6042/J XX.GP

 

Anfrage

 

 

 

der Abgeordneten Morak

und Kollegen

 

an den Bundeskanzler

 

betreffend „Studie zur sozialen Lage der Autorinnen und Autoren in Österreich“

 

Seit 1993 wird im jährlichen Kunstbericht eine Untersuchung zur sozialen und

ökonomischen Situation österreichischer Autorinnen und Autoren angekündigt, mit

der die IG Autorinnen und Autoren beauftragt worden war. Laut Kunstbericht 1993

sollte diese Studie Ende 1994 fertiggestellt werden, laut Kunstbericht 1994 und 1995

war der Fertigstellungstermin für Ende 1996 vorgesehen. Im Kunstbericht 1996 findet

sich kein Hinweis mehr über eine fertige oder in Abschluß befindliche Studie außer

dem Aufscheinen einer Subvention von öS 400.000.-. Auch der Kunstbericht 1997

enthält keinen entsprechenden Hinweis oder Bericht über die Studie.

 

Trotz wiederholter Ersuchen an die Kunstsektion war es bisher nicht möglich, die

vollständige Studie zu erhalten. Die unterzeichneten Abgeordneten erhielten lediglich

von der IG Autorinnen und Autoren eine "Auszugsweise Zusammenstellung" zur

„sozialen, rechtlichen und materiellen Situation österreichischer Autorinnen und

Autoren“ im Sommer 1998 sowie nach mehrmaligen mündlichen und schriftlichen

Ersuchen im Staatssekretariat dreizehn unkommentierte Seiten „Daten zur sozialen

Situation österreichischer Autoren“ im Februar 1999.

 

Die Datensammlung weist grobe inhaltliche und methodische Mängel auf. Laut

Quellenangabe in der oben genannten dreizehnseitigen Datensammlung zur

sozialen Situation österreichischer Autoren wurden drei unterschiedliche und daher

nicht vergleichbare Befragungen in einem Zeitraum von sechzehn Jahren (1978,

1982,1994) herangezogen. Die einzelnen Tabellen weisen keine Quellenangaben

auf, es finden sich einerseits Auswertungen bis 1997, andererseits Tabellen, die nur

bis ins Jahr 1993 oder 1994 reichen, die Tabelle "Arbeitsschwerpunkte" enthält

dreizehn Kategorien, die Tabelle „Spezialisierung“ nur mehr fünf, um nur einige

Beispiele zu nennen.

 

Daß es sich bei diesen beiden zum Teil identen Papieren um eine abgeschlossene

Studie handelt, für die laut Kunstbericht 1994 öS 1,020.000.-, und 1996 öS

400.000.- ausbezahlt wurden, scheint fraglich. Fast sechs Jahre, nachdem die Studie

angeblich in Auftrag gegeben wurde, scheint ihre Erstellung, Nutzung, Sinnhaftigkeit

und Finanzierung im Verhältnis zum bisher vorliegenden Ergebnis

aufklärungsbedürftig.

Die unterzeichneten Abgeordneten stellen daher an den Bundeskanzler folgende

 

Anfrage

 

 

1.   Wann wurde die Studie „Die soziale Lage österreichischer Autorinnen und

      Autoren“ in Auftrag gegeben?

 

2.   Auf Grund welcher Qualifikation wurde die IG Autorinnen und Autoren mit der

      Studie beauftragt?

 

3.   Welche Personen mit welcher Qualifikation haben an der Studie gearbeitet?

 

4.   Ist die Studie je abgeschlossen worden?

 

5.   Wenn ja, wann wurde die Studie abgeschlossen?

 

6.   Wenn nein, warum nicht?

 

7.   Welchen Umfang hat die Studie?

 

8.   Welche Quellen wurden zur Arbeit herangezogen?

 

9.   Von welcher Definition eines „Autors“ bzw. einer „Autorin“ wurde bei der

      Erstellung der Studie ausgegangen?

 

10. Handelt es sich um eine repräsentative Auswahl oder eine Zufallsauswahl der

      Autorinnen und Autoren?

 

11. Nach welchen Kriterien erfolgte die Erfassung der befragten Autorinnen und

      Autoren?

 

12. Wie hoch war die Rücklaufquote der befragten Personen?

 

13. Halten Sie in Anbetracht der groben inhaltlichen und methodischen Mängel der

      Datensammlung eine derartige Auswertung für wissenschaftlich seriös?

 

14. Nach welcher Methodik wurden die Daten ausgewertet?

 

15. Welche Erkenntnisse konnten aus der Studie abgeleitet werden?

 

16. Wieso fehlt der Datensammlung jegliche Interpretation bzw. Information über die

      Datenerhebung und Ausgangssituation?

 

17. Wie hoch waren die Kosten für die Studie?

 

18. In welchen Jahren wurden für die Studie welche Beträge ausbezahlt?

19. An wen wurde die im Kunstbericht 1994 angegebene Summe von öS 1,020.000.-

      und jene im Kunstbericht 1996 genannten ÖS 400.000.- bezahlt und auf welche

      Posten gliedert sich ihre Auszahlung auf?

 

20. Wie ist Ihrer Meinung nach der hohe Kostenaufwand von öS 1,4 Mio. zu

      rechtfertigen, in Anbetracht der Tatsache, daß das Institut für Soziologie der

      Universität Wien eine solche Untersuchung über die bildenden Künstler um öS

      500.000.- erarbeitet hat?

 

21. Über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche und Projekte im Bereich der Literatur

      wird in den Kunstberichten 1996 und 1997 ausführlich berichtet. Aus welchen

      Gründen enthält weder der Kunstbericht 1996 noch der Kunstbericht 1997 einen

      kurzen Überblick über die Ergebnisse der Studie?

 

22. 1993 wurde die Notwendigkeit einer neuen Studie damit begründet, daß nur

      aktuelle Daten aussagekräftig wären. Die Ergebnisse der vorliegenden

      Datensammlung sind aber allein auf Grund ihrer langwierigen Entstehung bereits

      wieder verjährt. Für wie aussagekräftig halten Sie eine Studie, die mit fünf Jahre

      alten bzw. noch älteren Daten operiert?

 

23. Aus welchen Gründen kam es bei der Fertigstellung der Studie zu jahrelangen

      Verzögerungen?

 

24. Wie beurteilen Sie die Tatsache, daß die anfragestellenden Abgeordneten trotz

      mehrmaligen Ersuchens in der zuständigen Abteilung sowie im Staatssekretariat

      schließlich nur eine "Loseblattsammlung“ von Daten ohne jegliche Interpretation

      zugeschickt bekamen?

 

25. Aus welchen Gründen konnte die Studie den anfragestellenden Abgeordneten

      bisher nicht zur Verfügung gestellt werden?

 

26. Sind Sie bereit, die komplette Studie dem Nationalrat als Bericht , somit als

      Verhandlungsgegenstand, zu übermitteln?