6330/AB XX.GP

 

Die Abgeordneten zum Nationalrat G. Moser, Freundinnen und Freunde haben am

13.7.1999 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 6591/J betreffend

„Bodennutzung, Landwirtschaft“ gerichtet. Ich beehre mich, diese wie folgt zu be -

antworten:

 

 

ad 1 und 2

 

BORIS ist ein am Umweltbundesamt entwickeltes und dort im Aufbau befindliches

rechnergestütztes Boden - Informationssystem, das Bodenqualitätsdaten aus dem

gesamten österreichischen Bundesgebiet zur Verfügung stellt. Primäres Ziel ist der

systematische Aufbau von jederzeit abrufbaren Informationen über Zustand, Bela -

stung und Belastbarkeit von Österreichs Böden. BORIS soll als fachlich fundiertes

Bewertungs - und Prognoseinstrument eine Basis für effektiven Bodenschutz in

Österreich bieten.

 

Die Datenbank beinhaltet Angaben zu Standorten, Bodenprofilen und Daten chemi -

scher, physikalischer und mikrobiologischer Untersuchungen. Bislang sind Daten

von über 30 Untersuchungen enthalten, beispielsweise Daten der Bodenzustandsin -

venturen (Stmk, OÖ, T, Bgld), der Schwermetalluntersuchungen in Wien, der Unter -

suchungen in Brixlegg, Linz, Arnoldstein und der österreichweiten Cäsiumerhebung.

 

Derzeit sind über 500.000 Einträge von über 5000 Standorten abrufbar, die unter

anderem die Bodenqualität punktweise beschreiben und standortbezogene Angaben

zur Landnutzung enthalten. Die Datenbanken enthalten die Punktdaten der Boden -

zustandsinventuren der meisten Bundesländer (NÖ, K, Sbg sind bisher noch nicht

integriert; diesbezügliche Gespräche werden bereits geführt) und Flächendaten in

einem Übersichtsmaßstab von 1: 750.000.

 

Um zukunftsweisende bodenschützende Aussagen hinsichtlich der Baulandnutzung

treffen zu können, sind zusätzlich Flächendaten notwendig. Dies kann nur durch eine

Erweiterung des Bodeninformationssystemes um detaillierte Flächendaten erfolgen.

Flächendaten liegen in Form der Bodenkartierung im Landwirtschaftsressort und in

Form der Bodenschätzungsdaten, die mit Grundstücksdaten des Bundesamtes für

Eich - und Vermessungswesen zu verknüpfen wären, im Finanzressort auf.

 

Eine Verknüpfung der Punkt - und Flächendaten in einem umfassenden Bodeninfor -

mationssystem erscheint notwendig; dieses sollte allen Beteiligten zur Verfügung

stehen. Auf Grund der positiven Erfahrungen mit BORIS erarbeitet das Umweltbun -

desamt in Kooperation mit anderen Ressorts ein diesbezügliches Konzept und ent -

sprechende Regelungen. Erste Pilotprojekte stehen unmittelbar vor der Umsetzung.

Somit könnte in Zukunft ein umfassendes Bodeninformationssystem zur Verfügung

stehen, das detaillierte Grundlagen für Flächenwidmungspläne und somit auch für

die Regulierung der Baulandnutzung bietet.

 

Bezüglich der bodenwirtschaftlichen und raumordnungspolitischen Konzepte darf ich

auf die Zuständigkeit der Länder sowie des Bundeskanzlers verweisen.

ad 3

 

Der Fungizidwirkstoffverbrauch in Österreich bewegt sich im Bereich von ca. 1600 t

pro Jahr. Jährliche Verbrauchsschwankungen ergeben sich auf Grund unterschiedli -

cher Witterungsbedingungen. Auch die Einführung neuer Fungizide und das „vom -

Markt - nehmen“ alter Wirkstoffe hat Verbrauchsschwankungen zur Folge. Eine Be -

sonderheit dieser Wirkstoffgruppe ist auch der hohe Anteil an anorganischen Wirk -

stoffen (Schwefel, Kupfer), die ebenfalls starken jährlichen Verbrauchsschwankun -

gen unterliegen.

 

Der 1996 gestiegene Fungizideinsatz lässt sich in erster Linie auf einen gegenüber

1995 höheren Einsatz von Schwefel (ca. 228.000 kg), Mancozeb (ca. 34.000 kg),

Dithianon (ca. 6.000 kg), Kupferoxysulfat (ca. 9.000 kg) und Captan (ca. 12.000 kg)

zurückführen. Allerdings ist zu beobachten, dass sich der Verbrauch dieser Wirk -

stoffe in den Folgejahren nicht mehr so stark verändert hat. Über mehrere Jahre be -

trachtet ist aber bei der Gesamtmenge an fungiziden Wirkstoffen eine seit 1996

leicht ansteigende Tendenz zu beobachten. Zwischenzeitlich ist der Fungizidver -

brauch im Jahr 1997 gegenüber 1996 um 9,2 t zurückgegangen.

