3666/J XX.GP

 

der Abgeordneten Gredler, Schaffenrath, Partnerinnen und Partner

an den Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten

betreffend follow - up der Weltbevölkerungskonferenz 1994

Die Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD), die im

September 1994 in Kairo stattfand, beschäftigte sich mit vielen der dringendsten

Fragen der Bevölkerungsentwicklung auf der Welt (Wirtschaftswachstum,

nachhaltige Entwicklung, Migration, vor allem aber Familienplanung, Bildungs- und

Gesundheitsfragen) und verabschiedete einen relativ ambitionierten Aktionsplan

(programme of action), den die damalige Generalsekretärin der Konferenz, Nafis

Sadik, als „sehr, sehr stark“ und einen „historischen Wendepunkt“ (STANDARD,

14.9.1994) bezeichnete.

Monsterkonferenzen wie diese oder ähnliche in den Folgejahren (Sozialgipfel,

Weltfrauenkonferenz) sind allerdings heute immer öfter scharfer Kritik ausgesetzt, da

die Gefahr besteht, daß die Ergebnisse nur auf dem Papier stehen und

gewissermaßen „außer Spesen nichts gewesen“ ist.

Da bei der ICPD auf Seiten Österreichs eine sehr ambitionierte Delegation

verhandelt hat, die in den strittigen Fragen (Frauenrechte, reproduktive Gesundheit)

liberale Standpunkte vertrat, sollte es im Interesse des Landes liegen, daß die

erreichten Inhalte auch effizient umgesetzt werden. Nach knapp dreieinhalb Jahren

ist es daher an der Zeit, Zwischenbilanz bezüglich des Aktionsprogramms der ICPD

1994 zu ziehen.

Daher richten die unterzeichneten Abgeordneten folgende

ANFRAGE

an den Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten:

1 Welche Bereiche des Aktionsprogramms der ICPD sind bereits weitgehend

umgesetzt?

2. In welchen Bereichen (bzw. in welchen Staaten) bestehen bei der Umsetzung

Probleme?

3. In welcher Weise betreiben Sie die Umsetzung der „Prinzipien“ (Kapitel 2) des

Aktionsprogramms, speziell die Prinzipien 1 ‚ 4 („Empowerment of women“) und 8

(Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, auch in Fragen der „reproduktiven“

Gesundheit)?

4. Wie unterstützen Sie die Umsetzung des Kapitel 3, das sich mit dem

Zusammenhang zwischen mangelnder Bildung bzw. Gesundheitsvorsorge

(besonders von Frauen) und dem Bevölkerungswachstum beschäftigt?

5. In welcher Weise setzen Sie sich für das Anliegen von Kapitel 4, alle

Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu beseitigen und vor allem die

Diskriminierung von Mädchen zu bekämpfen bzw. deren Rechte zu verwirklichen,

ein?

6 Wie erfolgt die Umsetzung von Kapitel 5, der Schutz der Familie und ihrer

individuellen Mitglieder, vor allem des Passus‘, der sich gegen eine zu enge

Interpretation der Verteilung von Arbeit zwischen Familienmitgliedern richtet und

für gleiche Chancen eintritt?

7. In welcher Form wird das Anliegen von Kapitel 6, die hohe Sterblichkeitsrate von

Kindern und gebärenden Frauen zu reduzieren, umgesetzt?

8. Welche Schritte unternehmen Sie, um der besonders heiklen und bei der

Konferenz umstrittenen Fragen der individuell freien Wahl einer sicheren und

erschwinglichen Methode der Familienplanung für Frauen und Männer sowie der

„sexuellen und reproduktiven“ Rechte (einschließlich der freien Entscheidung über

die Anzahl der Kinder) zum Durchbruch zu verhelfen (Kapitel 7)?

9. Wie wird das Ziel von Kapitel 8 umgesetzt, Kindersterblichkeit bis zum Jahr 2000

um ein Drittel zu senken und auch die Anzahl von unsicheren Abtreibungen zu

vermindern, was den Zugang zu legalen Abtreibungsmöglichkeiten auch in

Ländern, die dies bisher nicht vorgesehen hatten, bedeutet?

10.Wie unterstützen Sie das Anliegen von Kapitel 9, die Schaffung kleiner und

mittelgroßer „urbaner Zentren“ sowie die Lösung der Frage der ,,displaced

persons“?

11. Was tun Sie, um die Hauptursache der internationalen Migration, die Beseitigung

der Armut, zu erreichen sowie gleichzeitig dem in Kapitel 10 eindeutig postulierten

Recht auf Familienzusammenführung (speziell bei uns in Österreich mit seinem in

dieser Frage restriktiven Fremdengesetz) - auch in den EU-Ländern - zum

Durchbruch zu verhelfen?

12.Welche Schritte werden unternommen, um Bildung und Ausbildung auf allen

Ebenen in den Entwicklungsländern anzuheben sowie Analphabetismus bis 2015

zum Verschwinden zu bringen (Kapitel 11)?

13.Was unternehmen Sie, um Forschung und Datenerhebung in allen von der ICPD

erfaßten Themenbereichen zu verbessern, speziell in den in Kapitel 12

angesprochenen Bereichen Fruchtbarkeitsregulierung und Verhütungsmittel?

14.Was unternehmen Sie bzw. haben Sie bisher unternommen, um die Finanzierung

des Aktionsprogramms sicherzustellen, vor allem um die zwei Drittel der

geschätzten Kosten (siehe Kapitel 13), die auf nationaler Ebene aufzubringen

sind, zur Verfügung zustellen?

15.Was unternehmen Sie, damit sich Österreich langsam doch den in Kapitel 14

neuerlich postulierten 0,7 % des BNP für Entwicklungszusammenarbeit nähert,

anstatt - wie in den letzten Jahren passiert - sogar neuerlich von 0,33 auf 0,24 %

abzusacken?

16.Um wieviel Prozent sollen letztlich die ,,bevölkerungsrelevanten‘ Beiträge der

Entwicklungshilfe-Geberländer erhöht werden?

17Wie stellen Sie sicher, daß - wie bei der ICPD gefordert - wenigstens ein Drittel

der Beträge im ,,bevölkerungsrelevanten"‘ Bereich aus den Geberländern kommt?

18.lnwieweit wurde das im Resumeprotokoll zur ICPD vom 239.1994 ausgedrückte

Vorhaben, in Österreich zu einer neuen Prioritätensetzung im Bereich der

Bevölkerungspolitik zu gelangen und vor allem die Ausgaben für UNFPA zu

erhöhen, bisher umgesetzt?

19.Werden Sie den Nationalrat, im speziellen den zuständigen Unterausschuß des

Nationalrates mit den hier aufgeworfenen Fragen befassen? Wenn ja, in welchem

Zeitrahmen? Wenn nein, warum nicht?