4715/J XX.GP
der Abgeordneten Haidlmayr, Petrovic, Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit & Soziales
betreffend mangelnde psychologische Beratung bei In - Vitro - Fertilisation
In - Vitro - Fertilisation ist eine Methode der Reproduktionsmedizin, die psychisch als sehr
belastend erlebt wird. Die verschiedenen Stufen im Behandlungsprogramm geben
abwechselnd Anlaß zu Hoffnung und Enttäuschung. Diese gefühlsmäßigen Wechselbäder
schlagen sich vor allem bei den beteiligten Frauen in Symptome wie Angst, Anspannung,
Streß und Depression nieder.
Das Warten auf die Follikelreifung wird von 60 Prozent der Frauen, das Warten auf die
Befruchtung von 80 Prozent und das Eintreten der Menstruation von 90 Prozent als ziemlich
belastend erlebt. Ganz zu schweigen von den physischen Belastungen durch
Hormonbehandlungen, Eientnahme und Embryotransfer.
Eine ständige psychologische Betreuung während der Dauer der Behandlung wäre hier
dringend notwendig, vor allem, damit die Patientinnen mit einer erfolglosen IVF fertig
werden.
Bevor sich ein Paar zu einer belastenden, teuren und in nur 30 % der Fälle erfolgreichen
Methode entschließt, wäre eine adäquate Kinderwunschberatung in einer
Familienberatungsstelle sinnvoll. Hier soll der Kinderwunsch des betroffenen Paares
gemeinsam analysiert werden. Die Elternschaft soll dabei unter psychosozialen
Gesichtspunkten gesehen werden und die Motive für den Kinderwunsch besprochen werden.
Oft liegt der Kinderlosigkeit eine psychische Störung zugrunde, die mit einer
Psychotherapie aufgearbeitet werden kann.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE:
1) Werden Sie eine Gesetzesänderung in die Wege leiten, wonach vor Inanspruchnahme
einer In - Vitro - Fertilitsation eine unabhängige Kinderwunschberatung in einer
Familienberatungsstelle stattfinden muß?
Wenn nein, warum nicht?
2) Wie ist derzeit sichergestellt, daß Paare, die sich für eine In - Vitro - Fertilisation
entscheiden, über die geringen Erfolgsaussichten und über die hohe psychische
Belastung dieser Methode sowie über die Möglichkeit, ein Kind zu adoptieren,
aufgeklärt
werden?
3) Werden Sie eine Gesetzesänderung herbeiführen, wonach während der gesamten
Dauer einer IVF - Behandlung eine psychologische Betreuung erfolgen muß?
Wenn nein, warum nicht?
4) Wie wollen Sie sicherstellen, daß Paare mit unerfülltem Kinderwunsch über die
Möglichkeiten der Inanspruchnahme einer Psychotherapie informiert werden?
5) Es gibt auffällig wenig Arbeiten über die Entwicklung von Laborbabys und noch
weniger über das Leben der Paare, die ohne Kind - also erfolglos - die Klinik
verlassen haben. Was werden Sie unternehmen, daß in diesem Bereich mehr
Ursachenforschung betrieben wird?
6) Wie stehen Sie zu der Forderung einer Kostenübernahme der In - Vitro - Fertilisation
(die ersten 4 Behandlungen) durch die Krankenkasse?