6046/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Povysil und Kollegen haben am 20. Mai
1999 unter der Nr. 6339/J an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage
betreffend Lösung des Jahr - 2000 - Problems (Y2K) Entschließung und Berichte
der EU - Kommission (KOM(98)0102 - C4 - 0233/98), (KOM(98)0593), (B4 -
0693/98), (A4 - 0014/99)) gerichtet.
Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu Frage 1:
Es werden die von der EU - Kommission verschickten Fragebögen beantwortet.
Die Antworten der einzelnen Ministerien werden vom Bundeskanzleramt ein -
geholt und der EU - Kommission übermittelt.
Zu Frage 2:
Die EU - weite Entwicklung läßt sich aus den Schlußfolgerungen der EU - Ratsta -
gungen ablesen. Österreich hat an der vorbereitenden Arbeit, die in diesen
Schlußfolgerungen zum Ausdruck kommt,
aktiv mitgewirkt. Dazu im einzelnen:
Europäischer Rat in Cardiff am 15. und 16. Juni 1998:
„Problem der Datumsumstellung zur Jahrhundertwende
44. Die durch den Übergang zum Jahr 2000 entstehenden Probleme für
die lnformationstechnologie und andere elektronische Systeme könnten
schwerwiegende grenzüberschreitende Folgen haben. Deshalb ist es
wichtig, daß die Mitgliedstaaten Musterlösungen für dieses Problem un -
tereinander austauschen.
45. Die einzelstaatlichen Programme sollten das Problembewußtsein
schärfen und Maßnahmen vorzeichnen, um die Störungen so gering wie
möglich zu halten. Mittels solcher Maßnahmen sollte unter anderem
sichergestellt werden, daß kritische Systeme im staatlichen Bereich für
das Jahrtausendproblem gerüstet sind, daß Notfallpläne erstellt werden
und, soweit angebracht, eine entsprechende Schulung erfolgt, um einem
Mangel an entsprechender Sachkenntnis abzuhelfen. Die Frage sollte
auch weiterhin als höchste Priorität behandelt werden. Die Kommission
wird ersucht, vor der Tagung des Europäischen Rates in Wien über die
erzielten Fortschritte Bericht zu erstatten."
Europäischer Rat in Wien am 11. und 12. Dezember 1998:
„Problem des Datumswechsels beim Übergang zum neuen Jahrtausend
52. Der Europäische Rat begrüßt den Bericht der Kommission zu diesem
Problem und fordert die Mitgliedstaaten auf, die Pläne zum Schutz ihrer
Infrastruktur rechtzeitig zur Anwendung zu bringen und sich weiterhin
darum zu bemühen, alle Sektoren und insbesondere den öffentlichen
Bereich sowie die kleinen und mittleren Unternehmen hierfür zu sensibili -
sieren.
53. Die zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten werden dringend
aufgefordert, das Problem von in der Versorgungskette außerhalb der EU
auftretenden
Störungen und seine Implikationen gründlich zu prüfen, Not -
fallpläne zur Behebung einschlägiger Schwierigkeiten auszuarbeiten und
mit den zuständigen Stellen in den anderen Mitgliedstaaten Informationen
auszutauschen. Der Europäische Rat fordert die Kommission auf, ein
Treffen von Vertretern der öffentlichen Infrastrukturanbieter aus den
Mitgliedstaaten einzuberufen, um festzustellen, ob angemessene Vor -
kehrungen für die grenzüberschreitenden Abhängigkeiten innerhalb der
EU in Bereichen wie Verkehr und Energie - und Wasserversorgung
getroffen worden sind, und erforderlichenfalls dem Europäischen Rat auf
seiner nächsten Tagung Empfehlungen für geeignete Maßnahmen zu
unterbreiten.“
Europäischer Rat in Köln am 3. und 4. Juni 1999:
„Der Europäische Rat hatte auf seinen Tagungen in Cardiff und Wien auf
die datentechnischen Probleme hingewiesen, die der Jahrtausendwechsel