 

ad 4

 

Gemäß § 25 Abs. 2 Pflanzenschutzmittelgesetz 1997 (BGBl. Nr. l 60/1997) sind vom

Zulassungsinhaber die Mengen der einzelnen Wirkstoffe der jährlich von ihnen im

Inland in Verkehr gebrachten und der jährlich von ihnen aus dem Inland verbrachten

Pflanzenschutzmittel (PSM) spätestens drei Monate nach Ablauf des Kalenderjahres

unverzüglich schriftlich zu melden.

 

Auf diesen Meldungen beruht die Mengenstatistik für PSM - Wirkstoffe des Bundes -

ministeriums für Land - und Forstwirtschaft (BMLF) bzw. des Bundesministeriums für

Umwelt, Jugend und Familie (BMUJF), die seit dem Jahre 1991 erstellt wird. Da

diese Meldungen vom Zulassungsinhaber für das gesamte Bundesgebiet und nur für

Wirkstoffe (nicht für die Präparate) erfolgen, lassen sich keine Aussagen über den

Verbrauch in den einzelnen Bundesländern machen.

 

ad 5

 

Das federführend zuständige Ressort für den Bereich der Pflanzenschutzmittel ist

das Bundesministerium für Land - und Forstwirtschaft. Das BMUJF erstellt aus den

vom BMLF übermittelten Kopien der Wirkstoffmengenmeldung eine Wirkstoffstatistik.

Da die Meldepflicht für Zulassungsinhaber erst mit dem Pflanzenschutzmittelgesetz

1990 (BGBl. Nr. 476/1990) eingeführt wurde, liegen die Daten erst seit 1991 vor.

Eine Auflistung nach Bundesländern ist auf Grund der zur Verfügung stehenden

Daten nicht möglich (siehe Punkt 4).

 

Für den Gesamtverbrauch an Pestiziden gibt es keine Daten, da in Österreich eine

Meldepflicht nur für Pflanzenschutzmittel - Wirkstoffe besteht. Pestizide schließen je -

doch auch nicht für den Bereich der Landwirtschaft anzuwendende Produkte der

Schädlingsbekämpfung, wie Biozide, ein. Welche Mengen an Pestiziden bei allen

Anwendungen in die Umwelt gelangen, lässt sich daher nicht abschätzen.

 

Zu betonen ist, dass die tatsächlich abgesetzte Präparatemenge (Wirkstoffe + Hilfs -

stoffe) ca. um den Faktor 3 größer als die Wirkstoffmenge ist.

 

Menge der Wirkstoffe in Tonnen 1991-1997 (Quelle: BMLF)

Grafik konnte nicht gescannt werden

 

 

Die PSM - Wirkstoffmengen liegen seit 1994 bei etwa durchschnittlich 3.500 t pro

Jahr. Herbizide (1997: 1.600 t) und Fungizide (1997: 1.688 t) sind die dominierenden

Wirkstoffgruppen in Österreich. Mineral -/Paraffinöle (1997: 293 t), Insektizide

(1997: 96 t) und Wachstumsregulatoren (1997:10 t) sind mengenmäßig von geringe -

rer Bedeutung.

 

Bis zum Jahr 1991 lag der Wirkstoffverbrauch in Österreich im Bereich von 4.500 t

pro Jahr. Ab 1992 blieb der Verbrauch konstant unter 4000 t. Hauptgrund des Ver -

brauchsrückgangs war das „neue Pflanzenschutzmittelgesetz“ (BGBl. Nr. 476/1990)

mit verschärften Zulassungsbedingungen. Dies führte zu einem Rückgang an zuge -

lassenen PSM von 1.910 (1990) auf 628 (1997). In diesen 628 PSM sind ca. 250

unterschiedliche Wirkstoffe enthalten.

 

Durch die Anpassung des Pflanzenschutzmittelgesetzes 1990 an das EU - Recht

(Richtlinie 91/414/EWG) wird die Zahl der zugelassenen PSM wieder steigen. Ob

dies zwangsläufig zu einem Anstieg des PSM - Verbrauchs in Österreich führt, ist der -

zeit nicht abzuschätzen, kann aber vermutet werden.

Eine weitere quantitative Einschränkung des Pestizideinsatzes in Österreich ist bei

Durchführung entsprechender Maßnahmen (siehe 5. Umweltkontrollbericht, Kapitel

5.2.3.3, Seite 342) durchaus möglich und auch durchführbar.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich festhalten, dass die Gesamtmenge an Wirk -

stoffen nur bedingt Auskunft über die Umweltrelevanz der PSM Anwendung gibt, da

die einzelnen Wirkstoffe sehr unterschiedliches Verhalten hinsichtlich ihres Verblei -

bes und Verhaltens in der Umwelt und ihrer ökotoxikologischen Eigenschaften zei -

gen.