4863/J XX.GP

 

der Abgeordneten Mag. Firlinger, Dipl. - Ing. Prinzhorn und Kollegen

an den Bundesminister für Finanzen

 

betreffend Risken aus Umschuldungen durch Kreditgewährung an

osteuropäische Staaten sowie übernommenen Haftungen des Bundes für

Ostgeschäfte.

 

Angesichts der Tatsache der Ausweitung der Finanzkrise in Asien auf Rußland,

verbundenen mit einem möglichen Übergreifen auch auf andere osteuropäische

Staaten ist zu befürchten, daß durch das Erfordernis neuer Umschuldungen

sowie durch eingegangene Haftungen der OeKB die Republik Österreich direkt

oder indirekt mit zusätzlichen jährlichen Kosten in Milliardenhöhe belastet

werden könnte.

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

 

                                               Anfrage

 

1. Wie groß ist Ihrer Meinung nach das Risiko, daß Rußland sowie andere

osteuropäische Staaten ihre laufenden Verbindlichkeiten nicht plangemäß

begleichen werden, bzw. sind Ihnen aus der jüngeren Vergangenheit bereits

Fälle bekannt, in denen Rußland oder andere osteuropäische Staaten ihre

Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern nicht erfüllen konnten?

 

2. Wie wahrscheinlich ist aus Ihrer Sicht die Notwendigkeit einer neuerlichen

Umschuldung mit Rußland oder anderen osteuropäischen Staaten, und

welche mögliche Kosten erwarten Sie für einen derartigen Fall?

 

3. Welche Maßnahmen wurden Ihrerseits getroffen, um für den Fall einer

Aussetzung der Zahlungen von Rußland sowie anderen osteuropäischen

Staaten den daraus resultierenden finanziellen Schaden auf ein Minimum zu

begrenzen?

4. Laut einer Aussage von OeKB - Vorstand Johannes Attems im Standard vom 8.

September 1998 hat Rußland seine Zahlungsverpflichtungen bisher immer

erfüllt.

Aus welchen Gründen mußten dann mit Rußland bereits fünf

Umschuldungsabkommen getroffen werden?

 

5. Welche effektiven Kosten haben die vorangegangen Umschuldungen mit

Rußland sowie anderen osteuropäischen Ländern bisher tatsächlich

verursacht (gegliedert nach Ländern, Schuldenerlaß, jährliche Differenz

zwischen Umschuldungszins und Marktzins, etc.)?

 

6. Wie hoch ist der Zinsendienst für den Rußland sowie die anderen

osteuropäischen Staaten gegenüber Österreich respektive seine Institutionen

insgesamt jährlich aufkommen müssen (bisher geleisteter Zinsendienst sowie

ausgehend vom aktuellen Zinsniveau zu erwartender Zinsendienst, gegliedert

nach Ländern und Jahren)?

 

7. In welcher Höhe haben österreichische Banken ausstehende Forderungen

gegenüber Rußland und anderen osteuropäischen Staaten und wie hoch

beziffern diese den daraus resultierenden Wertberichtigungsbedarf

(gegliedert nach Institut und Jahren)?

 

8. In welcher Höhe haben die künftigen Teilnehmer am EURO aussstehende

Forderungen gegenüber Rußland und anderen osteuropäischen Staaten und

wie hoch beziffern diese den daraus resultierenden Wertberichtigungsbedarf

(gegliedert nach Staaten, inklusive übernommener Bundeshaftungen)?

 

9. Sind Sie darüber informiert, auf welche Höhe sich die jeweiligen

ausstehenden Forderungen der deutsche Banken gegenüber Rußland und

anderen osteuropäischen Staaten belaufen?

Wenn ja, wie hoch sind diese Außenstände, und wie hoch beziffern diese den

daraus resultierenden Wertberichtigungsbedarf (gegliedert nach Institut und

Jahren)?

Wenn nein, warum wurde von Ihnen als Vorsitzenden im ECOFIN - Rat dieses

Thema nicht zur Diskussion gestellt?

 

10. Laut ihrer Anfragebeantwortung 3719AB XX.GP wurden seitens der OeKB im

Jahr 1997 Kredite für Ostgeschäfte in der Höhe von rund 7,5 Mrd. S.

besichert.

In welcher Höhe mußten für diese Kredite bereits Wertberichtigungen

getroffen werden, bzw. in welcher Höhe erwarten Sie nach den jüngsten

Turbulenzen mögliche Ausfälle?

11.ln welcher Höhe wurden im Zeitraum vom 1.1.1998 bis zum 30.6.1998

Bundeshaftungen für  Ostgeschäfte übernommen?

 

12.Gab es nach Ausbruch der Finanzkrise in Südostasien und dem damit

verbundenen Offensichtlichwerden der weltweit erhöhten Kreditrisken eine

Änderung der Vergabepolitik bei der Übernahme von Bundeshaftungen

seitens der OeKB, bzw. haben Sie diesbezüglich irgendwelche Weisungen

erteilt?

 

13.Angesichts der derzeit relativ beschränkten Mittel des IWF sind für den Fall

weiterer Hilfen an Rußland, bzw. bei Ausweitung der Finanzkrise auch auf

osteuropäische Staaten, diesem weitere beträchtliche Finanzmittel zur

Verfügung zu stellen.

Wurden Sie wegen einer möglichen Bereitstellung weiterer Finanzmittel

seitens des IWF bereits kontaktiert, bzw. in welcher Höhe ist aus Ihrer Sicht

eine Kreditausweitung sinnvoll und vertretbar.

 

14. Wegen der Vergabepolitik von Krediten stand der IWF in letzter Zeit häufig

massiv unter Kritik.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die Fehler, die seitens des IWF gemacht wurden,

und welche Verbesserungsvorschläge wurden Ihrerseits diesbezüglich an die

Verantwortlichen innerhalb des IWF weitergeleitet?

 

15.Experten erwarten für Deutschland aufgrund der Turbulenzen in Rußland

den Verlust von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen.

Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Rußlandkrise auf die österreichische

Konjunktur (Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Steuerausfall, Kosten für

zusätzliche Arbeitslose) ein und welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht,

inklusive vorbeugender, für den Fall eines Übergreifens der Krise auch auf

andere osteuropäische Staaten, erforderlich?