6097/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

Der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser und Andreas Wabl

An Innenminister Schlögl

Betreffend Landminen aus Österreich

 

Zwischen drei und fünf Millionen tödlicher Landminen werden derzeit alleine

im Gelände Bosniens vermutet. 120 Millionen Landminen dürften weltweit -

vor allem in den Krisengebieten der Dritten Welt - vergraben sein, geschätzte

180 Millionen Stück lagern in den Waffenarsenalen der Militärs.

Seit 1. Jänner 1997 ist in Österreich die „Herstellung, der Verkauf und die

Ausfuhr von Anti - Personen - Minen verboten“.

Seither wird in Österreich immer mehr aus Landminen eine

„Richtsplitterladungen“, die wiederum nicht unter das Produktions - und

Ausfuhrverbot fallen. Diese mit Fernsteuerung versehene Minenart kann relativ

leicht mit einem Stolperdraht versehen werden und würde damit wieder den

verbotenen Landminen entsprechen.

Richtsplitterladungen jedoch können von den vier österreichischen

Erzeugerfirmen problemlos weiterhin erzeugt und exportiert werden.

Nun hat ein offensichtlicher Insider auf der Waffenbranche einige Fälle von

„Umgehungen des Landminenexportes“ öffentlich dargestellt

(OÖ.Kronenzeitung - 12.3. bis 3.4.1999).

Aus diesen Veröffentlichungen ergeben sich eine ganze Reihe von dringend

aufzuklärenden Fragenbereichen. Die unterzeichneten Abgeordneten richten

daher an den Innenminister folgende schriftliche

 

ANFRAGE

 

1. Wie bewerten Sie die Notwendigkeit, auch Richtsplitterladungen in das

    Landminenverbot aufzunehmen, das es ansonsten zu laufenden Umgehungen

    des Gesetzes zum Verbot von Anti – Personen - Minen kommt?

 

2. Der „European code of conduct on arms transfers“ regelt unter anderem die

    Verpflichtung der Nationalstaaten, kontinuierliche Berichte über Waffenexporte

     zu verfassen und zu veröffentlichen. Bekennt sich das Innenministerium zu

     diesem EU - Übereinkommen, wie wird es befolgt und welche Konsequenzen

     erwachsen daraus?

 

3. Ein Insider auf der Waffenbranche berichtet in den oben angeführten Artikeln

    unter anderem darüber, daß ein „steirischer Minenproduzent Ende 1996, also

   unmittelbar vor Umsetzung des Anti - Personenminen - Verbotes 70.000

   Sprengfallen AP 19 nach Norwegen exportierte. Entspricht diese Informationen

   den Tatsachen? Lag dafür eine Exportgenehmigung, ein entsprechend positives

   Gutachten des Außenministeriums und ein Endverbraucher - Zertifikat vor?

 

4. Kamen den Beamten des Innenministeriums angesichts der enormen Mengen

    dieser Lieferung nicht Zweifel darüber, ob der Export tatsächlich nach

    Norwegen und nur nach Norwegen geliefert wurde?

 

5. Laut oben angeführten Berichten verweisen Experten der UNO auf

    Landminenfunde im vom langjährigen Bürgerkrieg gezeichneten Angola, die

    als APM 19 aus österreichischer Produktion verifiziert wurden? Sind dem

    Innenministerium diese Informationen bekannt? Wurden Nachforschungen über

    den Ursprung dieser Waffen durchgeführt? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja,

    mit welchem Ergebnis?

 

6. In welche weiteren Länder wurden in den Jahren 1996 bis 1999 jeweils

    Exportgenehmigungen in welchen konkreten Mengen für Anti - Personen - Minen

    bzw. Richtsplitterladungen erteilt?

 

7. Ist es richtig, daß eine steirische Firma bis 1996 die Anti - Personen - Mine 19

    (AP 19) exportierte und ab diesem Zeitpunkt die DFC 19

    (Richtsplitterladungen). Es es richtig das etwa 1997 von dieser Firma, wie im

    oben angeführten Artikel dargestellt, 20.000 DFC nach Schweden exportiert

    wurden und wenige Wochen später 20.000 Zubehörsätze nachgeliefert wurden,

    durch die sich die DFC problemlos wiederum in eine APM umbauen lassen

    wurde?

 

8. Hat das Innenministerium Hinweise dafür, daß auch Patente bzw Know - How

    der Anti - Personen - Minen bzw der Richtsplitterladungen von österreichischen

    Firmen in das Ausland exportiert wurden? Wenn ja, in welchen konkreten

    Fällen?

 

9. Besitzt das Innenministerium Hinweise dafür, daß österreichische Firmen

    Anti - Personen - Minen im Ausland produzieren bzw bearbeiten, wie dies in

    diversen Gerüchten in der Waffenbranche kolportiert wird?