6231/J XX.GP
Anfrage
der Abgeordneten Bgdr JUNG, OFNER, BAUER
und Kollegen
an den Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten
betreffend der österreichischen Botschaft in Belgrad
Als Folge der österreichischen Politik gegenüber der Bundesrepublik Jugoslawien wurde die
österreichische Botschaft in Belgrad - überstürzt - geräumt. In diesem Zusammenhang kam
es zu vielen Ungereimtheiten.
Aus diesem Grund stellen die unterzeichneten Abgeordneten folgende
Anfrage
1. Österreich besteht formal darauf, in diesem Konflikt neutral zu sein. Warum wurde dann
die Botschaft, im Gegensatz zu den Botschaften anderer neutraler und paktfreier Staaten,
geräumt?
2. Der Kanzler betont, sicher im Einvernehmen mit dem BMA, die mögliche Vermittlerrolle
des neutralen Österreichs. Wie will Österreich diese wahrnehmen, wenn nicht einmal eine
direkte Repräsentanz in Belgrad besteht?
3. Der Botschafter Dr. Petritsch war gleichzeitig mit EU - Aufgaben betraut. Da die EU insge -
samt eine wesentlich härtere Position einnimmt als das neutrale Osterreich, sehen Völker -
rechtler darin einen unlösbaren Interessenskonflikt. Warum hat das BMA nichts dagegen
unternommen?
4. Durch diese „Doppelfunktion“ fand der Botschafter offenkundig auch nicht genug Zeit,
die von Österreich gewünschte Räumung der Botschaft zu organisieren. Dabei soll es zu
schwerwiegenden Versäumnissen gekommen sein. Entspricht des den Tatsachen, daß
4.1. die Übersiedlung wesentlich durch einheimisches Personal durchgeführt wurde, obwohl
die Probleme mit dem lokalen angemieteten Sicherheitspersonal, spätestens seit der An -
frage der FPÖ, bekannt sein müßten?
4.2. dabei Geheimstücke (Reservatakten) in der Botschaft zurückblieben?
4.3. dabei „streng verrechenbare“ Drucksorten, wie Paßformulare, Visaformulare u.s.w., nicht
abtransportiert wurden?
4.4. seit der Übersiedlung bereits der Garagenschlüssel der Botschaft - mit Zugangsmöglich -
keit zum Hauptgebäude - fehlt?
4.5. trotzdem das BMA „auf Umwegen“ auf die Mißstände aufmerksam gemacht wurde, die -
se nicht behoben wurden (Abtransport), sondern nur eine oberflächliche augenscheinliche
Überprüfung der Botschaft erfolgte?
5. Bei dem fluchtartigen Verlassen des Gebäudes soll es zu schwerwiegenden und nicht wie -
der gut zu machenden Versäumnissen bei der Sicherstellung des Chiffriergeräts der Bot -
schaft gekommen sein. Entspricht es den Tatsachen, daß dabei das Herzstück dieses Sy -
sterns, der sogenannte ,,Edelweißchip", niemals in Wien angelangt ist?
6. Entspricht es den Tatsachen, daß mit diesem "Chip" die Verschlüsselung des geheimen
Schriftverkehrs zu allen österreichischen Botschaften erfolgt?
7. Wenn dies zutrifft, welche disziplinären Maßnahmen haben Sie, vor allem gegenüber dem
Botschafter gesetzt, der diese ungeheuerliche Schlamperei verusacht hat, die der Republik
einen schwerwiegenden und nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügt, und das BMA
international lächerlich macht?