5893/J XX.GP
A n f r a g e
der Abgeordneten Khol
und Kollegen
an den Bundesminister für Inneres
betreffend Ad hoc - Gespräch über die Lage der Kurden im Wiener Europabüro
der SPÖ
Am 26. Februar 1999 fand im Wiener Europabüro der SPÖ in der
Schenkenstraße über Einladung von MEP Dr. Swoboda ein Ad hoc - Gespräch
über die Lage der Kurden und die weitere Vorgangsweise der EU statt. Das
Gespräch hat, wie sich aus der Einladung ergibt, gemeinsam mit Erol Polat,
Vertreter der ERNK (Nationale Befreiungsfront Kurdistans) Österreich und
Ender Karadas, Sprecher der ERNK - Vertretung Österreich, stattgefunden.
Aus Medienberichten wurde bekannt, daß an diesem Gespräch auch Necdet
Buldan, ein Abgeordneter des Kurdischen Exilparlaments teilnahm. Dieser
erklärte unverhohlen “Wir sehen es als Aufgabe an, Terror gegen die Türkei
auszuüben”
Diese Drohung steht im eklatanten Widerspruch zur Erklärung des
Innenministers vor dem Nationalrat zu aktuellen kurdischen Aktivitäten in
Österreich am 25. Februar 1999, in der er darauf hinwies, daß Österreich
unterdrückten Volksgruppen zwar die Möglichkeit einräumt, in zivilisierter und
gewaltfteier Form für friedliche Lösungen ihres Problems einzutreten, daß aber
den handelnden Personen bewußt sein müsse, daß ein demokratischer
Rechtsstaat verpflichtet sei, Gewaltaktionen auf seinem Territorium zu
unterbinden und die den Gesetzen zuwiderhandelnden Personen nach den
Prinzipien der rechtsstaatlichen Ordnung zu belangen und zu bestrafen.
Von Interesse war auch die Erklärung des Innenministers, daß die PKK und die
ERNK, ein politischer Zweig der PKK, in Österreich weder als Vereine noch als
Parteien registriert seien.
Diese Erklärung steht faktisch in Widerspruch zum Auftreten von ERNK -
Vertretern im Wiener Europabüro der
SPÖ, aber auch zu den Feststellungen der
Gerichte (OGH 18.10.1994, 11 Os 112, 114/94) und Berichten über die
Eröffnung eines ERNK - Büros in Wien im März 1995. Diese Tatsache war ja
auch Gegenstand von Beratungen insbesondere des früheren Innenministers
Einem über die Vorgangsweise der Exekutive.
Die unterfertigten Abgeordneten richten an den Bundesminister für Inneres
folgende
A n f r a g e :
1. Ist Ihnen die Terrordrohung des Abgeordneten des Kurdischen
Exilparlaments, Necdet Buldan, anläßlich des Mediengesprächs im Wiener
Europabüro der SP bekannt?
2. Wie beurteilen Sie diese Äußerung aus strafrechtlicher Sicht?
3. Wurde gegen Necdet Buldan Strafanzeige erstattet?
4. Sind diese Terrordrohungen allenfalls Anlaß für fremdenpolizeiliche
Maßnahmen?
5. Wenn ja, welche?
Wenn nein, warum nicht?
6. Welche Organisationsform hat die ERNK, wenn sie zwar kein Verein ist,
aber doch organisiert auftritt und offenbar auch über eine Bürostruktur
verfügt?
7. Ist dies nicht ein Widerspruch zum Vereinsrecht?
8. Was werden Sie unternehmen, um diesen Widerspruch zu bereinigen?