mit sich bringen kann, und die Mitgliedstaaten dringend ersucht, Maßnah -
men zu ergreifen, um mögliche Störungen auf ein Minimum zu beschrän -
ken. Wichtige Arbeiten sind hierzu bereits erfolgt. Angesichts des heran -
rückenden Datumswechsels fordert der Europäische Rat die Kommission
auf, ihre Bemühungen zu verstärken und eine hochrangige Gruppe einzu -
berufen, die Vorschläge für strategische Entscheidungen vorlegen kann,
die innerhalb der Europäischen Union erforderlich sein können, um beim
Auftreten von EDV - Problemen im Zusammenhang mit dem Jahrtausend -
wechsel den reibungslosen Betrieb entscheidender Infrastrukturbereiche
zu gewährleisten. Der Europäische Rat fordert ferner die Kommission auf,
Informationen über die weltweit getroffenen Vorbeugungsmaßnahmen
zusammenzustellen und diese zur Unterrichtung der Öffentlichkeit be -
kannt
zu machen.“
Zu Frage 3:
Da es mir ein wesentliches Anliegen ist, der Öffentlichkeit entsprechende
Informationen zur Verfügung zu stellen, habe ich am 27. April 1999 einen
Ministerratsvortrag eingebracht, der eine Informationsinitiative zum Ziel hat.
Nach Beschlußfassung durch den Ministerrat wurde inzwischen am 4. Juni
als erster Schritt ein Internet - Angebot über die Jahr - 2000 - Aktivitäten der
Bundesministerien eröffnet, das am Republik - Server abrufbar ist
(www.austria.gv.at). Weitere Maßnahmen zur Information der Öffentlichkeit
sind in Vorbereitung.
Zu Frage 4:
Die Weltbank gewährt den Entwicklungs - und Transitionsländern technische
Unterstützung für die Lösung des Jahr – 2000 - Computerproblems. Eine Betei -
ligung an Weltbank - Programmen ist für einzelne Mitgliedstaaten nicht erfor -
derlich und auch nicht sinnvoll. Die Finanzierung erfolgt aus Weltbankmitteln.
An Jahr – 2000 - Sonderprogrammen hat sich Österreich bislang nicht beteiligt.
Von der UNO gibt es - mit Ausnahme von Aktivitäten zur Bewußtseinsbildung in
den Mitgliedstaaten - keine Projekte zu diesem Thema. Die Zusammenarbeit
der UNO mit den Entwicklungsländern beschränkt sich auf lokale Beratung
durch die „resident coordinators“ (UNDP).
Zu Frage 5:
Hinsichtlich der Auswirkungen auf die nukleare Sicherheit wird die Problematik
der Datumsumstellung seit geraumer Zeit auf internationaler Ebene diskutiert.
Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) hat in ihrer vorjährigen
42. Generalkonferenz eine Resolution mit Maßnahmen zur Jahr - 2000 - Pro -
blematik verabschiedet. In der Folge wurden
ein Fragebogen zum Y2K - Status,
ein Aktionsplan sowie Richtlinien für den aus Sicht der Organisation adäquaten
Umgang mit der Problematik ausgearbeitet. Die IAEO veranstaltet eine Reihe
von Expertentreffen zu diesem Thema und moderiert auch ein globales Forum
für den Austausch von Informationen. Soweit bisher Reaktionen von Mitglied -
staaten auf den IAEO - Fragebogen beziehungsweise Aktionspläne im
Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit vorliegen, zeigen diese, daß
die betroffenen Staaten die Problematik für beherrschbar halten. Bei einem
internationalen technischen Expertentreffen der NEA (OECD) gelangten die
Teilnehmer zu ähnlichen Schlußfolgerungen. Hinsichtlich der World Association
of Nuclear Operators (WANO) ist wohl eine ähnliche Aussage zu erwarten,
wenngleich der Bundesregierung bisher keine konkreten Ergebnisse dieser
Vereinigung bekannt sind. Die von den internationalen Organisationen zur
Verfügung gestellten Informationen werden nach Maßgabe der Möglichkeiten
laufend ausgewertet.
