4394/J XX.GP

 

der Abgeordneten Dr. Keppelmüller

und Genossen

an den Bundesminister für Umwelt, Jugend und Familie

betreffend ökologische Indikationen für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Die Anreicherung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit ökologischen Indikatoren

ist ein langjähriges Anliegen der Umweltpolitik. Im Parlament wurde in den letzten zehn

Jahren wiederholt darüber diskutiert und der zuletzt im Umweltausschuß behandelte

Zwischenbericht zeigt auch erhebliche Fortschritte im Bereich der österreichischen

statistischen Einarbeitung. Immerhin ist es in Zukunft möglich, z.B. das Wachstum einzelner

Branchen mit den jeweiligen Emissionsauswirkungen zu korrelieren.

Das eigentliche Anliegen zu einem neuen Maßstab für den Wohlstand einer Volkswirtschaft

und deren Fortentwicklung unter Berücksichtigung von Lebensqualitätsindikatoren zu

kommen, konnte bis jetzt allerdings noch nicht erreicht werden.

Die britische Regierung hat in den letzten Wochen einige Anstrengungen hierzu

unternommen. Nach einer Aussage von Toni Blair will Großbritannien der erste Staat sein,

der tatsächlich den Zustand der Umwelt in einigen wenigen möglichst aussagekräftigen

ökologischen Zahlen beschreiben und gleichzeitig die Bruttoinlandsproduktentwicklung

entsprechend korrigieren möchte. So soll z.B. ein Summenindikator für die Entwicklung der

Luftverschmutzung, der Wasserverschmutzung, Bodenschutz, Klimaentwicklung, aber auch

schwieriger zu fassende Bereiche wie den Naturschutz unter Mitarbeit führender

Wissenschaftler in kurzer Zeit geschaffen werden. Gemeinsam mit der Entwicklung von

Sozialdaten sollen diese Umweltindikatoren zur Berechnung einer korrigierten

Inlandsproduktes als Wohlfahrtsindikator verwendet werden.

Im Rahmen der OFCD werden zwei mal jährlich bereits 33 Umweltindikatoren ermittelt und

fortgeschrieben, wodurch bereits für 23 Mitgliedsstaaten in Westeuropa, Nordamerika und

Asien die Umweltentwicklung repräsentativ verfolgt werden kann.

Die unterzeichneten Abgeordneten richten daher an den Bundesminister für Umwelt, Jugend

und Familie nachstehende

Anfrage:

1. Sind Sie über die kritischen Arbeiten zur Fortentwicklung des Bruttoinlandsprodukts

und über die Fortentwicklung ökologischer Indikatoren im Rahmen der OECD

informiert und welche Rolle spielt Österreich dabei?

2. Ist es nicht sinnvoll auch in Österreich zu versuchen, auch für Österreich ein korrigiertes

Inlandsprodukt unter Berücksichtigung ökologischer Indikatoren zu errechnen und

damit eine entsprechende Wohlfahrtsentwicklung abzubilden?

Ist dies nicht gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Beitrittsverhandlungen mit den

osteuropäischen Ländern zweckmäßig, wo wir eine dauerhafte Anhebung der Umwelt -

und Sozialstandards anstreben?