5013/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

 

des Abgeordneten Wabl, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft

 

betreffend Aussagen des Institutsleiters der Forstinventur, daß die “Bäume wachsen wie

noch nie

 

Die Forstliche Bundesversuchsanstalt ist als Dienststelle des Bundesministeriums für Land -

und Forstwirtschaft mit Forschungsvorhaben betraut, ein wesentlicher Teil des

Zahlenmaterials im jährlichen Waldbericht stammt von Instituten der FBVA. Das Institut für

Forstinventur ist eines dieser Institute, es erhebt klassisch ökonomische Fragen nach

Holzvorrat, Stammzahl, Volumszuwachs, Einschlag, Stammschäden und der Waldfläche. Die

Inventur betreut seit 1981 ein ständiges, österreichweites Stichprobennetz, über das in

regelmäßigen Erhebungen Zustand und Veränderungen des Waldes festgestellt werden.

In einem Artikel des Profil vom 20. Juli 1998 behauptet der Leiter des “Institutes für

Waldinventur” die Untersuchungen seines Institutes zeigten, daß “die Bäume wachsen wie

noch nie””. Eine Literaturrecherche in forstlichen Zeitschriften, die die Entwicklung des

Volumszuwachses (d.h. das Baumwachstum zwischen zwei Zeitpunkten) darstellen sollte,

ergab folgendes Bild:

    

      Der laufende Zuwachs betrug im Zeitraum 1981/90 jährlich 28,3 Millionen

      Vorratsfestmeter in Rinde bzw. 8,7 Vorratsfestmeter in Rinde pro Hektar Ertragswald -

      Hochwald; dies ist eine Steigerung des Zuwachses pro Hektar um beinahe zwei Fünftel

      gegenüber der Aufnahmeperiode 1971/80. (Holz - Kurier, Nr.49 vom 3. Dezember

      1992, S. 7)

 

      In der Österreichischen Forstzeitung, Heft 4 1993, 5. 22 f. wird die

      Zuwachssteigerung im Erhebungszeitraum 1986/90 gegenüber 1971/80 auf einen

      Einfluß der Methodenänderung zurückgeführt: Von der Bohrkernmethode sei zur

      Differenzmethode übergegangen worden, seinerzeit sei der Laubholz - Höhenzuwachs

      vernachlässigt worden. Ein Einfluß von Faktoren wie Düngungseffekt durch

      Stickstoffeintrag, klimatische Veränderungen und so weiter wurde vermutet, aber nicht

      näher untersucht.

 

      Sitzung des Kontaktkomitees an der FBVA vom Jänner 1996: Der Vorschlag, die

      Waldinventur eventuell für eine Periode auszusetzen und das Personal anderweitig zu

      beschäftigen, stieß einhellig auf Ablehnung. Ein Vertreter der Präsidentenkonferenz

      der Landwirtschaftskammern: Es ist eine absurde Idee, die Waldinventur abzudrehen.

      Ein Vertreter der Universität für Bodenkultur zur Fortführung der Forstinventur:

      Veränderungen kann man nicht beobachten, wenn man sie nicht beobachtet. (Holz -

       Kurier, Nr. 3 vom 18. Jänner 1996, S.22)

      In einer Mitteilung im Holz - Kurier Nr. 45 vom 6. November 1997, S. 5 wurden die

      Inventurergebnisse vom Dezember 1997 vorweggenommen: dort hieß es, der

      Zuwachs von 31,7 Mio. Vorratsfestmeter pro Jahr der letzten Inventurergebnisse

      müßte wegen einer Rechenungenauigkeit um 5 Mio. Vorratsfestmeter nach unten

      korrigiert werden. Dies wird in einer Folgenummer aber dementiert, die

      Inventurergebnisse müßten weder nach unten noch nach oben korrigiert werden.

 

      Unter der Überschrift Zuwachs verringert wird im Holz - Kurier Nr. 51/52 vom 18.

      Dezember 1997 der Leiter des Institutes für Forstinventur zitiert: Mit 27,3 Mio. Vfm/J

      ist der Gesamtzuwachs gegenüber der Beobachtungsperiode 1986/90 rückgängig.

     Warum der Zuwachs sinken mußte, wird mit der systematischen Unterschätzung des

     Vorrates um 13%, mit natürlichen Witterungsschwankungen und mit dem

      unberücksichtigt gebliebenen Periodenzuwachs seit 1961 erklärt.

 

     Nach der offiziellen Präsentation der Inventurergebnisse konnte seitens des

     Ministeriums der Frage nach den Gerüchten über eine Einstellung der Inventur... mit

      der definitiven Aussage, daß die Inventur weitergeführt wird, entgegengetreten

      werden. (Holz - Kurier, Heft 9 vom 26. Februar 1998, 5.18)

 

     Im Artikel Der Irrtum der Naturschützer (Profil, Nr. 30 vom 20. Juli 1998, S. 64 f.)

     wird der Leiter des Institutes für Forstinventur mit den Sätzen zitiert: Der Wald

     wächst wie nie zuvor und Die Bäume wachsen wie nie zuvor.

