6339/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Dr. Povysil, KO Scheibner, Dr. Höbinger - Lehrer, DI Schöggl,

und Kollegen

an den Bundeskanzler

 

betreffend: Lösung des Jahr - 2000 - Problems (Y2K) Entschließung und Berichte der EU -

Kommission (KOM(98)0102 - (4 - 0233/98), (KOM(98)0593), (B4 - 0693/98), (A4 - 0014/99))

In einem Bericht der EU (Europäische Union) heißt es ,, In der Erwägung, daß das Risiko

eines falsch verarbeiteten Datums nach dem Jahr 2000 nicht genau eingeschätzt werden

kann, aber auch nicht unterschätzt werden darf, in der Erwägung, daß der Stand der

Vorarbeiten in den einzelnen Ländern und Sektoren sehr unterschiedlich ist, in der

Erwägung, daß davon ausgegangen wird, daß es vorrangig den Unternehmen und

Verwaltungen obliegt, angemessene Lösungen zu finden, da die Praxis, Zeichenketten

für die Jahresangabe im Datum zu verkürzen nicht immer auf Nachlässigkeit oder

mangelnder Voraussicht der Programmierer oder auf unvorhersehbaren Umständen

beruht, sondern oft auf wirtschaftliche Entscheidungen in Zeiten kostspieliger

Speicherkapazitäten zurückgeht, deren Konsequenzen nicht aus öffentlichen Geldern

finanziert werden dürfen, in der Erwägung, daß jedoch kleine und mittlere

Unternehmen (KMU), die in der Regel kurzfristiger planen und keine technischen

Spezialkenntnisse besitzen, wohl Unterstützung benötigen werden, auf die

weitreichenden Auswirkungen des Problems hingewiesen und darüber beraten werden

sollte, wie sie das Problem lösen können, in der Erwägung, daß die Gefahr besteht, daß

Fehlfunktionen nicht nur auf die Öffentlichkeit, sondern auch auf die Wirtschaft

insbesondere dort Auswirkungen haben können, wo sie in Schlüsselbereichen der

Infrastruktur auftreten, und daß die Regierung Schritte unternehmen sollte, um dieses

Risiko zu vermindern, in der Erwägung, daß das Jahr - 2000 - Problem im Nuklearsektor

Osteuropas und Rußlands von den Behörden dort kaum angegangen wird, was für die

europäische und auch österreichische Sicherheit eine ernste Gefahr bedeutet und über

die Grenzen hinweg ungeheuren Schaden verursachen kann,“

Die EU - Kommission ist in ihrem Bericht über das Jahr - 2000 - Problem noch immer sehr

besorgt angesichts der Frage, ob bestimmte Mitgliedstaaten, so auch Österreich, mit

der Bewältigung des Y2K - Problems vorankommen, sowie über die fehlende

grenzüberschreitende Zusammenarbeit in lebenswichtigen Bereichen, insbesondere im

Energie -, Telekommunikations -  und Verkehrssektor.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterfertigten Abgeordneten an den

Bundeskanzler nachstehende

 

ANFRAGE:

 

1. Laut der Entschließung des EU - Parlamentes soll vor der Jahrhundertwende alle drei

    Monate über die zur Lösung des Jahr - 2000 - Problems in der Europäischen Union

    erzielten Fortschritte die EU - Kommission unterrichtet werden. In welcher Form und

    wie (unter Einschluß interinstitutioneller Kooperation und eingebetteter Systeme)

    gedenken Sie dieses für Österreich zu verwirklichen? Wer wird diesen Bericht

    erstatten? Auf welche Grundlagen wird sich dieser Bericht stützen?

2. Laut der Entschließung des EU - Parlamentes soll eine Einflußnahme auf diejenigen

    Mitgliedstaaten erfolgen, die noch nicht genug getan haben, damit sie sich mit dem

    Problem ernsthafter auseinandersetzen; die Union sollte eher ihre Jahr - 2000 -

    Bemühungen qualitativ verstärken, als bestehende Initiativen zu kopieren oder zu

    ersetzen. Welche Maßnahmen hat die österreichische Bundesregierung konkret dazu

    unternommen?

 

3. Laut der Entschließung des EU - Parlamentes wird eine Steigerung der

    Informationstransparenz durch Berichterstattung über die eigenen Vorbereitungen,

    falls dies nicht bereits geschehen ist, sowie die Aufforderung börsennotierter

    Unternehmen, ihre veranschlagten Kosten für das Jahr - 2000 - Problem und den Stand

    ihrer Vorbereitungen offenzulegen, gefordert. Welche Schritte und Maßnahmen

    wurden seitens der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

4. Laut der Entschließung des EU - Parlamentes wird eine Beteiligung an Programmen für

    Entwicklungsländer, wie denjenigen, die von der Weltbank und den Vereinten

    Nationen, welche in Bezug zur Y2K - Problematik durchgeführt werden, empfohlen.

