5240/J XX.GP
Anfrage
der Abgeordneten Bauer
und Kollegen
an den
Bundesminister für Inneres
betreffend Verhalten des Leiters des nö Grenzpostens Mitterretzbach
Der Postenkommandant des Gendarmeriepostens Mitterretzbach hat eine steile Karriere im
Gendarmeriedienst hinter sich. Im Sommer 19S0 wurde er zum Postenkommandanten von
Zellerndorf Bezirk Hollabrunn, bestellt. Anfang der 90er Jahre wurde er zum
stellvertretenden Gendarmeriekommandanten des Bezirks Hollabrunn ernannt, wo er das
Referat Grenzdienst innehatte. Seit dem Frühjahr 1997 ist er mit der Leitung des
Grenzpostens Mitterretzbach betraut.
Sein beruflicher Aufstieg scheint, wenn die Informationen der Erstanfragerin richtig sind, von
einer Reihe zweifelhafter Vorfälle begleitet zu sein.
Bezeugt ist ein Übergriff auf eine junge Znaimerin Anfang der 90er Jahre. Ein
Disziplinverfahren wurde zwar eingeleitet, blieb aber ergebnislos und wurde daraufhin
eingestellt.
Am 22. August 1992 versuchte - wie der “Kurier” aufgedeckt hat - der schwer alkoholisierte
Mann, in einer Decke eingewickelt und im Kofferraum versteckt, illegal die Grenze zu
Tschechien zu passieren. Aufmerksame tschechische Grenzpolizisten entdeckten den blinden
Passagier und schickten den Wagen nach Österreich zurück. Der Fahrzeuglenker gab den
Namen seines Fahrgastes im Kofferraum, der nicht identifiziert werden konnte, den
tschechischen Behörden zu Protokoll: es handelte sich um den stellvertretenden
Gendarmeriekommandanten des Bezirks Hollabrunn. Beabsichtigt gewesen war eine Disco -
Tour nach Znaim. (lt. Kurier vom 24.1.1993)
Vom NÖ - Landesgendarmeriekommando wurden nach diesem Vorfall neuerlich
Untersuchungen in die Wege geleitet., in einem ,,Kurier” - Interview gab NÖ -
Landesgendarmeriekommandant Brigadier Gerhard Schmid bekannt, daß man umgehend den
tschechischen Erhebungsakt anfordern werde. Recherchen haben aber ergeben, daß dies nie
der Fall war. Die tschechischen Behörden wurden nach den Informationen der Erstanfragerin
zu keiner Zeit um einen diesbezüglichen Bericht gebeten. Überhaupt basiere das Ganze auf
einem “schrecklichen Mißverständnis”, wie der Fahrzeuglenker wenig später zu Protokoll
gab: Der illegale Passagier wäre nämlich ein ganz anderer gewesen! Auch diese
Untersuchung wurde daraufhin als ergebnislos abgeschlossen und eingestellt.
Nach seiner neuerlichen Beförderung zum Postenkommandanten von Mitterretzbach richtete
sich sein zweifelhaftes Verhalten in hohem Maße auch gegen seine Untergebenen. Das führte
dazu, daß 18 von insgesamt 21 Grenzgendarmeriebeamten um Versetzung baten, einige unter
ihnen sogar mit Selbstmord drohten. Nicht zuletzt soll der Mann auch vor verbalen sexuellen
Belästigungen gegen ihm untergebene Beamtinnen nicht zurückgeschreckt haben, in einem
Fall soll sogar sexuelle Nötigung
vorliegen. Aus Angst vor Repressalien schwiegen die Opfer
lange Zeit. Vom NÖ Landesgendarmeriekommando wurde erneut eine
Untersuchungskommission eingesetzt, die den Postenkommandanten mit Wirkung vom 12.
November vom Dienst suspendierte (lt. Kurier vom 17.11.98).
Die unterfertigten Abgeordneten richten daher an den Bundesminister für Inneres folgende
Anfrage
1.) Wie kam es unter Berücksichtigung des beruflichen Vorlebens des nunmehr suspendierten
Leiters des Gendarmeriepostens Mitterretzbach zu dessen Bestellung?
2.) Gegen den Verdächtigen liefen schon in den Jahren zuvor 2 Untersuchungen.
Sind Sie nicht der Auffassung, daß diese Erhebungen mangelhaft und bloß halbherzig
durchgeführt worden sind?
3.) Wie erklären Sie sich, daß Brigadier Schmid in einem Zeitungsinterview zwar ankündigt,
die Erhebungsakte aus Tschechien anzufordern, dies aber in Wahrheit dann doch nicht
tut?
4.) Wäre nicht der tschechische Erhebungsakt von besonderer Bedeutung für die
Ermittlungen gewesen?
5.) Wurde der Autolenker, der seine ursprüngliche Aussage widerrief, seitens des NÖ -
Landesgendarmeriekommandos auf seine Glaubwürdigkeit hin überprüft?
6.) Hätte das NÖ - Landesgendarmeriekommando Ihrer Meinung nach nicht schon viel früher
angesichts der vielen Versetzungsgesuche und anhaltenden Gerüchte über sexuelle
Übergriffe - einschreiten müssen?
7.) Kann man vom NÖ - Landesgendarmeriekommando nach den bisherigen Erfahrungen
überhaupt noch eine gewissenhafte Untersuchung erwarten?
8.) Kann es sein, daß Beamte aus dem NÖ - Landesgendarmeriekommando bis hinauf zu
Brigadier Schmid ihre “schützende Hand” über den Chefinspektor hielten?
9.) Wann darf mit dem Bericht der Untersuchungskommission des NÖ -
Landesgendarmeriekommandos gerechnet werden?
10.) Was werden Sie in dieser Angelegenheit unternehmen? Welche konkreten Schritte
wollen Sie setzen?