5106/J XX.GP
ANFRAGE
der Abgeordneten Dr. Brigitte Povysil, Mag. Schweitzer, Mag. Haupt, Dr. Pumberger
und Kollegen
an den Herrn Bundeskanzler
betreffend Strahlende Zeitbomben und Katastrophenschutz
Das Horrorszenario von Tschernobyl ist allen noch in Erinnerung. Doch das Unglück könnte sich
wiederholen. Seit Mochovce in Betrieb ist, werden einmal im Jahr europaweite Katastrophenübungen
durchgeführt. Am 03. Oktober gab es auch in Österreich eine bundesweite Sirenenprobe.
Elf Atomkraftwerke "umzingeln" Österreich, einige davon sind nur wenige Kilometer von der Grenze
entfernt. Besonders die Kernkraftwerke der östlichen Nachbarländer weisen schwere
Sicherheitsmängel auf. Bei einem Zwischenfall wäre Oberösterreich eines der erst - und meist
betroffenen Bundesländer der Alpenrepublik.
336 Meßstellen liefern ständig neue Strahlenmeßwerte und sollten Alarm schlagen wenn diese
überschritten werden und zwar mittels Faxe an APA und ORF. In der Schweiz zeigte sich bei einer
solchen Übung die Überlastung der Kommunikationsleitungen, die zu einer Verzögerung von 2
Stunden führte.
Laut Aussagen des Krisenmanagement des BKA kann die Bevölkerung binnen 30 Minuten alarmiert
werden, vorausgesetzt die Verursacher eines Zwischenfalles melden es sofort. Doch was passiert in der
Folge?
Die unterfertigten Abgeordneten richten daher an den Herrn Bundeskanzler
folgende
ANFRAGE:
1. Können Sie uns einen detaillierten Ablaufplan im Falle einer Katastrophe durch ein benachbartes
Atomkraftwerk vorlegen?
2. Wie lange dauert es von der Alarmierung bis zum sicheren Schutz der Bevölkerung?
3. Welche Rolle spielt das Bundesheer im Fall eines Atomzwischenfalles?
4. Wieviele Schutzräume und Personenkapazitäten sind für Atomzwischenfälle vorhanden?
5. Wieviele Schutzräume und Personenkapazitäten können in welcher Zeit provisorisch aufgebaut und
bezogen werden?
6. Verfügt das Krisenmanagement des BKA über ein Gremium von Strahlenschutzexperten. Wer
gehört diesem an? Wie werden die Mitglieder einberufen?
7. Warum gibt es keine regelmäßigen Tagungen und Publikationen dieses Gremiums über den
aktuellen Stand des radioaktiven Katastrophenmanagements?
8. Warum gibt es in Bundesgebäuden nur rund 185.000 Plätze in Schutzräumen?
9. Gedenken Sie bei Bundesneubauten Standardschutzräume bauen zu lassen? Wenn nein, warum
nicht? Wenn ja, nach welchen Kriterien?
10. Warum gibt es in Österreich keine Großschutzräume?
11. Besteht ein ausreichender Bestand von Kaliumjodidtabletten für die Österreicher und
Österreicherinnen in einem Katastrophenfall?
12. Wer überprüft den Bestand der Kaliumjodidtabletten in Schulen, in denen ja für Schüler
Lagerbestände existieren sollten?
13. Bei der Sirenenprobe am 03. Oktober, hat man festgestellt daß diese teilweise nicht zu hören
waren. Was gedenken
Sie dahingehend zu verbessern?
14. Welche Schlußfolgerungen sind aus der Sirenenübung am 3. Oktober gezogen worden?
15. Gibt es Erfahrungen mit dem Mittel "Bediner Blau" das Caesium im Körper bindet und ausscheidet?
16. Gibt es in Österreich wie in deutschen Gemeinden, regionale Strahlenschutzzentren, wenn nein,
warum nicht?
17. Gibt es regelmässige sich wiederholende Aussendungen an die Bevölkerung über das Verhalten im
Katastrophenfall? Wenn ja, in welchen Abständen und von welchen Organisationen? Wenn nein,
warum nicht?
18. Gibt es eine regelmässige, speziell für Kinder und Jugendliche konzipierte Information in Schulen,
über das Verhalten bei einer Strahlenkatastrophe, da man ja weiß, daß Kinder im Wachstum
radioaktiver Strahlung gegenüber noch wesentlich mehr geschützt werden müssen als
Erwachsene?