6174/J XX.GP

 

Anfrage

 

der Abgeordneten Dr. Khol, Schwarzenberger, Dr. Höchtl, Ingrid Tichy - Schreder

und Kollegen

an den Bundesminister für Finanzen

betreffend Genehmigung der Zinssenkung bei den österreichischen Bauspar -

kassen

 

 

Bei den österreichischen Bausparkassen besteht Einigkeit darüber, daß sowohl

die Darlehens -  als auch Einlagenzinsen um 1,5 Prozentpunkte gesenkt werden

sollen. Die Darlehenszinssätze würden damit von bisher 6 % auf 4,5 % sinken.

Dadurch wären in Entsprechung zur allgemeinen Entwicklung am Kapitalmarkt

beachtliche Einsparungen für die insgesamt rund 800.000 Darlehensnehmer er -

zielbar. Bei einem Darlehen von 1 Mio. Schilling auf 20 Jahre würde beispielsweise

die Zinsbelastung im ersten Jahr von 60.000 auf 45.000 S sinken und damit eine

monatliche Ersparnis von 1.250 S bringen. Über die gesamte Laufzeit würde die

Zinsersparnis rund 168.000 S betragen. Des weiteren könnten Mittel im Ausmaß

von rund 2,5 Mrd. Schilling jährlich freigesetzt werden, die für die Baukonjunktur

und die Senkung der Wohnkosten genutzt werden könnten.

 

Die Zinssenkung ist aber auch für das Geschäft der Bausparkassen selbst sehr

dringend geworden. Sollten die Zinsen nicht rechtzeitig gesenkt werden können,

so wird sich dies auf den Ertrag der Bausparkassen auswirken. Alleine die S - Bau -

sparkasse gibt an, daß im ersten Quartal 1999 das Neugeschäft bei den Auslei -

hungen um 3 Mrd. Schilling auf 4,9 Mrd.Schilling zurückgegangen ist. Die ange -

strebte Zinssenkung ist somit äußerst wichtig, um ein weiteres Abtriften in

Schweizer - Franken - Kredite, das derzeit in der österreichischen Wohnbaufi -

nanzierung beobachtet wird, zu verhindern.

 

Für diese Zinssenkung ist allerdings die Genehmigung des Bundesministers für

Finanzen notwendig. Im Wirtschaftsblatt vom 29. April 1999 stellt der General -

direktor der S - Bausparkasse, Josef Rapp jedoch fest, daß es bezüglich der

Rücknahme der Zinsen bei Einlagen und Darlehen einigermaßen Konsens mit der

Aufsichtsbehörde gebe. Daraus läßt sich schließen, daß noch keine endgültige

Zusage des Finanzministeriums für die Zinssenkung bei den Bausparkassen

vorliegt.

Die unterzeichneten Abgeordneten richten daher an den Bundesminister für

Finanzen folgende

 

Anfrage:

 

1. Warum liegt noch keine vollständige Einigung der Aufsichtsbehörde mit den

     österreichischen Bausparkassen hinsichtlich einer Senkung der Darlehens -

     zinsen vor?

 

2. Welche Gründe sprechen Ihrer Meinung nach gegen eine sofortige Bewilligung

     dieser Zinssenkung?

 

3. Wann werden Sie spätestens die von den Bausparkassen angestrebte Zins -

     senkung als zuständige Aufsichtsbehörde genehmigen?

 

4. Wie beurteilen Sie die Gefahr einer weiteren Verlagerung zu Schweizer -

     Franken - Krediten im Bereich der Wohnbaufinanzierung, falls es zu keiner

     Absenkung der Zinssätze im Bausparbereich kommt?