5072/J XX.GP
der Abgeordneten Petrovic, Freundinnen und Freunde
an den Bundeskanzler
betreffend Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik in Österreich
Am 22. September 1998 wurde das "Weißbuch zur Reform der Kulturpolitik” resp. ein
Diskussionsentwurf der Öffentlichkeit vorgestellt. Versammelt sind in diesem Weißbuch eine
Reihe von Vorschläge zur Reform der Kulturpolitik in Österreich. Die Kunstschaffenden und
die Öffentlichkeit wurden von Staatssekretär Wittmann aufgefordert, dieses Weißbuch rege zu
diskutieren und auch weitere Vorschläge beizusteuern. In einer Diskussion im Literaturhaus
am 30. September 1998 sagte der Staatssekretär, daß man diese Vorschläge sammeln, sie
anschließend in das Weißbuch integrieren und dann entscheiden wolle, welche Vorschläge
umgesetzt werden sollen. D.h. es werden zunächst Vorschläge gesammelt, anschließend
entscheidet der Kunstminister, welche er in die Realität umsetzen will.
Viele Vorschläge, die sich nun im Weißbuch finden, werden schon seit Jahren von den
diversen Interessensvertretungen und von der Opposition in die kulturpolitische Diskussion
eingebracht. Nun mag es löblich sein, diese Vorschläge in einem Weißbuch zu sammeln. Doch
an den Vorschlägen hat es bisher nicht gemangelt, gemangelt hat es an der Umsetzung durch
die Regierung, an einem kulturpolitischen Konzept, das eine Grundlage für die Realisierung
des einen und die Verwerfung eines anderen Vorschlages gewesen wäre. Dieses
kulturpolitische Konzept ist aber durch das weitere Sammeln von Vorschlägen nicht erzielbar.
Dazu stellt sich die Frage nach den Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser
Vorschläge. Viele dieser Vorschläge kosten vermutlich mehr Geld. Nun hat zwar
Staatssekretär Peter Wittmann eine Erhöhung des Kunstbudgets auf 1,5 Milliarden gefordert,
doch gleichzeitig gab es auch seitens der Regierungsparteien Feststellungen, daß das
Kunstbudget nicht erhöht werden wird. Wenn das zutrifft - was die Grünen nicht wünschen -
dann wird es in Zukunft sicher nicht zu einer Realisierung dieser Vorschläge kommen,
sondern es wird im Gegenteil zu einer Einschränkung des bestehenden kulturpolitischen
Angebotes kommen. Die Kulturpolitik hätte die Aufgabe, Einschränkungen vorzunehmen,
allenfalls Schwerpunkte zu setzen.
Genau diese Rahmenbedingungen werden aber im Weißbuch nirgends angeführt. Sie sind
aber wesentlich dafür, ob das Weißbuch nur eine Beschäftigungstherapie für KünstlerInnen
und deren VertreterInnen ist, oder ob es tatsächlich zu Reformschritten kommen kann.
Unbekannt ist derzeit auch das weitere Prozedere im Umgang mit diesem Weißbuch. Wenn
alle Vorschläge gesammelt sind, aufgrund welcher kulturpolitischen Zielsetzungen werden,
falls die Mittel vorhanden sind, die Vorschläge gereiht, d.h. aufgrund welcher
Rahmenbedingungen werden Prioritäten
gesetzt?
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE:
1) Wie sieht der Kanzler die zukünftige Entwicklung des Kunstbudgets? Beabsichtigt er für
das Jahr 2000 und folgende, sofern er noch Kanzler ist, sich für eine Erhöhung des
Kunstbudgets auf 1,5 Milliarden einzusetzen?
2) Wie sollen die Vorschläge des Weißbuchs umgesetzt werden, falls es keine Aufstockung
des Kunstbudgets gibt?
3) Wie sieht das genaue Prozedere im Umgang mit den Vorschlägen nach dem Ende der
Diskussionsphase aus?
4) Nach welchen Kriterien wird eine Reihung der eingetroffenen Vorschläge getroffen
werden, d.h. nach welchen Kriterien werden Prioritäten in der Umsetzung gesetzt? Wird
es ein kulturpolitisches Konzept geben, das begründet, warum der eine Vorschlage
realisiert und der andere verworfen wird?
5) Wer wird diese Prioritätensetzung vornehmen? Der Kunstkanzler im stillen Kämmerlein
oder wird eine ExpertInnengruppe dies tun? Welche ExpertInnen werden das allenfalls
sein?
6) Was hat den Bundeskanzler und seinen Kunst-Staatssekretär bisher daran gehindert, die
diversen, teils gleichlautenden Vorschläge, die die Interessensvertretungen und die
Opposition bisher geäußert haben, aufzugreifen und vor allem umzusetzen?
7) Wieviel erhält das Institut für Kommunikationsplanung für die Betreuung der
Weißbuchdiskussion?
8) Wurden die Expertinnen, die das Weißbuch erstellt haben, dafür bezahlt? Wenn ja: Was hat
das gekostet?