6370/J XX.GP

 

Anfrage

 

der Abgeordneten Mag. Kukacka, Schwarzenberger, Dr. Leiner

und Kollegen

an den Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr

betreffend Notwendigkeit des Baus einer zweiten Tunnelröhre für den Tauern- und den

Katschbergtunnel

 

Nach der Brandkatastrophe im Tauerntunnel vom vergangenen Samstag trat Verkehrsminister

Einem in den Medien vehement für den Bau einer zweiten Tunnelröhre für den Tauern - und

den Katschbergtunnel ein.

 

Diese Forderung widerspricht Initiativen und Aussagen des Verkehrsministers in der

Vergangenheit. So ist der Bau einer zweiten Tunnelröhre weder für den Tauern - noch für den

Katschbergtunnel im sogenannten „Masterplan des österreichischen

Bundesverkehrswegeplans“ vorgesehen. Erst kürzlich hat Verkehrsminister Einem mehrmals

die Notwendigkeit einer zweiten Tunnelröhre ausdrücklich in Abrede gestellt.

 

Einem hat in zwei Briefen an den Landeshauptmann von Salzburg Schausberger, der an den

Minister mehrmals mit der Bitte herangetreten ist, den Bau einer zweite Tunnelröhre in seinen

,,Masterplan“ aufzunehmen, diesen Wunsch abgelehnt. Der Verkehrsminister schreibt in

seinem Brief vom 29.3.1999: „Ihrem Wunsch, den Bau der zweiten Tunnelröhren auf der

Tauernautobahn doch noch in den Masterplan aufzunehmen, kann ich daher nicht

entsprechen.“ Am 20.4.1999 antwortet der Verkehrsminister auf ein weiteres Schreiben von

Landeshauptmann Schausberger: „Aus der Sicht der Prognosen des

Bundesverkehrswegeplans ist bis 2015 auch unter Annahme des ungünstigsten Szenariums bei

weitem nicht die Grenze erreicht, ab der ein vierstreifiger Ausbau üblich beziehungsweise

gerechtfertigt ist. Es ist uns aber bekannt, daß die Tauernautobahn vor allem touristisch

bedingte Wochenendspitzen aufweist‘ die mit Hilft der Blockabfertigung zu beherrschen ist.

Es wäre wirtschaftlich nicht vertretbar derartige Belastungsspitzen zur Dimensionierung des

Straßenquerschnitts heranzuziehen.“

Weiters heißt es in dem Schreiben vom 20. April dieses Jahres: „Es ist folglich nicht

anzunehmen, daß die beiden einröhrigen Scheiteltunnel der Tauernautobahn übermäßig

gefährliche Abschnitte darstellen. ... Der Masterplan sieht daher den Bau der zweiten Röhre

für den Tauern - und den Katschbergtunnel nicht vor.“

 

Aus Entsetzen darüber, daß immer erst ein Unglück geschehen muß, damit längst notwendige

Maßnahmen gesetzt werden, stellen die unterzeichneten Abgeordneten an den Bundesminister

für Wissenschaft und Verkehr folgende

 

Anfrage:

 

1. Stehen Sie angesichts der tragischen Ereignisse vom vergangenen Samstag nach wie vor

    zu Ihrer vor sechs Wochen getätigten Aussage, daß einröhrige Tunnelabschnitte keine

    übermäßig gefährlichen Abschnitte darstellen?

 

2. Werden Sie den „Masterplan“ entsprechend Ihren medialen Aussagen dahingehend

    überarbeiten, daß der Bau einer zweiten Tunnelröhre für den Tauern - und den

    Katschbergtunnel als Projekt aufgenommen wird?

3. Welche Maßnahmen haben Sie in der Vergangenheit gesetzt, um das Risiko von

    derartigen Unfällen, wie er am Samstag im Tauerntunnel stattgefunden hat, zu vermeiden?

 

4. Welche Maßnahmen werden Sie in Zukunft setzen?