3862/J XX.GP

 

Anfrage

der Abg. Dr. Povysil, Haller, Apfelbeck

an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales

betreffend Herzkrankheiten - häufigste Todesursache

„Herzinfarkt - häufigste Todesursache": unter diesem Titel

brachten FPÖ - Bundesräte am 20.11.1997 eine schriftliche Anfrage

an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales ein

Unter Hinweis auf die im Vergleich zur EU deutlich höheren

Mortalität an Herzkrankheiten in Österreich einerseits

und - in Ermangelung einer diesbezüglichen Begründung im

Gesundheitsbericht 1997 dieses Ressorts - auf eine in den USA

vorgestellte Studie, wonach Frauen mit Herzproblemen im Kranken -

haus weniger gründlich untersucht werden und nicht jene Therapien

erhalten, die bei Männern zum Standard gehören, fragten die

Bundesräte nach der genauen Situation und den Ursachen für

diesen Mißstand in Österreich.

Die Beantwortung durch die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit

und Soziales steckte voller Widersprüche (1240/AB - BR/98 zu 1344/J -

BR/97):

Es wird zugegeben, daß laut internationalen Studien bei Frauen

sowohl die Thrombolyse als auch die Ballondilatation und

Bypassoperation deutlich seltener durchgeführt werden als bei

Männern. Dies bestätigt auch eine vierjährige Studie des

Ludwig - Boltzmann - Instituts für Herzinfarktforschung, die an

1008 Patienten des KH Lainz (Kardiologische Abteilung, durchge -

führt wurde. Davon waren 68 % Männer, der Frauenanteil betrug

nur 32 %. Dieses Prozentverhältnis machte aber weder die

Boltzmann - Forscher noch die Ressortbeamten stutzig, obwohl in

der Bevölkerung dieser Altersgruppe der Frauenanteil bei über

60 % liegt und Frauen häufiger als Männer an Herzkrankheiten

sterben (Männer: 64,4 Jahre, Frauen 70,9 Jahre durchschn. Alter)

Im Gegenteil: der weitere Inhalt der Anfragebeantwortung besteht

lediglich aus Fehlinterpretationen und Ausflüchten. Textproben:

„Für die Bypassoperation wird angeführt, daß Frauen zumeist

kleinere Herzkranzgefäße aufweisen als Männer und daher häufiger

technisch nicht operiert werden können“(obwohl operative Ein -

griffe im mikroskopischen Bereich mehr und mehr zur Routine werden

„außerdem sprechen Erfahrungsberichte davon, daß das Ergebnis

einer Bypassoperation bei Frauen schlechter als bei Männern ist“,

aber: „Es gibt keinen Hinweis, daß Frauen mit Herz - Kreislauf -

Erkrankungen nicht mit gleicher Sorgfalt behandelt werden.“

Dieses getrübte Wahrnehmungs - und Interpretationsvermögen von

ziemlich klar vorhandenen Sachverhalten geht mit Antwortver -

weigerung auf Fragen nach Anzahl der herzkrankheitsbedingten

Spitalseinlieferungen, Wartezeiten, Untersuchungsdauer und

Behandlungsart, aufgesplittet nach Männern und Frauen, einher.

Die Nichtbeantwortung dieser wichtigen Fragen wird mit

Datenmangel begründet, obwohl sich das BMAGS mit dem

Bundesgesetz über die Dokumentation im Gesundheitswesen

vom Gesetzgeber die Legalisierung eines seit Jahren sehr

breit angelegten Datenflusses absegnen ließ.

Die nunmehr vorgestellte Studie der Kardiologin M. Hochleitner

belegt nun eindeutig die Richtigkeit der Befürchtungen der

FPÖ-Bundesräte: Herzinfarkt gilt als Männerdomäne, daher werden

Männer besser versorgt. 65 % der Männer, aber nur 35 % der Frauen

werden nach einem Infarkt im Krankenhaus aufgenommen.

Die Akut - Infarkt - Sterblichkeit beträgt bei Frauen 28 %, bei

Männern nur 18 %, innerhalb eines Jahres sterben 43 % der

Patientinnen gegenüber 28 % der Patienten. Nur 13 % der Frauen

erhalten gegenüber 87 % der Männer nach einem Infarkt eine

Rehabilitation.

Diese fatale Benachteiligung von Frauen durch das österreichische

Gesundheitswesen sollte auch von der Bundesministerin für Arbeit,

Gesundheit und Soziales nicht länger durch Verschweigen über-

gangen werden.