 

 

In Anerkennung der Tatsache, daß der Baum der Produzent und der als Jahrring angelagerte

jährliche Volumszuwachs sein Produkt ist, Zuwachs (Produkt) und Vorrat

(Produktionsmittel) also nicht leicht voneinder zu trennen sind, stellen die Unterzeichneten

angesichts der nur schwer zu durchschauenden Darstellung der Ergebnisse in der

Fachliteratur (Gegenüberstellung verschieden langer Auswertungsperioden, sprunghaftes

Ansteigen und Absinken des Zuwachses) und der Begleitumstände (wiederholte Diskussion

über die Einstellung der Inventur, offensichtliche Vorveröffentlichung des steuerlich

wirksamen Volumszuwachses) folgende

 

 

ANFRAGE:

 

 

1. Warum verwendet Ihr Ressort in seinen Veröffentlichungen und Verlautbarungen den

    Begriff Waldinventur und nicht den im § 173, Abs. 3, des Forstgesetzes festgelegten

    und seit vier Jahrzehnten üblichen Namen Österreichische Forstinventur bzw. Institut

    für Forstinventur?

 

2. Der Volumszuwachs erreichte im Berechnungszeitraum 1986 - 90 einen plötzlichen

    Rekordwert und unterlag im Zeitraum von 1992 - 1996 einer Depression. Kann aus den

     im Nachrichtenmagazin Profil veröffentlichten Aussagen des Institutsleiters der

     Forstinventur geschlossen werden, daß der Volumszuwachs abermals im Steigen

     begriffen ist? Sind die dort gemachten Aussagen auch die offizielle Sicht des BMLF?

 

3. Sind Ihrem Ressort aus der Landwirtschaft, speziell aus mehrjährigen

    landwirtschaftlichen Kulturen, ähnliche Wachstumsschwankungen bekannt, wie sie seit

    einigen Jahren in der heimischen Forstwirtschaft festgestellt werden?

4. Üben Wirtschaftsverbände über das Kontaktkomitee eine Einflußnahme auf die

    Ergebnisse der FBVA aus? Von wem und aus welchem Anlaß wurde eine Einstellung

    der Forstinventur gefordert? Besteht zwischen der Forderung nach Einstellung der

    Forstinventur und den Veröffentlichungen über den Ertrag des österreichischen Waldes

    ein Zusammenhang?

 

5. Wäre es im Sinne einer Objektivierung hilfreich, die Datenanalyse der zukünftigen

    Forstinventur einer Institution außerhalb des forstlichen Einflußkreises (z. B. Mei -

    nungsforschungsinstitut) zu übertragen, um eine Durchführung nach rein rational -

    mathematischen Gesichtspunkten zu gewährleisten?

 

 

6. Stimmen Sie unserem Vorschlag zu, die zu den Inventurergebnissen hinführenden

    Rechenverfahren, vor allem die des Zuwachses, in einer eigenständigen Publikation

    nachvollziehbar, vollständig und verständlich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

 

7. In dem am 20. Dezember 1997 in österreichischen Tageszeitungen (Die Presse, Der

    Standard) unter dem Titel Ökoland Österreich. Mit unserem Wald geht es wieder bergauf

    abgedruckten Inserat des BMLF ist zu lesen, die Waldfläche u.a. des Kleinwalsertales

    hätte sich stark erhöht. Aus welcher Quelle stammt die Aussage und wie groß ist die

    Zunahme der Waldfläche im Kleinwalsertal?

 

8. Die ÖFZ meldete für 1997 zwei am Institut für Forstinventur erstellte und an der

    Universität für Bodenkultur eingereichte Dissertationen. Wurden die beiden

    Dissertationen als Projektsarbeiten im Rahmen des Arbeitsprogrammes der FBVA

    durchgeführt? Wird am Institut für Forstinventur an weiteren Dissertationen gearbeitet?

    Wenn ja, sind es in das Arbeitsprogramm der FBVA aufgenommene Projektarbeiten?

 

9. Werden am Institut für Forstinventur noch weitere, im Arbeitsprogramm und im

    Jahresbericht der FBVA nicht eigens genannte Projekte und Arbeiten durchgeführt, die

    beträchtliche finanzielle Mittel und Arbeitszeit erfordern?

 

10. In der Presseaussendung des BMLF vom 9. Oktober 1997 Sieben Punkte für eine

      ökologische Waldbewirtschaftung lautet Punkt 5) Erweiterung der Forstinventur mit

      Evaluierung ökologischer Zielsetzungen.

  a) Welche ökologischen Parameter sind von der zukünftigen Erhebung betroffen?

 

  b) Jeder statistischen Untersuchung gehen Annahmen über den betrachteten

      Gegenstandsbereich voraus: Welche wissenschaftliche Fragestellung soll durch die neue

      Erhebung beantwortet werden? Wie lautet die Forschungshypothese; ist sie

      falsifizierbar? Wird ein Untersuchungsplan mit den Erhebungsbedingungen, den zu

      untersuchenden Merkmalen, den Merkmalsträgern sowie deren Relationen zueinander,

      erstellt?