5795/J XX.GP
ANFRAGE
der Abgeordneten Meisinger, Mag. Trattner
und Kollegen
an den Bundesministe für - Finanzen
betreffend Anderung der Körperschaftssteuer für Kleine Versicherungsvereine
Derzeit gibt es in Österreich 67 Kleine Versicherungsvereine. Sie sind die ältesten
Versicherungsuntemehmungen in unserem Land und bestehen zum Teil bereits seit mehr als
200 Jahren. Der Gesetzgeber hat sie stets als Regionalversicherer für das jeweilige
Bundesland definiert, was auch ihrem genossenschaftsähnlich ausgelegten Wesen voll
entspricht.
Durch diese bewußt eingeschränkte Geschäftstätigkeit können sie aber keine unmittelbaren
Vorteile aus dem nunmehr größeren gemeinsamen Binnenmarkt im Rahmen der EU lukrieren,
sie müssen jedoch gleichzeitig alle Nachteile des verstärkten internationalen Wettbewerbs in
Österreich ertragen. Dies schmerzt um so mehr, als Kleinen Versicherungsvereinen in anderen
Ländern Europas eine weitaus großzügigere steuerliche Behandlung zuteil wird. Im deutschen
Körperschaftssteuergesetz wird Kleinen Versicherungsvereinen schon seit langem eine
Steuerbefreiung gewährt, sofern ihre Jahresprämieneinnahmen im Sachversicherungsbereich
DM 600.000 bzw. bei Lebens- und Krankenversicherungen sogar DM 1,500.000 nicht
übersteigen. Dagegen besteht in Österreich die Freigrenze bei der Körperschaftssteuer seit
langer Zeit unverändert bei Jahresprämieneinnahmen von öS 60.000.
Die Kleinen Versicherungsvereine in Österreich konnten sich durch viele Jahrzehnte hindurch
in ihrem regionalen Marktsegment gut behaupten. Jetzt müssen sie sich dem immer stärker
werdenden Konkurrenzdruck im gemeinsamen EU - Binnenmarkt stellen. Aufgrund ungleicher
internationaler Voraussetzungen sehen aber viele, insbesondere kleine Versicherungsvereine,
mit Sorge in die Zukunft. Um ihren Weiterbestand nicht zu gefährden, sollte zumindest ihre
steuerliche Schlechterstellung gegenüber gleich strukturierten Betrieben in der BRD beseitigt
bzw. reduziert werden.
Eine Anpassung an die Gegebenheiten für Kleinere Versicherungsvereine in der BRD würde
nicht nur einen schwerwiegenden Wettbewerbsnachteil der heimischen Betriebe mildern,
sondern wäre auch ein Beitrag zur EU - Steuerharmonisierung, um welche sich Österreich
besonders bemüht.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher
an den Bundesminister für Finanzen folgende
ANFRAGE
1. Wie begründen Sie den Wettbewerbsnachteil der Kleinen Österreichischen
Versicherungsvereine im EU - Binnenmarkt?
2. Planen Sie eine Anpassung der Körperschaftssteuer an die Gegebenheiten in der BRD?
3. Wenn nein, warum nicht?
4. Welche anderen Maßnahmen plant das Finanzministerium für Kleine
Versicherungsvereine, um den Wettbewerbsnachteil im EU - Binnenmarkt auszugleichen?