5147/J XX.GP
ANFRAGE
der Abgeordneten Gredler, Partnerinnen und Partner
betreffend strategische Entscheidung über Öffnung und Schließung österreichischer
Botschaften
Österreich unterhält derzeit ein Netz von 119 Berufsvertretungsbehörden im Ausland,
davon 80 Botschaften, Österreich liegt damit, was die diplomatische Repräsentanz in
anderen Ländern betrifft, eher im unteren Bereich der EU - Staaten.
Abgesehen davon, daß die seit Jahrhunderten unveränderte Form der
Diplomatischen Vertretung in anderen Staaten in Zeiten der wirtschaftlichen
Globalisierung und der Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel zu
hinterfragen wäre, erscheint auch die aktuelle Politik betreffend Öffnung bzw.
Schließung österreichischer Botschaften nicht ganz einsichtig. Während etwa in allen
drei baltischen Staaten und in Mazedonien Botschaften eröffnet wurden, und in
Vietnam sich eine solche im Planungsstadium befindet, ist Österreich z.B. in den
meisten anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, in manchen größeren
lateinamerikanischen Staaten und in einem Schwerpunktland der österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit (Uganda) nicht vertreten.
Die Errichtung und Schließung von Botschaften sollte grundsätzlich nach konkreten
politischen, wirtschaftlichen und strategischen Kriterien erfolgen, die aber nicht
überall ersichtlich sind. Auch die Frage, in welchen (kleineren?) Ländern als nächster
Schritt der europäischen Integration gemeinsame EU - Botschaften, die die
einzelstaatliche Repräsentation ergänzen bzw. ersetzen sollte, eingerichtet werden
könnten, müßte in diesem Zusammenhang erörtert werden.
Daher stellen die unterzeichneten Abgeordneten folgende
ANFRAGE
an den Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten:
1. In welchen Staaten wurden in den letzten 10 Jahren österreichische
Vertretungsbehörden eröffnet?
2. Welche politischen, wirtschaftlichen und strategischen Kriterien waren dafür
jeweils ausschlaggebend?
3. In welchen Staaten ist in den nächsten 5 Jahren die Errichtung und
Inbetriebnahme einer österreichischen Vertretungsbehörde geplant?
4. Welche politischen, wirtschaftlichen und strategischen Kriterien sind dafür
ausschlaggebend?
5. Aus welchem Grund wurde in Estland, Lettland und Litauen jeweils eine eigene
kleine Botschaft eröffnet (statt z.B. zwei dieser drei Länder durch einen
Botschafter mitvertreten zu lassen), während in anderen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion, die aus wirtschaftlichen Gründen interessante Anknüpfungspunkte
bieten, keine Botschaften errichtet werden?
6). In welchen Staaten sind österreichische Vertretungsbehörden aus welchem
Grund geschlossen oder vorübergehend geschlossen worden?
7. Gibt es in Ihrem Ressort Vorstellungen bezüglich einer Reform des derzeitigen
Systems der Repräsentanz durch diplomatische Vertretungsbehörden, wenn man
die wirtschaftliche Globalisierung und die Möglichkeiten der modernen
Kommunikationsmittel bedenkt?
8. Halten Sie es für sinnvoll und durchführbar, die die konsularische Vertretung in
einigen Ländern künftig durch die österreichischen Außenhandelsstellen
wahrnehmen zu lassen und dadurch einige Berufsvertretungsbehörden
einzusparen? Wenn nein, warum nicht?
9. Gibt es in Ihrem Ressort und in den Außenministerien der anderen EU - Staaten
Überlegungen, in einigen Staaten "EU - Botschaften" zu errichten? Wenn ja, in
welcher Form und in welchen Ländern?