4316/J XX.GP
Anfrage
des Abgeordneten Thomas Barmüller und Volker Kier
und weiterer Abgeordnete
an den Bundesminister für Inneres
betreffend Erkenntnisse über nachrichtendienstliche Aktivitäten der National Security
Agency in Europa
Am 6. Jänner 1998 wurde vom Scientific and Technological Options Assessment
(STQA) der Generaldirektion für Forschung des Europäischen Parlaments unter der
Nummer PE 166 499 vorerst als Arbeitsbericht mit dem Titel “An Appraisal of
Technologies of Political Control” zur Stellungnahme herausgegeben. Im Kapitel 4
über die Entwicklung im Bereich der Überwachungstechnologie wird berichtet, daß der
US - amerikanische Nachrichtendienst National Security Agency (NSA) in Europa
routinemäßig und systematisch Emails, Telefon - und Faxverbindungen abhört. Neben
dem Auftrag Regierungseinrichtungen der USA vor Überwachung und unzulässigem
Zugriff auf Daten zu schützen, wurde die NSA geschaffen ihrerseits Aufklärung im
Bereich der außeramerikanischen Datenübertragung zu betreiben. Unter der
Bezeichnung ECHELON wurde von fünf Nachrichtendiensten der UKUSA
Vertragsstaaten USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland ein “All
Sources Analyses System” eingerichtet, das große Mengen an vor allem via Satelliten
laufender Kommunikation abfängt und mit Hilfe von Suchprogrammen filtert. Laut
STOA - Bericht sei das ECHELON - System vorrangig auf nicht - militärische Ziele, wie
Regierungseinrichtungen, Organisationen und Unternehmen in fast jedem Land
ausgerichtet.
Mit der Empfehlung (ix) des STOA - Berichts wird dem Europäischen Parlament
vorgeschlagen untersuchen zu lassen, welche rechtlichen und politischen Probleme
sich aus dem Zugang der NSA zu europäischen Telekommunikationsverbindungen
ergeben. In diesem Zusammenhang wird angeregt zu untersuchen, welche
Auswirkungen diese Überwachung einerseits auf den verfassungsmäßig garantierten
Datenschutz Einzelner und von Organisationen und andererseits auf die politische,
kulturelle und ökonomische Autonomie der europäischen Mitgliedstaaten hat.
Da weder ein dem Bericht der STOA entsprechendes Eindringen in die Privatsphäre
einzelner Personen noch ein derartiger Eingriff in die staatliche Autonomität toleriert
werden kann, richten die unterzeichneten Abgeordneten an den Bundesminister für
Inneres die folgende schriftliche
Anfrage:
1 Über welche Erkenntnisse verfügen Sie hinsichtlich des im Bericht der STOA
beschrieben Überwachungssystems der National Security Agency?
2. Wie erklären Sie die im Wirtschaftsblatt vom 24. Jänner 1998 im Artikel “USA
betreibt weltweite Wirtschaftspionage” zitierte und im Zusammenhang mit dem
ECHELON - System der NSA stehende Aussage Ihres Kabinetts “Wir können nichts
dagegen
tun”?
3. Seit wann laufen die vom Generaldirektor für öffentliche Sicherheit in der Zeitung
NEWS vom 9. April 1998 beschriebenen Untersuchungen, die klären sollen, ob
österreichische Einrichtungen tatsächlich das Ziel solcher Abhöraktionen waren
oder sind und wann ist mit diesbezüglichen Ergebnisse zu rechnen?
4. Ist die Aussage des Generaldirektors für öffentliche Sicherheit im März 1998, daß
ihm das im STOA - Bericht vom Jänner 1998 beschriebene Überwachungssystem
der NSA nicht bekannt sei, angesichts der intensiven Beratungen über die
Überwachung des Telekommunikationsverkehrs auf EU - Ebene glaubhaft? Wenn ja,
heißt das, daß ECHELON niemals Gesprächsthema in diesen Beratungen auf
Ebene der Europäischen Union war?
5. Welche rechtlichen und politischen Konsequenzen ziehen Sie aus dem
Arbeitsbericht des Scientific and Technological Options Assessment der
Generaldirektion für Forschung des Europäischen Parlaments?
6. Welche Auswirkungen hat Ihrer Ansicht nach ein dem STOA - Bericht
entsprechender Zugang der National Security Agency zu europäischen
Telekommunikationsverbindungen auf die politische, kulturelle und ökonomische
Autonomie, sowie die nationale Sicherheit Österreichs?
7. Welche politischen, rechtlichen, technischen und organisatorischen Konsequenzen
haben Sie aus dem Bericht des STOA und anderen Erkenntnissen bezüglich
nachrichtendienstlicher Aktivitäten der National Security Agency in Europa auf Basis
des ECHELON - Systems gezogen?
8. Welche konkreten technischen und organisatorischen Maßnahmen wurden in Ihrem
Ressort gesetzt, um einen Zugang der National Security Agency zu
Telekommunikationsverbindungen zu unterbinden?
9. Inwiefern wurden andere Regierungs - und Verwaltungseinrichtungen,
Interessensvertretungen und Unternehmen vom Bundesministerium für Inneres
über die Möglichkeit einer routinemäßig und systematisch Überwachung von
Emails, Telefon - und Faxverbindungen informiert?
1O.Welcher wirtschaftliche Schaden kann von einem derartigen Zugang der National
Security Agency zu europäischen Telekommunikationsverbindungen für Menschen,
Unternehmen und die Verwaltung in Österreich ausgehen?