5010/J XX.GP
ANFRAGE
der Abgeordneten G. Moser, Freundinnen und Freunde
an den Bundeskanzler
betreffend Programm der österreichischen EU - Präsidentschaft
Das am 3. Juli 1998 vorgelegte Programm der Österreichischen EU - Präsidentschaft umfaßt
verschiedene Schwerpunktsetzungen. Im Vorfeld der Erarbeitung formulierte die
Landeshauptleutekonferenz eine Erklärung (20. Mai 1998), die eine Reihe von Themen mit
konkreten Zielvorstellungen für die Präsidentschaft auflistete. Vergleicht man nun beide
Papiere, so ergeben sich eine Reihe von Diskrepanzen, vor allem fanden verschiedene
Vorstellungen der Landeshauptleute keine Berücksichtigung im Programm der
Bundesregierung. Daraus ergibt sich ein erheblicher Klärungsbedarf.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE
1. Seit wann lag der Bundesregierung die Erklärung der Landeshauptleutekonferenz vor
bzw. wurden die Landeshauptleute noch nach dem 20. Mai in die Erarbeitung des
Regierungsprogramms für die EU - Präsidentschaft miteinbezogen? Wenn nein, warum
nicht, wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?
2. Wurde vonseiten der Landeshauptmänner ein Vorstoß unternommen, ihre Vorstellungen
nach dem 20. Mai 1998 auf dem Verhandlungsweg in das Programm der
Bundesregierung einfließen zu lassen? Ist Ihnen eine Aktivität des oberösterreichischen
Landeshauptmanns in dieser Richtung bekannt?
3. Warum ignorierte die Bundesregierung die Forderung der Landeshauptmännerkonferenz
nach der "Zielsetzung des Ausstiegs aus der Atomtechnologie"?
4. Warum übernahmen Sie nicht die Forderung nach der Schaffung eines Sonderprogramms
für die grenznahen Regionen Österreichs im Zusammenhang mit der Osterweiterung?
5. Weshalb berücksichtigten Sie nicht die Forderung der Landeshauptmännerkonferenz nach
der Kostenwahrheit im Verkehr und der Verbesserung der Schienen - Anbindung der
MOEL - Staaten?
6. Die Länder sprachen sich vehement dafür aus, im laufenden Review - Prozeß höhere
Umwelt - Standards beibehalten zu können. Warum verzichteten Sie im
Präsidentschaftsprogramm darauf?
7. Warum ignorierten Sie den Wunsch der Landeshauptmännerkonferenz nach Abgeltung
der Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe für die Erhaltung der Naturräume und
Landschaftspflege?
8. Die Vertreter der Bundesländer forderten eine “Erhöhung von Bürgernähe, Transparenz
und demokratischer Legitimität”. Warum verzichteten Sie auf die Forderung nach mehr
Transparenz?
9. Weshalb berücksichtigten Sie die Forderung nach Dezentralisierung der Strukturen nicht?
10. Warum verzichteten Sie auf die Forderung nach Verwaltungsvereinfachung und
Verständlichkeit europäischer Rechtsakte?