    Welche Schritte und Maßnahmen wurden Ihrerseits diesbezüglich unternommen?

    Bei welchen Programmen ist eine Kooperation Österreichs vorgesehen? Aus welchen

    Mitteln werden diese Kooperationen bestritten? Welche Kosten verursachen diese

    Kooperationen?

 

5. Laut der Entschließung des EU - Parlamentes wird eine Verbesserung der

    internationalen Zusammenarbeit und des Informationsaustausches im Nuklearsektor

    gefordert, wodurch die in diesem Bereich bestehende Situation transparenter wird;

    hierbei können unter anderem die WANO, die OECD und die IAEO eine wichtige

    Rolle spielen, gefordert. Wie und in welcher Form sieht der Informationsaustausch im

    Nuklearsektor mit Österreich effektiv aus? Welche Rolle spielt bei diesem

    Informationsaustausch Österreich und vice versa bei der WANO, OECD und IAEO?

 

6. Die Entschließung der EU empfiehlt Informationen über bekannte Probleme und

    beste Praktiken bereitzustellen und auf derartige Informationsmöglichkeiten

    hinzuweisen, insbesondere für KMU (kleine und mittlere Unternehmen). Welche

    Maßnahmen wurden seitens der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich

    getroffen?

 

7. In der EU - Entschließung wird bedauert, daß dem Bürger als Verbraucher in den

    Kampagnen zur Sensibilisierung für das Jahr - 2000 - Problem wenig Beachtung

    geschenkt wurde, obwohl er auf Produkt/Dienstleistungsfehlfunktionen im

    Zusammenhang mit dem Jahr - 2000 - Problem unvorbereitet ist; die EU fordert

    deshalb dringend auf, Aktionen zur Aufklärung der Verbraucher einzuleiten. Welche

    Schritte wurden diesbezüglich seitens der österreichischen Bundesregierung

    unternommen (ausgenommen der Versuch zur Bestellung eines nationalen Y2K -

    Beauftragten und das „Broschürchen“ vom BM f. Verbraucherschutz)? Welche

    Mittel sind dafür vorgesehen und wie sind diese bedeckt?

 

8. In der EU - Entschließung ist man sich der Tatsache bewußt, daß das Jahr - 2000 -

    Problem und der Euro dringende Probleme sind, und erinnert daran, daß diese

    Anpassungen verschiedenartig sind und deshalb verschiedene Testläufe erfordern

    und daß verschiedene industrielle und technische Systeme besondere Eingriffe

    notwendig machen. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der

    österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

9. Die Entschließung und die Berichte der EU empfehlen, der Firmware und der

    eingebetteten Software besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da deren

    Anpassung direkte Eingriffe in die bestehenden Anlagen oder deren Ersetzung

    erfordert. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der österreichischen

    Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

10. Die EU erinnert in der Entschließung und den Berichten daran, daß die

      Wechselwirkungen zwischen Unternehmen, ihren Zulieferern, Kunden,

      Finanzmaklern usw. dazu führen können, daß verfälschte oder störende Daten in

      sonst taugliche Systeme „importiert“ werden können, was einen

      gemeinschaftlichen firmenübergreifenden Informations - und Testergebnisaustausch

      notwendig erscheinen läßt. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der

      österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

11. Die EU besteht des weiteren darauf, daß alle Organisationen, selbst wenn sie eine

      Anpassung ihrer Software und ihrer Anlagen vorgenommen haben, einen

      Notfallplan haben müssen, um unerwartete Probleme, insbesondere in

      lebenswichtigen Infrastruktursektoren (Telekommunikation, Energie, Verkehr) und im

      Finanzdienstleistungsbereich, bewältigen zu können, und erinnert daran, daß die Zeit

      nicht (mehr) ausreicht, um alles in Ordnung zu bringen; erwartet, daß Unternehmen

      und Länder eindeutige Prioritäten setzen, um sicherzustellen, daß wichtige

      Dienstleistungen auch während der Zeit der Datumsumstellung erbracht werden

      Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der österreichischen

      Bundesregierung und die Bundesländer diesbezüglich unternommen?

