4550/J XX.GP

 

ANFRAGE

der Abgeordneten Petrovic, Freundinnen und Freunde

an den Bundeskanzler

betreffend “radikalen Kurswechsel in der Kulturpolitik”

Am 18. Juni 1998, also ziemlich genau vor einem Jahr, hat Staatssekretär Peter Wittmann

in einem Interview mit der Tageszeitung “Der Standard" einen “radikalen Kurswechsel in

der Kulturpolitik” (Standard, 18. Juni 1998) angekündigt. Wittmann kündigte ein

Nachdenken über die "ausrufenden Kleinst -  und Kleinförderungen” an, denn man habe

versucht, “mit der Gießkanne alle zu befriedigen”, was nicht mehr gehe. “Es kann nicht

weiter so sein, daß wir jeden Künstler subventionieren, damit er ruhig bleibt”,

argumentierte er gegenüber der “Kleinen Zeitung”. Weiters sprach Wittmann davon, daß

das Langzeitziel sei, “fünf bis sechs Stiftungen einzurichten, die eigenverantwortlich über

die Mittel verfügen”, womit sich die "Staatskünstler - Problematik wie auch die Frage der

Abhängigkeit” erübrigen werde.

Der Analyse des Kunststaatssekretärs betreffend die “ausufernden Kleinst - und

Kleinförderungen” stehen aber jene Zahlen entgegen, die im Kunstbericht 1996

veröffentlicht wurden. Demnach machen die Förderungen über 500.000,- Schilling 66,8

Prozent (755,9 Mio.) des gesamten Kunstbudgets aus, die noch dazu Förderungen für

Jahrestätigkeiten sind. Nur rund ein Viertel, so der Kunstbericht, stehe für Projekt - und

Personenförderung zur Verfügung. Förderungen bis 80.000 Schilling, womit vermutlich die

von Wittmann angesprochenen “Kleinst  - und Kleinförderungen” gemeint sind, machen 6,6

Prozent des Kunstbudgets aus, “rein personenbezogene Förderungen und Stipendien machen

nur rund 5,2 % des Kunstbudgets aus”, schließt der Kunstbericht (Kunstbericht 1996, S 39).

Obwohl das angesprochene Interview des Staatssekretärs eine längere Debatte über die

Kulturpolitik auslöste, war zu diesen konkret angesprochenen Themen von dessen Seite

seither nichts mehr zu hören. Nachdem aber seit den Ankündigungen von Staatssekretär

Peter Wittmann inzwischen ein Jahr vergangen ist, wäre zu erwarten, daß es zumindest

erste Ergebnisse des Nachdenkprozesses in der Kunstsektion gibt.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE:

1) Zu welchem Ergebnis ist das “Nachdenken über die ausufernden Kleinst - und

Kleinförderungen" inzwischen gekommen? Gibt es dazu konkrete Überlegungen

seitens des Kunstministeriums?

2) Was versteht der Kunststaatssekretär unter “ausufernden Kleinst - und Kleinförderungen"

im Lichte der im Kunstbericht angeführten Zahlen?

3) Wie verträgt sich die Aussage “daß wir jeden Künstler subventionieren, damit er ruhig

bleibt” mit den Fakten im Kunstbericht? Wird tatsächlich jeder Künstler

subventioniert?

4) Hält der Bundeskanzler weiterhin am “Langzeitziel” fest, “fünf bis sechs Stiftungen

einzurichten, die eigenverantwortlich über die Mittel verfügen”?

5) Wenn ja: Gibt es dazu schon konkrete Vorarbeiten? Mit welchen Ergebnissen?

6) Wenn nein: Welche Maßnahmen werden zur Beseitigung der “‚Staatskünstler - Problematik

wie auch der Frage der Abhängigkeit” getroffen?