Daher richten die unterzeichneten Abgeordneten an die Frau

Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales die

nachstehende

Anfrage:

1. Halten Sie die Behauptung in Ihrer Anfragebeantwortung

1240/AB - BR/98,“es gibt keinen Hinweis, daß Frauen mit

Herz - Kreislauf - Erkrankungen nicht mit gleicher Sorgfalt

behandelt werden“ auch nach Veröffentlichung der Studie

von M. Hochleitner aufrecht, obwohl Sie schon aus der

Boltzmann - Studie erkennen hätten können, daß Sie hier

einer Fehlinterpretation unterliegen ?

2. Halten Sie Ihre Behauptung „daß Frauen zumeist kleinere

Herzkranzgefäße aufweisen als Männer und daher häufig

technisch nicht operiert werden können“, angesichts des

Fortschritts in der Medizin weiter aufrecht ?

3. Wenn ja: wie erklären Sie sich dann die medizinische Durch -

führbarkeit von Herzoperationen an Babys, die ja noch viel

kleinere Gefäße aufweisen als Frauen ?

4. Werten Sie Ihre Feststellung, daß laut Erfahrungsberichten

„das Ergebnis einer Bypassoperation bei Frauen schlechter

als bei Männern ist“ so wie bisher als Faktum, das fatalistisch

hinzunehmen ist oder doch im Lichte der neuen Studie - als

Hinweis auf geringere Aufmerksamkeit weiblichen Patienten

gegenüber?

5. Ist Ihrem Ressort nicht aufgefallen, daß schon die

Boltzmann - Studie (1992-1996) feststellt, daß von 1008

in das KH Lainz eingelieferten Herzpatienten 68 % Männer

und nur 32 % Frauen sind, somit schon damals ein wichtiger

Hinweis auf die schlechtere gesundheitliche Betreuung von

Herzinfarktpatientinnen vorlag ?

6. Wieso ist Ihr Ressort trotz hoher Beamtenzahl und eines

breiten Datenflusses aus allen Institutionen des Gesund -

heitswesens nicht in der Lage gewesen, Fragen von FPÖ -

Bundesräten nach Anzahl der herzkrankheitsbedingten

Spitalseinlieferungen, Wartezeiten, untersuchungsdauer

und Behandlungsart, aufgesplittet nach Männern und Frauen,

zu beantworten ?

Da Ihnen und Ihrem Ressort nunmehr eine Innsbrucker Kardiologin

diese mühsame Arbeit in überzeugender Weise abgenommen und im

Detail dargestellt hat, worin die Benachteiligungen von Herz -

infarktpatientinnen gegenüber ihren männlichen Leidensgenossen

bestehen

7. Welche Maßnahmen werden Sie angesichts der Sachlage, daß

zwar 65 % der Männer, aber nur 35 % der Frauen nach einem

Herzinfarkt ins Spital aufgenommen werden, unternehmen,

damit die Aufnahmerate der Frauen verbessert wird ?

8. Teilen Sie die Interpretation von M. Hochleitner, wonach

die geringere Aufnahmerate auf das verringerte Bewußtsein

des Infarktrisikos bei Frauen zurückzuführen ist ?

9. Wenn nein: welche sonstigen Ursachen für die geringere

Aufnahmerate gilt es zu überprüfen ?

10. Welche Maßnahmen werden Sie angesichts der Sachlage, daß

die Akut - Infarkt - Sterblichkeit bei Männern 18 %, bei Frauen

aber 28 % beträgt, ergreifen, um die Frauensterblichkeit

zu senken ?

11. Welche Maßnahmen werden sie angesichts der Sachlage, daß

innerhalb eines Jahres 28 % der Patienten, aber 43 % der

Patientinnen an einem Herzinfarkt sterben, ergreifen, um

die Frauensterblichkeit zu senken ?

12. Worauf führen Sie es zurück, daß zwar 87 % der Männer, aber

nur 13 % der Frauen nach einem Infarkt eine Rehabilitation

erhalten ?

13. Was werden Sie angesichts dieser eklatanten Ungleichbehand -

lung unternehmen, um Herzinfarktpatientinnen Rehabilitations -

maßnahmen im gleichen Umfang und in der gleichen Qualität

angedeihen zu lassen ?

14. Da der Herzinfarkt bei Frauen durchschnittlich einige Jahre

später auftritt als bei Männern:

Was werden Sie angesichts der zutagetretenden doppelten

Diskriminierung (als Frau und als älterer Mensch) unternehmen

um Herzinfarktpatientinnen in jedem Fall eine ebenso sorg -

fältige Untersuchung und Behandlung wie Infarktpatienten

angedeihen zu lassen ?

15. Welche Ausgaben entstanden jeweils in den Jahren

1995, 1996 und 1997 laut Unterlagen des Hauptverbandes

der österreichischen Sozialversicherungsträger infolge

a) der Untersuchung,

b) der Behandlung,

c) der Rehabilitation

von Herzinfarktpatienten,

aufgeschlüsselt nach Männern und Frauen ?