6305/J XX.GP
der Abgeordneten Dr. Povysil, Dr. Pumberger, Mag. Haupt, Dr. Salzl, Dr. Kurzmann
und Kollegen
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales
betreffend: Impfmaßnahmen gegen Rotaviren in industrialisierten Ländern durch
WHO gefordert.
In einem Positionspapier der Weltgesundheitsbehörde (WHO) wird für eine sichere und
effektive Vakzine gegen Durchfall - auslösende Rotaviren in Industrieländern plädiert.
Dies soll ein erster Schritt zur weltweiten Kontrolle dieser Viruserkrankung sein. Der
erste Rotavirus - Impfstoff ist bereits in den USA zugelassen. Die WHO hat der
Entwicklung von Impfstoffen gegen Rotaviren, gegen die es bisher kein antiviral
wirksames Medikament gibt, höchste Priorität zugeordnet.
Weltweit erkranken jährlich 125 Mio. Menschen. Ein Argument für die Impfung in
industrialisierten Ländern ist laut WHO, daß Veränderungen der Lebensbedingungen die
Inzidenz kaum beeinflussen: Die Inzidenz in wenig entwickelten Ländern ist unmerklich
höher als in industrialisierten Ländern (Weekly Epidem Record 74, 1999, 33). Allerdings
sinke die Mortalität mit zunehmendem Lebensstandard.
Die WHO erinnert daran, daß experimentelle, oral verabreichbare Impfstoffe gegen
Rotaviren in industrialisierten Ländern bereits erfolgreich geprüft worden sind und eine
Schutzwirkung gegen einen schweren, lebensgefährlichen Verlauf der
Durchfallerkrankung von mindestens 80% erreicht haben. Die Schutzwirkung des bisher
einzigen, und zwar in den USA zugelassenen tetravelanten Vakzine (RRV - TV, rhesus
rotavirus vaccine) habe zwischen 64 und 100% gelegen. Die Dauer der Erkrankung sei
deutlich reduziert worden.
In den USA werden Säuglinge seit Anfang des Jahres routinemäßig gegen Rotaviren
geimpft In Österreich wurden 1997 rd. 3300 stationäre Rotavirus - Infektionsfälle
gemeldet, bei Kindern bis fünf Jahren schätzt man die Erkrankungsrate zwischen rund
66.000 (d.h. jedes siebente Kind) und 22.000 (d.h. jedes 20. Kind)
In Österreich dürfte wegen der höheren Hospitalisierungsrate, im Vergleich zu den USA,
sogar mehr als die Hälfte der Krankheitskosten eingespart werden können. Der
österreichischen Volkswirtschaft dürfte die Rotavirus - Impfung trotz der hohen
lmpfkosten (etwas 300,-- ATS pro Dosis) jährlich mindestens 70 bis 150 Millionen ATS
an Ersparnis bringen - der jährliche Schaden wird auf 150 bis 256 Millionen ATS
geschätzt.
In diesem Zusammenhang stellen die unterfertigten Abgeordneten
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales
die nachstehende
ANFRAGE:
1. Wie beurteilen Sie seitens Ihres Ressorts den Rotavirus?
2. Welche Maßnahmen wird Ihr Ressort auf Grund des WHO Berichtes unternehmen?
Wenn Maßnahmen, welche und wie? Wenn keine, warum nicht?
3. Besteht Zahlenmaterial über in Österreich aufgetretene Rotavirenerkrankungen?
Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, können Sie dieses nach Bundesland gegliedert
anführen?
4. Wann wird das angeführte Präparat in Österreich zugelassen?
5. Wann wird das angeführte Präparat in der EU zugelassen?
6. Welche Position bezieht die EU zu diesem Problem?
7. Wird es in Österreich zu einer Routine - Impfung gegen Rotaviren kommen? Wenn ja,
wie und in welcher Form? Wenn nein, warum nicht?
8. Aus welchen Mitteln gedenken Sie die Rotaviren - Impfung zu finanzieren?