6314/J XX.GP
der Abgeordneten Petrovic, Haidlmayr, Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit & Soziales
betreffend Gesundheitsgefahr durch Chemikalien mit hormonellen Wirkungen
Viele von Menschen in die Umwelt gebrachte Chemikalien haben auf Menschen und Tiere
Wirkungen wie Hormone. Am bekanntesten sind Stoffe, die wie Sexualhormone wirken.
Die Wirkung von Hormonen kann sehr vielfältig sein. So steuern Östrogene nicht nur die
Entwicklung und Funktion der weiblichen und männlichen Sexualorgane, sondern
beeinflussen auch die Entwicklung des Zentralnervensystems und des Immunsystems, Fett -
und Kalziumstoffwechsel, Flüssigkeitsbilanz, Muskelbeweglichkeit und Knochenwachstum.
Hormone wirken schon in extrem niedrigen Konzentrationen, die Hormonwirkung kann
sogar bei höherer Konzentration geringer sein als bei niedriger. Sichere Grenzwerte gibt es
daher für Hormonwirkungen nicht.
Zu den Chemikalien, die hormonell wirksam sind, oder unter Verdacht stehen, hormonell
wirksam zu sein, zählen:
- Polychlorierte Biphenyle (PCBs)
- Bisphenol A: Ein Ausgangsprodukt für die Erzeugung des Kunststoffs Polycarbonat (PC)
PC wird als Spezialkunststoff für CD´s, Plastik - Milchflaschen, Motorradhelme etc.
verwendet.
- Phthalate: Weichmacher, die hauptsächlich in Weich - PVC verwendet werden.
- verschiedene Pestizide
Bei Tieren hat man schon lange Effekte festgestellt, die mit hormonellen Eigenschaften von
Umweltchemikalien in Zusammenhang gebracht werden.
In Deutschland wurden Zusammenhänge zwischen der Fruchtbarkeit von Frauen und der
Schadstoffbelastung der Follikelflüssigkeit besonders mit dem Holzschutzmittel PCP
gefunden. Bei in vitro Fertilisationen wurde ein Zusammenhang mit dem Schadstoffgehalt
von Samen oder Follikelflüssigkeit mit der Erfolgsrate der künstlichen Befruchtung
beobachtet. Daß auch in Österreich beobachtet wird, daß besonders viele Bauern in
Beratungsstellen für Sterilitätsbehandlung kommen und unter den Männern mit schlechter
Samenqualität besonders viele Bauern sind, ist ein deutlicher Hinweis auf die Gefährlichkeit
vieler Pestizide.
Allgemein nahm die Spermienzahl und - qualität bei Männern in industrialisierten Ländern
in den letzten Jahrzehnten stark ab, zwischen 1950 und 1990 um ca. 40 %.
Einige Mißbildungen und Krankheiten der Sexualhormone nehmen zu, wie Hodenkrebs bei
jungen Männern und steigende Brustkrebserkankungen bei Frauen. Bei Mädchen tritt
außerdem die Menstruation in immer
jüngeren Jahren ein.
Sehr wenige, auch von den in großen Mengen hergestellten Chemikalien und deren
Abbauprodukten, wurden bisher auf ihre hormonelle Wirksamkeit gründlich untersucht.
Solche Untersuchungen müssen, wie andere toxikologische Untersuchungen, z. B. auf
krebserregende Eigenschaften, bei Altchemikalien dringend nachgeholt und bei neuen
Chemikalien routinemäßig verlangt werden.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE:
1) Gibt es epidemiologische Untersuchungen, die einen möglichen Zusammenhang
zwischen bestimmten Erkrankungen und Chemikalien belegen?
Wenn nein, planen Sie derartige epidemiologische Studien?
2) Patientinnen, die durch Chemikalien geschädigt wurden, haben keine Lobby und sind
oft einem Spießrutenlauf bis zu Aufenthalten in der Psychiatrie ausgesetzt.
Was werden Sie unternehmen, um diese PatientInnengruppe zu unterstützen?