 

12. Die EU ist der Auffassung, daß diese Fälle keinesfalls als „höhere Gewalt“

      insbesondere gegenüber den Verbrauchern gelten können, es sei denn, eine solche

      Anpassung war erfolgt und ein Notfallplan lag vor. Welche Schritte und Maßnahmen

      wurden seitens der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

13. Der EU  - Bericht äußert seine Besorgnis über den Mangel an verfügbaren

      Informationen im Sektor der Energieerzeugung (insbesondere von Kernenergie), des

      Energietransports und der Energieversorgung. Welche Schritte und Maßnahmen

      wurden seitens der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

14. Der EU - Bericht betont die Notwendigkeit für verstärkte grenzüberschreitende Tests

      mit Drittländern und internationale Zusammenarbeit in den empfindlichsten

      Sektoren und Versorgungseinrichtungen, die durch das Jahr - 2000 - Problem

      gefährdet sind (beispielsweise im Flugverkehr und in den Kernkraftwerken) und

      somit für die Bürger ernsthafte, über das normale Maß hinausgehende

      gesundheitliche Risiken verursachen. Welche Schritte und Maßnahmen wurden

      seitens der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

15. Die EU fordert die Mitgliedsstaaten auf, die Gefahren durch externe

      grenzüberschreitende Vernetzungen für die Europäische Union sowie die Gefahren

      zu prüfen, die durch die grenzüberschreitenden Auswirkungen von Störfällen im

      Kernsektor Osteuropas (so z.B. auch TEMELIN) und Rußlands infolge des Jahr - 2000 -

      Problems entstehen können, und hierfür einen Aktionsplan zu erstellen, nach dem

      neben der Förderung der Bewußtseinsbildung über den Ernst der Lage auch den

      betreffenden Behörden in Osteuropa und Rußland finanzielle Unterstützung gewährt

      werden kann. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der österreichischen

      Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

16. Die EU zeigt sich besorgt über das Fehlen von Notfallmechanismen für Jahr - 2000 -

      Notfälle im EU - Zuständigkeitsbereich, insbesondere bezüglich des Binnenmarktes

      und der transeuropäischen Netze. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens

      der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

17. Die EU empfiehlt generell, daß alle vorgeschlagenen EU - Rechtsakte oder

      Beteiligungen an Programmen mit bedeutendem informationstechnologischen Anteil

      eine Einschätzung ihrer Auswirkungen unter dem Gesichtspunkt ihrer „Jahr - 2000 -

      Tauglichkeit“ enthalten und daß eine Verschiebung bis nach dem Jahr 2000, wo

      dies möglich ist, geprüft werden sollte, wenn starke informationstechnologische

      Auswirkungen zu erwarten sind. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens

      der österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

18. Die EU - Kommission fordert eine Klarstellung, inwieweit die bestehenden Richtlinien

      zur Haftung für mangelhafte Dienstleistungen und zur Produktsicherheit und -

      haftung von den Verbrauchern im Fall von Jahr - 2000 - Problemen für sich in Anspruch

      genommen werden können. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der

      österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

19. Die EU nimmt die Erwähnung der Sicherheitsaspekte des Y2K - Problems, daß diese

      die Arbeitnehmer, die Öffentlichkeit sowie die Verbraucher betreffen können zur

      Kenntnis, und fordert die Aufnahme von Verhandlungen mit den zuständigen

      Behörden der Mitgliedstaaten, um sicherzustellen, daß diese Y2K - Aspekte im

      Rahmen der bestehenden Anforderungen des Gemeinschaftsrechts im Bereich

      Gesundheitsschutz und Sicherheit für die Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit

      berücksichtigt werden. Welche Schritte und Maßnahmen wurden seitens der

      österreichischen Bundesregierung diesbezüglich unternommen?

 

20. Die EU fordert, in Anbetracht der möglichen Auswirkungen des Jahr - 2000 - Problems

      auf die Öffentlichkeit und die Wirtschaft und weil die öffentlichen Behörden

      grundsätzlich für die Sicherheit von Personen und Waren und die Kontinuität

      öffentlicher Dienstleistungen und einer Grundversorgung verantwortlich sind, die

      Mitgliedstaaten zum Erlaß von Maßnahmen zu bewegen, die sich insbesondere auf

      folgende Punkte erstrecken.

       - Erhöhung des Tempos der Vorarbeiten und Ausarbeitung von Notfallplänen, um

          die durchgehende Funktionstüchtigkeit von staatlichen Basisdiensten zu

          gewährleisten,

       - Einrichtung besonderer Koordinierungsgremien und - programme zur Steigerung

         des Problembewußtseins, zur Erleichterung des Informationsaustausches und zur

         Überwachung der Fortschritte,

       - Förderung der Teilnahme von Gewerbebetrieben an internationalen

          Zusammenschlüssen in Schlüsselsektoren, wo grenzüberschreitende Operationen

          von ausschlaggebender Bedeutung sind, wie Luftverkehr, Telekommunikation,

          Energie und Finanzen,

        - Prüfung praktischer politischer Optionen zur Unterstützung von Unternehmen bei

          der Bewältigung des Jahr - 2000 - Problems.

Welche konkreten Schritte und Maßnahmen wurden seitens der österreichischen

Bundesregierung diesbezüglich unternommen?