6035/AB XX.GP

 

Beantwortung

 

der Anfrage der Abgeordneten Petrovic Freundinnen und Freunde

betreffend der Food and Drug Administration; schwere Schädigung von PatientInnen

durch Arzneimittelnebenwirkungen; wissenschaftliche Haltlosigkeit von Tierversuchen

(Nr. 6391/J)

 

 

Zur vorliegenden Anfrage führe ich folgendes aus:

 

Zu den Fragen 1 und 2:

 

Da die Studien der Food and Drug Administration in der Anfrage weder zitiert noch

präzisiert sind, kann ich nicht mit Sicherheit beurteilen, welcher Studie die Schluß -

folgerungen betreffend Tierversuche entnommen sind. Aus dem mir vorliegenden

Annual Adverse Drug Experience Report der FDA kann ich jedenfalls keine neue

Einschätzung der FDA betreffend Tierversuche ableiten. Vielmehr werden in weltweit

(Europa - USA - Japan) harmonisierten wissenschaftlich begründeten Normen, die in

gemeinsam beschlossenen Dokumenten der International Conference on

Harmonisation (ICH) festgeschrieben sind, entsprechende Untersuchungen am Tier

als Voraussetzung für die Zulassung von Arzneispezialitäten gefordert. Diese Zulas -

sungsvoraussetzungen enthalten somit auch die offizielle und aktuelle

Expertenmeinung der FDA. Ich kann daher aus Feststellungen der FDA nicht den

Schluß ziehen, daß diese die generelle Nicht - Übertragbarkeit von Toxizitätsdaten

von Tieren auf Menschen festgestellt hätten.

 

Zu Frage 3:

 

Mein Ressort wird entsprechend validierte alternative Testmethoden im nationalen

Zulassungsverfahren akzeptieren und auch in den zuständigen Gremien der Euro -

päischen Union für deren Anerkennung eintreten.

Zu Frage 4:

 

Die Auffassung, daß generell Ergebnisse aus Tierversuchen nicht als Referenz zur

Validierung von alternativen Testmethoden geeignet sind, wird von meinem Ressort

nicht geteilt. Die Art der Validierung orientiert sich am spezifischen Charakter der

"alternativen" Testmethoden. Die Anwendung nicht validierter präklinischer Tests

würde ein nicht vertretbares Risiko für den Menschen mit sich bringen. Generell wird

ein neuartiger Test nach den Regeln der Wissenschaften an bereits etablierten Tests

gemessen. Die Tatsache, daß die Ergebnisse von Tierversuchen und Beobach -

tungen am Menschen oft aber nicht immer übereinstimmen, rechtfertigt keinesfalls

das generelle Infragestellen von Tierversuchen. Gerade in den letzten Jahrzehnten

hat sich eine ganze Palette von präklinischen Toxizitätsprüfungen im Arzneimittel -

entwicklungsverfahren etabliert, deren Ergebnisse nicht als Einzeldaten, sondern in

der Zusammenschau gesehen werden müssen, um eine vernünftige Risikoab -

schätzung durchführen zu können. Durch gezieltere Speziesauswahl und besondere

Beachtung der Toxikokinetik von Prüfsubstanzen konnten auch wichtige Fortschritte

in der Lösung der aufgeworfenen Problematik der Übertragbarkeit erzielt werden.

 

Zu Frage 5:

 

In diesem Zusammenhang verweise ich auf meine Beantwortung der Frage 1. Da

aufgrund der mir vorliegenden offiziellen Publikationen der FDA keine Hinweise auf

eine derartige Position der FDA vorliegen, scheint mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt

eine Vergleichsstudie nicht erforderlich zu sein.

 

Zu den Fragen 6 und 7:

 

Zu diesen Fragen verweise ich auf die Beantwortung durch den Herrn Bundes -

minister für Wissenschaft und Verkehr.

 

Zu Frage 8:

 

Sollten seitens der Experten der FDA oder anderen Sachverständigen neue

wissenschaftliche Erkenntnisse bestehen, die ein Überdenken der derzeitigen

Zulassungsanforderungen für Arzneimittel erforderlich machen, würde ich

selbstverständlich eine Diskussion auf wissenschaftlicher Basis begrüßen. Auf

welcher Ebene eine solche Diskussion stattfinden sollte, könnte erst auf Grund

konkreter Angaben überlegt werden.