Zu Frage 6:
Mit der erwähnten Informationskampagne (siehe Frage 3) soll in erster Linie die
Bevölkerung angesprochen werden, es soll damit aber auch das allgemeine
Problembewußtsein erhöht werden. Maßnahmen zur Information der KMU
werden von der dafür zuständigen Wirtschaftskammer Österreich ergriffen.
Zu Frage 7:
Wie bereits ausgeführt, dient die Informationskampagne vor allem der
Aufklärung und Information der Verbraucher/innen. Dafür sind 8 Millionen
Schilling vorgesehen, die aus den vorhandenen Kreditmitteln des Bundes -
kanzleramtes zur Verfügung gestellt
werden.
Zu Frage 8:
Die Unterschiedlichkeit der Vorgangsweise bei EURO und Y2K ist bekannt und
wird berücksichtigt.
Zu den Fragen 9 bis 11:
Diese Fragestellungen sind in den Ministerratsvorträgen zum Thema Jahr -
2000 - Computerproblem vom 16. Februar 1999 und vom 27. April 1999 be -
rücksichtigt.
Zu den Fragen 12 und 18:
Wenn ein Produkt aufgrund des Y2K - Fehlers funktionsunfähig wird oder nur
mehr eingeschränkt verwendbar ist, sind die österreichischen Bestimmungen
über die Gewährleistung anwendbar. Voraussetzung für die Geltendmachung
von Gewährleistungsansprüchen ist aber, daß die Gewährleistungsfrist von
sechs Monaten bei beweglichen bzw. drei Jahren bei unbeweglichen Gütern
noch nicht überschritten ist. Die EU - Richtlinie über den „Gebrauchsgüterkauf
und Garantien für Verbrauchsgüter" wurde erst am 17. Mai 1999 beschlossen,
sodaß sie nicht mehr auf das Jahr - 2000 - Problem anwendbar sein wird. Die
für Verbraucherschutz zuständige Bundesministerin empfiehlt daher den
Konsumentinnen und Konsumenten, sich vom Handel beim Kauf von
Elektroprodukten vertraglich die Jahr - 2000 - Fähigkeit zusichern zu lassen,
wobei diese „Jahr - 2000 - Garantie“ zumindest bis zum Ende des Jahres 2000
gelten sollte.
Falls der Jahr - 2000 - Fehler die Sicherheit von Produkten beeinträchtigt, so ist -
sofern nicht besondere bundesgesetzliche Verwaltungsvorschriften anzuwen -
den sind - das Produktsicherheitsgesetz 1994, BGBl. Nr. 63/1995, heranzu -
ziehen, das den zuständigen Behörden
ermöglicht, geeignete Maßnahmen zur
Gefahrenabwehr zu ergreifen (z.B. Verkaufsverbote, Rückrufe, öffentliche
Warnungen).
Es ist davon auszugehen, daß die möglichen Folgen des Y2K - Problems spä -
testens seit 1995 allgemein bekannt sind, sodaß Produkthaftungsansprüche bei
Erzeugnissen späteren Herstellungsdatums jedenfalls berechtigt sein dürften.
Über Produkthaftungsansprüche bei Schäden, die durch ein Y2K - beeinträchtig -
tes Produkt verursacht werden, wird aber im Einzelfall von den Gerichten zu
entscheiden sein.
Zu Frage 13:
Um auch Informationen aus erster Hand zu erhalten, hat sich Österreich im
Wege der österreichischen Botschaften direkt an alle kernenergienutzenden
Staaten in Europa mit der Bitte um Berichterstattung gewandt. Die bisher
vorliegenden Informationen zeigen, daß alle betroffenen Staaten an der
Problematik arbeiten, ohne die einschlägigen Aktivitäten bereits abgeschlossen
zu haben.
Zu Frage 14:
Die internationale Zusammenarbeit erfolgt in den dafür vorgesehenen Gremien,
in denen Österreich entsprechend vertreten ist. In der Zivilluftfahrt ist das z.B.
die ICAO (International Civil Aviation Organisation).
