5347/J XX.GP

 

Anfrage

 

der Abgeordneten Helmut Peter, Volker Kier und PartnerInnen

 

an den Bundesminister für Justiz

 

betreffend den Stand der legistischen Vorarbeiten zur Schaffung von kleinen

Aktiengesellschaften

 

Vor dem Hintergrund, daß in Österreich der häufigste Grund für Insolvenzen die

mangelnde Kapitalausstattung der Unternehmen ist, muß es Ziel einer

verantwortungsvollen Politik sein, die Eigenkapitalbasis der österreichischen

Unternehmen nachhaltig zu verbessern. Dafür bedarf es entsprechender gesetzlicher

Rahmenbedingungen. Ein auch in Deutschland realisierter Weg zur Verbesserung

der Eigenkapitalaustattung kleinerer und mittlerer Unternehmen ist die “kleine AG”.

 

Anläßlich der Einberufung der Strategiegruppe ‚,Finanzmarkt Österreich” im Herbst

1996 wurde die Unternehmensform “Kleine AG” als eine jener Maßnahmen genannt,

die geeignet erscheinen, einerseits den österreichischen Kapitalmarkt zu beleben

und andererseits den chronischen Eigenkapitalmangel österreichischer Unternehmen

zu beheben. Dazu wurde auch eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die

Problemstellungen genauer untersuchen sollte.

 

In der Fachzeitung “Österreichisches Bankarchiv” Nr.11 / 1996 schreibt Bundeskanzler

Viktor Klima zu diesem Thema in einem Gastbeitrag mit dem Titel “Reform des

österreichischen Kapitalmarktes”: “Gerade für Unternehmen mittlerer Größe könnte

die Kleine Aktiengesellschaft einen erleichterten Einstieg zur Börsekapitalisierung

bieten.”

Bisher wurden allerdings keine Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe bekannt,

wenngleich die Vorteile der Realisierung gesellschaftsrechtlicher Änderungen zur

Ermöglichung der Bildung von kleinen Aktiengesellschaften auf der Hand liegen:

 

•   Erleichterung des Börseganges und damit eine spürbare Belebung des

    Kapitalmarktes (von den derzeit rund 1000 Aktiengesellschaften sind nur rund

    130 an der Börse notiert. Demgegenüber liegt die Zahl der GesmbH, die die

    Größe für einen Gang an die Börse hätten um eine Vielfaches höher)

•   Verbesserung der Eigenkapitalausstattung österreichischer Unternehmungen

•   Lösung der Problematik des Generationswechsels

•   Ausweitung der Mitarbeiterbeteiligungen

•   Klare Trennung von Anteilseignern und Geschäftsführung

•   Leichtere Handelbarkeit von Aktien im Vergleich zu GesmbH - Anteilen

 

Vor diesem Hintergrund stellen die unterzeichneten Abgeordneten folgende

 

Anfrage

 

1. Welche Gründe waren ausschlaggebend für die Zurückstellung der Arbeiten für

    die Schaffung von kleinen Aktiengesellschaften?

 

2. Ist geplant, die Arbeitsgruppe zu diesem Thema wieder einzuberufen?

 

3. Ist davon auszugehen, daß noch in dieser Legislaturperiode eine

    Regierungsvorlage zur Schaffung der Kleinen Aktiengesellschaft dem Parlament

    übermittelt werden wird?

 

4. Gibt es aus Ihrer Sicht Gründe, die gegen die Einführung der Kleinen AG

    sprechen?

 

5. Überwiegen diese Nachteile gegenüber den oben beschriebenen Vorteilen der

    Einführung von kleinen AG?

 

6. Welche Alternativen zur kleinen Aktiengesellschaft sehen Sie?