4384/J XX.GP
des Abgeordneten Wabl, Freundinnen und Freunde
an den Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten
betreffend Rüstungaufträge für die US - Rüstungsindustrie durch die Nato - Osterweiterung
Am 1. Mai berichtete die Agence France Press (übersetzt in APA 195 vom 1.05.98) in einer
Hintergrundanalyse zur Osterweiterung der Nato:
„Nicht zu verachten sind auch die Aufträge, die sich die US - Rüstungsindustrie von der
Modernisierung der drei Beitrittsländer verspricht. Bis zu 35 Milliarden Dollar (442
Mrd. Schilllng) hoffen Unternehmen wie Lockheed Martin oder Boeing zu vedienen,
deren Kunden wegen der Kürzungen im US - Verteidigungshaushalt und der Asienkrise
weniger solvent sind als gewohnt. „Eine erweiterte Nato würde US - Rüstungsfirmen
einen spürbaren Aufschwung bringen“, sagt Jon Kutler von der Kalofornischen
Investmentfima Quarterdeck Investment Partners. „Dies ist ein regelrechter Marshall -
Plan für Waffenhändler“, kritisiert William Hartung vom World Policy Institute in
New York.“
Dieser neue „Hoffnungsmarkt“ für die Rüstungskonzerne der USA macht (lt. Military
Balance, IISS, London 1997) rund ein Zehntel des gesamten Weltmarktumsatzes im
Waffenhandel aus. Die gewünschten Milliarden werden in erster Linie von den drei
Neumitgliedern Ungan, Polen und Tschechische Republik selbst aufgebracht werden
müssen. Negative Auswirkungen auf den sozialen Frieden dort selbst sind zu befürchten.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE:
1. Angesichts der aktuellen Debatte über einen Nato - Beitritt Österreichs, dringt sich die
Frage auf, in welcher Höhe die Erwartungen der US - Rüstungsindustrie für den Fall
eines österreichischen Nato - Beitrittes liegen, und ob Ihnen darüber Berechnungen
bekannt sind?
2. Existieren in Ihrem Ressort Aufzeichnungen über conti seperati für die zukünftige
Durchführung von Kompensationsgeschäften im Zuge weiterer Rüstungsaufträge an
Konzerne aus Nato - Mitgliedsstaaten? Wenn ja: Mit welchen Firmen und auf welche
Höhe belaufen sich diese Konten bereits?
3. Im Hinblick auf einen österreichischen Nato - Beitritt betonten einige Senatoren, daß
dieser besonders begrüßt werde, weil er für die USA kostenneutral sein wird. Wie
wird sich diese Tatsache, nach Kenntnisstand Ihres Ressorts, für etwaige
Beitrittskosten Österreichs auswirken?