Da die nukleare Sicherheit völkerrechtlich nach wie vor in der alleinigen Verant -
wortung des jeweiligen Betreibers liegt und daher der IAEO kein Behörden -
status zukommt, muß sich diese Organisation auf Empfehlungen beschränken.
Österreich wird weiterhin bei allen sich bietenden einschlägigen Gelegenheiten
auf die Notwendigkeit einer Lösung der
Datumsproblematik hinweisen und ent -
sprechende Gegenmaßnahmen und aussagekräftige Informationen darüber im
Interesse des Schutzes der österreichischen Bevölkerung einfordern.
Zu Frage 15:
Da die Verantwortung für die Sicherheit von Kernkraftwerken beim Betreiber
liegt, gibt es für die Bundesregierung keine Veranlassung, durch finanzielle
Unterstützung eine aus ihrer Sicht obsolete Technologie zu subventionieren.
Bezüglich des Kernkraftwerks Temelin wäre festzuhalten, daß vom zukünftigen
Betreiber des Kernkraftwerks zwar eine lange Reihe von Fertigstellungsdaten
vor der Jahrtausendwende in Aussicht genommen wurde, aber wohl aufgrund
tiefgreifender Probleme die Inbetriebnahme dieses Kraftwerks frühestens
gegen Ende des Jahres 2000 - und somit in deutlichem Sicherheitsabstand
zum kritischen Jahreswechsel - stattfinden wird.
Zu Frage 16:
Die Bearbeitung der grenzüberschreitenden Y2K - Probleme innerhalb der EU
wird von der Kommission im Sinne der Beschlüsse der Tagungen des Euro -
päischen Rates vorangetrieben (ich verweise dazu auf meine Ausführungen zu
Frage 2). Beim Europäischen Rat in Köln wurde beschlossen, eine hochrangige
Arbeitsgruppe zu befassen. Diese wird noch im Juli tagen.
Zu Frage 17:
Die zitierte Empfehlung entstammt der Entschließung des Europäischen Parla -
mentes vom 25. Februar 1999. Seitdem die Jahr - 2000 - Problematik verstärkt im
Bewußtsein der Verwaltung und der Entscheidungsträger verankert ist, wird bei
der Ausarbeitung von neuen Rechtsakten bzw. Programmen mit bedeutendem
informationstechnologischem Anteil in der
Vorbereitungsphase besonderes
Augenmerk auf die Frage der Jahr - 2000 - Tauglichkeit gelegt. Bislang ergab sich
daher auf Ratsebene in diesem Zusammenhang nicht die Notwendigkeit zur
Verschiebung der Verabschiedung von Rechtsakten bzw. EU - Programmen. Die
Implementierung künftig zu verabschiedender Rechtsakte wird sich mit dem
Heranrücken des relevanten Datums 1. Jänner 2000 zunehmend in den Zeit -
raum danach verlagern und daher keine potentielle Y2K - Problematik mehr auf -
weisen.
Zu Frage 19:
Die Aufforderung des Europäischen Parlaments richtet sich an die EU -
Kommission.
Zu Frage 20:
Mit dem von mir eingebrachten und am 16. Februar 1999 beschlossenen
Ministerratsvortrag habe ich die Initiative zur Beschleunigung der Vorarbeiten
und Ausarbeitung von Notfallplänen ergriffen. Zur Koordinierung ist einerseits
eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Staatlichen Krisenmanagements eingesetzt
worden, weiters eine interministerielle Arbeitsgruppe mit Beteiligung der Ver -
bindungsstelle der Länder, des Städte - und Gemeindebundes sowie der
Wirtschaftskammer Österreich, der lndustriellenvereinigung, der Arbeiter -
kammer und des ÖGB zur Aufbereitung des Materials für die Informations -
kampagne.
In den Bereichen Luftverkehr, Telekommunikation, Energie und Finanzen sind
bereits seit einiger Zeit die jeweils zuständigen internationalen Organisationen
aktiv geworden; österreichische Betriebe sind in diesen Organisationen ver -
treten.