5941/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Terezija Stoisits, Freundinnen und Freunde

 

an den Bundesminister für Finanzen

 

betreffend Kunstwerke aus dem Besitz von Verfolgten des NS-Regimes, die im

staatlichen Auktionshaus Dorotheum bis heute zur Versteigerung gelangen.

 

Seit einigen Jahren ist die Diskussion über die wirtschaftlichen Schäden der NS -

Opfer im In - und Ausland aufgeflammt.

 

In diesem Zusammenhang wurde in letzter Zeit mehrmals in Zeitungsberichten

(z.B. Der Standard vom 26.1.99, 29.1.99 und 2.2.99) das Dorotheum genannt, das

bis in die jüngste Vergangenheit Raubkunst - eventuell sogar wissentlich - zur

Versteigerung, bzw. Verkauf gebracht hat. Dabei handelt es sich um

Kunstwerke, deren Besitzer durch das NS - Regime verfolgt waren und denen die

betreffenden Objekte gestohlen, abgepreßt, unter dem tatsächlichen Wert

abgekauft, bzw. nach Ende der NS - Herrschaft in Österreich von der zweiten

Republik als Gegenleistung für Ausfuhrgenehmigungen anderer Werke

einbehalten, als „Schenkung“, bzw. „Widmung“ akzeptiert oder unter dem

tatsächlichem Wert gekauft wurden

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

 

ANFRAGE:

 

1. Entsprechen die Berichte den Tatsachen, daß in der zweiten Republik

    Raubkunst vom staatlichen Auktionshaus Dorotheum zur Versteigerung,

    bzw. Verkauf gebracht wurden?

 

2. Wenn diese Beichte den Tatsachen entsprechen, geschah dies auf

    Veranlassung oder mit Wissen des/der zuständigen

    Ministeriums/Ministerien?

 

3. Wann gab es welche Berichte über entsprechende Versteigerungen, bzw.

    Verkäufe an das/die zuständigen Ministerium/Ministerien?

4. Falls es Berichte über entsprechende Versteigerungen, bzw. Verkäufe an

    das/die zuständigen Ministerium/Ministerien gab, welche Konsequenzen

    zogen die zuständigen Ressortverantwortlichen?

 

5. Welche Raubkunstwerke wurden seit Kriegsende durch das Dorotheum

    versteigert, bzw. verkauft? Welche Erlöse aus der Versteigerung, bzw. dem

    Verkauf wurden in welchen Jahren erzielt?

 

6. Welche Kontrollen und gibt es, um das versehentliche Annehmen, bzw.

    Versteigern von Raubkunst durch das staatliche Auktionshaus Dorotheum

    zu verhindern? Seit wann bestehen diese Kontrollen in welcher Form?

 

7. Welche Maßnahmen haben Sie als zuständiger Minister bisher ergriffen,

    um die Versteigerung, bzw. den Verkauf von Raubkunst durch das

    Dorotheum zu verhindern?

 

8. Wurden während Ihrer Amtszeit entsprechende Raubkunstwerke vom

    Dorotheum aus Versteigerungen, bzw. dem Verkauf genommen?

 

9. Wurden während Ihrer Amtszeit entsprechende Raubkunstwerke an die

    ursprünglichen Besitzer, bzw. deren Erben restituiert?

 

10. In den angesprochenen Zeitungsberichten werden Kunstwerke aus den

      Sammlungen Bloch - Bauer und Rothschild erwähnt. Von wem übernahm das

      Dorotheum diese Kunstwerke um sie zu versteigern?

 

11. Wer erwarb die entsprechenden Kunstwerke?

 

12. Welche Schritte haben Sie ergriffen, bzw. werden Sie ergreifen, damit die

      ursprünglichen Besitzer, bzw. deren Erben die Kunstwerke restituiert

      bekommen oder entschädigt werden?

 

13. Welche entsprechenden Kunstwerke wurden während der NS - Herrschaft

      vom Dorotheum zur Versteigerung, bzw. zum Verkauf gebracht?

 

14. Wie hoch waren die entsprechenden Erlöse?

 

15. Wurden die entsprechenden Transaktionen bereits untersucht, bzw. wann

      sollen diese untersucht werden? Welche Schritte haben Sie in dieser

      Angelegenheit bisher ergriffen?

 

16. Welche Entschädigungen der ursprünglichen Besitzer, bzw. deren Erben

      wurden bisher durchgeführt, bzw. sind geplant. Welche Schritte haben Sie

      in dieser Angelegenheit bisher ergriffen?

 

17. Welche Aufzeichnungen gibt es über Versteigerte, bzw. verkaufte

       Kunstwerke generell?

18. Welche Aufzeichnungen gibt es von versteigerter, bzw. verkaufter

      vermeintlicher oder tatsächlicher Raubkunst konkret?

 

19. Wurden Unterlagen zu entsprechenden Kunstwerken seit Kriegsende      

      vernichtet?

 

20. Falls Unterlagen vernichtet wurden, welche Kunstwerke betrifft dies und

      wann wurden solche Aktenvernichtungen durchgeführt?

 

21. Was unternahmen Sie bisher, um das Vernichten solcher Akten zu

      verhindern?