf steht kurz vor seiner
Aussendung in Begutachtung.