5555/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Dr. Kurzmann und Kollegen

 

an den Herrn Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr Dr. Caspar Einem

 

betreffend “Europäische Sternwarte” ESO

 

 

Die “Europäische Südsternwarte”, (ESO), ist eine überstaatliche Organisation der derzeit

die Staaten Belgien, Chile, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande,

Schweden und die Schweiz angehören. Portugal hat eine Vereinbarung, die volle

Mitgliedschaft später zu erreichen, Chile hat als Gastgeberland einen speziellen Vertrag.

Andere Länder, insbesondere die osteuropäischen, haben ihr Interesse der Organisation

beizutreten, ebenfalls bekundet.

Die ESO (european sothern observatory) wurde 1962 mit dem Ziel gegründet, in der

südlichen Hemisphäre ein Observatorium zu errichten um eine gemeinsame europäische

Forschung auf dem Gebiet der Astronomie zu betreiben. Das erste Observatorium

wurde in der Atakama Wüste, ca. 600 km nördlich von Santiago de Chile, in den

chilenischen Anden errichtet. Inzwischen stehen dort 15 Teleskope mit den besten

Einrichtungen zur Verfügung.

Um jedoch noch weiter als mit den vorhandenen Geräten in den Weltraum hinaus sehen

zu können, entsteht nun an geeigneten Stelle ebenfalls in den chilenischen Anden das

derzeit größte und modernste Observatorium der Welt mit insgesamt 7 Großteleskopen

mit bis zu über 8 m Spiegeldurchmesser.

 

Die Astronomie gilt als eine der ältesten Wissenschaften, ist derzeit gleichzeitig aber

auch eine der modernsten und teuersten Disziplinen. Daher wurden mit dem

chilenischen Staat Verträge abgeschlossen, die den Bestand und die ungestörte Arbeit in

den Observatorien ermöglichen. Die ESO gilt daher nicht zu unrecht als “Europäisches

Auge ins Weltall”.

 

Die ESO bietet gleichzeitig auch vielfältige Programme für graduierte Studenten, die ein

Doktorat in Physik anstreben oder auch Programme für Jungastronomen, die bereits

promoviert wurden. Sie können bis zu vier Jahren in der ESO, sowohl in Chile wie auch

im Hauptquartier bei München wertvolle Erfahrungen sammeln.

Senior - Wissenschaftler der Mitgliedstaaten können für kürzere oder längere Zeit als

Besuchs - Wissenschaftler an den verschiedenen Einrichtungen, die zu den besten derzeit

verfügbaren gehören, arbeiten.

Die ESO ist auch in Jugendprogrammen sehr aktiv und hat vor zwei Jahren ein

europaweites Programm über das Internet abgewickelt, an dem auch österreichische

Schulen beteiligt waren.

Die Mitgliedstaaten bezahlen nicht nur Ihren Beitrag, sondern wirken auch rege an

Lieferungen zu den Einrichtungen mit, d.h. daß auch die Industrie, Firmen und

Universitätsinstitute Aufträge erhalten, die Arbeit und Geld in das jeweilige Land

bringen.

Die Schweiz, Dänemark, Holland und Belgien, deren Größe, Einwohnerzahl und Brutto -

Nationalprodukt durchaus mit Österreich vergleichbar sind, sind schon Mitglieder der

ESO. Mit Rücksicht darauf, daß Österreich auch in der Astronomie den Anschluß nicht

verlieren darf, müßte unser Streben nach einer möglichst baldigen Beitrittsregelung

intensiviert werden.

Die Astronomie wird in Österreich in Wien und Innsbruck sowie in Graz mit seiner

Außen - und Beobachtungsstelle auf der Kanzel bei Villach betrieben. Graz ist vor allem

in der Sonnen - Astronomie aktiv und könnte auf diesem Gebiet die ESO bereichern.

 

Die unterfertigten Abgeordneten richten daher an den Herrn Bundesminister für

Wissenschaft und Verkehr Dr. Caspar Einem nachstehende

 

ANFRAGE

 

1) Welche konkreten Gründe sind dafür ausschlaggebend, daß Österreich noch

    nicht Mitglied der “Europäischen Südsternwarte” (ESO) ist.?

 

2) Ist ein Beitritt Österreichs zur ESO geplant?

    Wenn ja, wie ist der Stand der Verhandlungen und wann ist mit einem Beitritt zu

    rechnen?

    Wenn nein, welche konkreten Gründe sprechen gegen einen solchen Beitritt

    Österreichs zur ESO?

 

3) Mit welchem finanziellen Aufkommen müßte bei einem Beitritt Österreichs

    gerechnet werden?

 

4) Wie sehen Sie die Frage der zu erwartenden Umwegrentabilität für

    österreichische Unternehmen und einer notwendigen Bereicherung für die

    heimischen universitären Einrichtungen bei einem solchen Beitritt?

 

5) Wie sehen Sie die allgemeine weitere Entwicklung auf dem Gebiet der

    Astronomie in Österreich?