6033/J XX.GP
ANFRAGE
der Abgeordneten Dr. Grollitsch, Dr. Salzl und Kollegen
an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft
betreffend Umsetzung entsprechender EWG - bzw. EU - Richtlinien zur Lockerung des Kor -
moranschutzes
Aufgrund der in den siebziger Jahren rückläufigen Anzahl von Kormoranen im westlichen
Europa wurde der Kormoran (Phalacrocorax carbo sinensis) 1979 von der EU - damals noch
EWG - in den Anhang I der Richtlinie 79/409/EWG des Rates „über die Erhaltung der wild -
lebenden Vogelarten“ aufgenommen und unter umfassenden Schutz gestellt. Sowohl die
Wiederansiedelung von Brutkolonien als auch der vollumfängliche Schutz des Kormorans
waren zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt und grundsätzlich zu begrüßen.
Mittlerweile haben die Schutzbestimmungen unvorhersehbar stark gegriffen und der Kormo -
ranbestand ist geradezu exponentiell angestiegen. Derzeit wird die Anzahl der europaweit
lebenden Kormorane auf mindestens 700.000 geschätzt, Tendenz stark steigend. Es ist nun -
mehr zu befürchten, daß es infolge des hohen Nahrungsbedarfes der Vögel europaweit zu
einer massiven Schädigung der Süßwasser - Fischbestände kommt.
Aufgrund dieser veränderten Situation und auf Drängen zahlreicher Einzelstaaten hat das Eu -
ropäische Parlament eine Entschließung zur Kormoranproblematik verabschiedet, in der fol -
gende „zeitweilige“ Sondermaßnahmen „für zweckmäßig“ erachtet werden:
a) die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts in den Gebieten, in denen die
anormale Zunahme der Zahl der Kormorane nachgewiesen werden kann,
b) vorbeugende Maßnahmen, um die Fortpflanzung der Kormorane zu begrenzen,
c) die Überprüfung und Entwicklung weiterer Aktionen ohne Anwendung von Gewalt, um
die Auswirkungen des überzähligen Auftretens der Kormorane auf die Umwelt zu verrin -
gern,
d) und vor allem das Fangen von Kormoranen in den Gebieten, in denen ihre Schädlichkeit
nachgewiesen ist, und unter Berücksichtigung der Studien wissenschaftlicher Sachver -
ständiger die vorübergehende Streichung der Kormorane ... aus Anhang I der Richtlinie
79/409/EWG.
Diese Entschließung wurde von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften insofern
berücksichtigt, als sie mit der Richtlinie 97/49/EG vom 29.7.1997 eine Änderung besagten
Anhangs I der Richtlinie 79/409/EWG anregt, um „den neuesten Informationen über den Be -
stand der Vogelart Phalacrocorax carbo sinensis Rechnung zu tragen.“ Darüberhinaus werden
die Mitgliedstaaten im Art. 2 aufgefordert, die erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvor -
schriften zu
erlassen, um dieser Richtlinie bis spätestens 30. September 1998
nachzukommen.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher an den Bundesminister für Land- und Forst -
wirtschaft folgende
Anfrage
1. Haben Sie im Sinne des Art. 2 der EU - Richtlinie 97/49/EG vom 29. Juli 1997 „erforderli -
che Rechts- und Verwaltungsvorschriften“ erlassen, um im Sinne der Richtlinie das
Kormoranproblem zu verringern?
Wenn ja, welche und wann?
Wenn nein, warum nicht?
2. Haben Sie im letzten Jahr Sondermaßnahmen getroffen, um die Auswirkungen des über -
zähligen Auftretens der Kormorane auf die heimische Umwelt - insbesondere das Aus -
fischen der heimischen Fischgewässer - zu verringern?
Wenn ja, welche?
Wenn nein, warum nicht?
3. Zu welchen Ergebnissen ist die am 12. Februar 1997 eingesetzte „Arbeitsgruppe Kormo -
rane“ gekommen bzw. wie beantwortet die Arbeitsgruppe insbesonders folgende Fragen:
a) Wieviele Kormorane haben in den beiden letzten Wintern Österreichs Fließgewässer
zur Nahrungsaufnahme besucht?
b) Welche Menge an heimischen Fischen wurde dabei verfressen und welchem Gegen -
wert entspricht diese Fischmenge?
c) Welche heimischen Fischarten sind vom Kormoranfraß besonders betroffen?
d) An welchen Fließstrecken ist eine extreme Dezimierung oder Ausrottung welcher Ar -
ten entstanden?
e) Welche Mengen an Kormoranen wird im nächsten Winter in Osterreich erwartet?
4. Welches Ergebnis brachte Ihr Schreiben an die Ämter der Landesregierungen bezüglich
effizienter und nachhaltig wirksamer Maßnahmen für die von Kormoranschäden Betrof -
fenen?
5. Welche Möglichkeiten sehen Sie, für die von Kormoranschäden Betroffenen Entschädi -
gungen für Revitalisierungsbemühungen (Besatz) zu lukrieren?
6. Wurde Österreich zwischenzeitlich offiziell in die internationale Arbeitsgruppe "Kormo -
ran - Management - Plan" eingebunden?
Wen ja, wann?
Wenn nein, warum nicht?
7. Sehen Sie in der Ausstattung von Flußkraftwerken mit Fischaufstiegshilfen eine geeignete
naturnahe Hilfsmaßnahme beim Versuch, die durch Kormoranfraß entstandenen Schäden
an den heimischen Fischpopulationen mittelfristig zu beheben?
Wenn ja, wie unterstützen Sie die Maßnahmen?
Wenn nein, warum nicht?
8. Würden Sie einer befristeten Streichung des Kormorans (Phalacrocorax carbo sinensis)
aus dem Anhang I der Richtlinie 79/409/EWG des Rates „über die Erhaltung der wildle -
benden Vogelarten“ zustimmen?
Wenn ja, in welcher Form und wann?
Wenn nein, warum nicht?