6291/J XX.GP
der Abgeordneten Mag. Haupt, Dr. Salzl und Kollegen
an die Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz
betreffend selektive Wachstumssimulation von Siccovet - Produktkomponenten
auf Nocardia asteroides
Nocardienmastitiden gehören zu den bösartigen Euterentzündungen des Rindes,
welche - aufgrund der tief im Gewebe liegenden nicht heilbaren Infektionsbereiche -
meist zur Abschaffung des Tieres führen.
Der zur Mastitispropylaxe eingesetzte ,,Siccovet - Euter - Injektor“ (Fa. Werfft Chemie)
enthielt als Trägerhilfsstoff Paraffinöl, welches auf das Wachstum von Nocardia
asteroides einen stimulierenden Effekt ausübt, und bereits zum Zeitpunkt der ersten
Krankheitsausbrüche nicht dem letzten Stand der Wissenschaft entsprach.
Durch die Anwendung dieses, eigentlich zur Mastitisprophylaxe vorgesehenen, Euter -
Injektors kam es - ab März 1993 in ganz Österreich - zu umfangreichen
Nocardienmastitisausbrüchen, und zahlreiche Schadensfälle waren zu beklagen.
Gleichzeitig erfolgte die Information der Bauern über diesen Ausbruch so zögerlich
und zurückhaltend, daß viele Landwirte nicht an eine patho - histologische
Untersuchung ihrer kranken bzw. abgeschafften Tiere dachten.
Die unterfertigten Abgeordneten richten in diesem Zusammenhang an die
Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz die
nachstehende
1. Ist die Siccovet Arzneispezialität derzeit in Österreich zugelassen, wenn ja -
a. warum?
b. enthält diese Paraffinöl als Trägersubstanz?
2. Wie oft wurde die Zusammensetzung des Siccovet Euterinjektors während aller
Zulassungsperioden geändert, und wie genau unterscheiden sich diese Präparate?
3. Warum kam es, nach der Anwendung der Arzneimittelspezialität Siccovet, zum
gehäuften Auftreten von Nocardien - Mastitiden?
4. War Siccovet prädisponierend für
die Nocardien - Mastitiden?
5. Waren Ihnen - zum Zeitpunkt der Zulassung von Siccovet mit Paraffin als
Trägersubstanz - die aktuellsten wissenschaftlichen Berichte über den
wachstumsstimulierenden Effekt von Paraffin auf Nocardia asteroides bekannt,
a. wenn ja, warum wurde das Präparat zugelassen?
b. wenn nein, warum nicht?
6. War Siccovet ein fehlerhaftes Arzneimittel nach dem Produkthaftungsgesetz,
a. wenn ja, warum?
b. wenn nein, warum nicht?
7. Warum wurde Siccovet auch nach Chargenverboten und Herstellerrückzug
angewendet?
8. Mit welcher Unterstützung können die bis heute nicht entschädigten Landwirte von
Seiten Ihres Ressorts rechnen?